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Zwöflter Band.
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Die Industrieausstellungen.

eine vollständige Anschauung, von allen andern Ländern aber eine um so unvollständigeregeben, je weiter diese von dem Orte der Ausstellung entfernt sind. Bei allen Aus-stellungen der letzten sechs Jahre hat es sich in der That gezeigt, daß die Vertre-tung des Localgewerbes mit der Entfernung abnimmt, die Handelsgewerbsindustriedagegen in geringerm Maße von der Entfernung afsicirt wird. Man tadelt ferneran den Ausstellungen, daß sie wol dem Bewohner der Hauptstadt und der Um-gegend zugute kämen, daß sie dagegen nur wenig wirkten in entferntem Ländern, vonwoher außer den Ausstellern nur Wenige sie besuchten. Seitdem alle HauptstädteEuropas durch Eisenbahnen verbunden sind und immer mehr verbunden werden, möchtewol dieser Einwurf sein Gewicht ganz besonders verlieren. Die zahllosen Deutschen,Engländer, Italiener, Amerikaner aller Stände und aller Schichten der Gesellschaft —vom größten Fabrikanten bis zum Fabrikarbeiter —, welche im Sommer 1835 diepariser Weltausstellung besuchten, lieferten den Beweis, daß die Industrieausstellungenin der Form, wie sie uns sich darstellen, in der Art, wie sie benutzt werden, inder innigsten Beziehung zu den Eisenbahnen stehen, ja nur durch die Transporterleich-terungen, welche die Eisenbahnen für Personen und Güter darbieten, möglich ge-worden sind.

Eine Industrieausstellung gibt niemals ein vollständiges Bild von der Industrieeines ganzen Landes und ist im günstigsten Falle immer nur ein Beitrag zur Ge-werbestatistik desselben. Eine große Anzahl von Producten wird häufig für einesolche Schaulegung, obgleich mit Unrecht, nicht für geeignet gehalten: die einen viel-leicht wegen ihres Volumen, die andern, weil in langer Zeit nichts Neues gebrachtwurde und mithin der schauenden Menge nichts Auffallendes zu zeigen ist; noch an-dere, weil sie, wie man meint,'ihrer Einfachheit wegen gegen die glänzenden Nach-barn allzu sehr abstechen würden. Sehr häufig ist auch die Entfernung des Produ-centen vom Ausstellungsorte, die Unzufriedenheit des Fabrikanten mit irgendeinemPunkte der Verordnung der Ausstellungscommission, die Gefahr des Verderbens,selbst zuweilen übelangebrachter Stolz des Fabrikanten Ursache einer Nichteinsendung.Auf der andern Seite sind die ausgestellten Gegenstände nicht immer richtige Mu-ster von dem gewöhnlichen Stande eines Gewerbes und von den wirklichen Bedürf-nissen. Es liegt in der schwachen Menschennatur, daß die Meisten mehr, oder besser,oder anders scheinen wollen als sie sind. Wo immer sie daher Proben ihrer Fähig-keit vorlegen, werden sie in einem gewissen Grade unwahr. Die Producenten wer-ben so zur Verfertigung von Producten veranlaßt, welche für das Bedürfniß desConsumenten zu theuer sind und das Urtheil über die wahren Leistungen der Industrietrüben. -Solche Schaustücke, die nur mit einem besondern Aufwande von Künstenaller Art angefertigt werden konnten, geben allein von der Geschicklichkeit und derkünstlerischen Ausbildung einzelner Arbeiter Zeugniß, nicht aber von der Industrieals Mittel zum Erwerbe für den Producenten und zur zweckmäßigsten und wohlfeilstenBefriedigung der Bedürfnisse des Consumenten. Die Ausstellung wird dann auseinem gründlichen Zeugen über den Zustand der Industrie eine Kunstausstellung, einSchaustück, das man, wie andere ähnliche, der Neugier des Publicumß zum bestengibt, und es ist allerdings nicht zu leugnen, daß manche Industrieausstellungen insolcher Weise aufzufassen waren und auch aufgefaßt worden sind. Aber das mußdoch immer als ein Mißgriff, als eine Verkehrung der an sich guten Sache angesehenwerden.

Gäbe auch eine Ausstellung ein Bild von der Industrie eines Landes, so wäredies immer noch keineswegs für gleichbedeutend zu erachten mit einem Bilde desZustandes der gesummten Volkswirthschaft des Landes. Die Urproduktion und na-mentlich die Landwirthschaft und der Ackerbau, können auf einer Industrieausstellungnur zum kleinen Theile zur Anschauung gebracht werden. Sehenswerthe Probenvon Wolle, Hanf, Flachs, Rohseide, Mehl- und Mühlenfabrikaten sind zwar aufden Ausstellungen der Gegenwart zu sehen; wohin würde es aber führen, wenn je-der Producent von ausgezeichnetem Getreide die Ausstellung beschicken wollte. Mög-