Band 
Zwöflter Band.
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Die Industrieausstellungen. 53!

licherwcise sind nun aber die landwirlhschaftlichcn Erzeugnisse und Gewinyste vonüberwiegender Bedeutung und in jedem Falle sehr zu beachten! Wollte man daherauf Grund des Ergebnisses einer Ausstellung Staatsmaßregcln zur Förderung derGewerbe nehmen, welche mit dem Vortheile der andern Productionszweige im Wider-spruch ständen, so könnte eine Ausstellung allerdings zur einer falschen Auffassungund zu heillosen Schritten Anlaß geben. Ein solcher Mißgriff würde aber immerwieder nicht im Wesen der Ausstellung selbst, sondern in der unrichtigen Auffassungihres.Charakters und ihrer Bedeutung beruhen.

Die Beurtheilungscommissionen und die Ausstellungsberichte.

Schon die erste Industrieausstellung auf dem Marsfclde in Paris im Jahre!798 gab als ihren Zweck an, zu vereinigen und anschaulich zu machen, was eineNation in der Industrie leiste und die Fabrikation „durch öffentliche Auszeichnungder besten Leistungen zu ermuntern". So ist es denn bis auf den heutigen Taggeblieben. Jede Ausstellung, die Mainzer Ausstellung ausgenommen, hatte ihrPreisgericht, ihre Jury, ihre Beurtheilungscomnilssion, die zu Gericht saß und her-vorragende Producte durch den Ausstellern verliehene Preismedaillen und lobendeErwähnungen anerkannte. Kein Theil von Dem, was sich an die Ausstellungenknüpft, ist wol so heftig, so gehässig angegriffen worden als das Institut der Beur-theilungscommission. Ist es nun nicht zu vermeiden, daß dort, wo ein Industriellerdie Leistungen eines Concurrenten, der Vertreter eines Staats die Leistungen derStaatsangehörigen, aber auch zugleich diejenigen Anderer zu vergleiche» und zu beur-theilen hat, sich unrechtmäßige Einflüsse aller Art geltend zu machen suchen, so bleibtdoch das Institut des Preisgerichts eine oonclitio Zins qua non. Man veranstalteIndustrieausstellungen ohne öffentliche Anerkennungen, und man wird sehen, daß derLebensnerv der Ausstellungen durchschnitten ist. *) Die Ausstellung ist der Kampfplatzder Industrie, und der Sieger muß auch den Preis empfangen. Glücklich allerdingsder Aussteller, der einen gerechten Richter gefunden hat. Vergesse man übrigens nicht,

*) In diesem Punkte dürste mancher Leser mit dem Verfasser freilich nicht übereinstimmen.Wollte man den Lebensnerv der Ausstellung im Preisgerichte finden, den Zndustriepalast fürden Kampfplatz ansehen, auf welchem eben nur einige Producenten den Sieg über ihre Con-currenten zu erringen haben, so würde das Institut auf einem ebenso beschrankten als sittlichzweifelhaften Grunde beruhen. Die Idee der Ausstellung, wie der Verfasser: weiter unten jaselbst angibt, liegt wesentlich darin: daß sie ein Bild gebe von der technischen Betriebsamkeitin den betheiligten Gebieten. Dieses Bild der industriellen Cultur aber soll weder den Sonder-zwecken der Producenten, noch den der Consumenten, noch selbst den der Regierungsbehör-den dienen, sondern es soll Allen, die an dem Culturfortschritte betheiligt sind — und werwäre dies nicht! — eine unmittelbare Einsicht in das Güterleben der Nation oder gar derNationen, und somit im letzten Zwecke nationalökonomische und allgemein menschlich-sitt-liche Belehrung gewähren. Der Umstand, daß bisher die Ausstellungen zum großen Theilals Kampfplätze für Fabrikanten angesehen wurden", ist nur eine Verkümmerung der HähernIdee, zu welcher Regierungspolitik und Nationalcharakter in Frankreich, wo man sogar Tu-gcndpreise verleiht, beigetragen haben. Allerdings wird der einzelne Producent sich der Opfer,welche die Beschickung der Ausstellung heischt, immer nur in der Aussicht unterziehen, daßihm daraus entsprechende Vortheile erwachsen, und unter diese Vortheile gehört ganz beson-ders auch die öffentliche Anerkennung seiner Leistungen. Diese Anerkennung aber erhält erohne weiteres einmal durch den Act der Exposition vor den Augen der civilisirten Welt, danngewissermaßen officiell durch den Bericht der Sachverständigen, der vermittels einer eingehen-den Kritik das Resultat der Ausstellung im Einzelnen wie im Ganzen ziehen soll. Daßhierbei ein Preisgericht Medaillen vertheilt — „Documente über den belobenden Ausspruchder Jury" — mag für Manchen pikant genug sein, fördert aber weder die Empfänger, nochihre Nebenbuhler, noch das Institut, noch das Publicum, sondern versetzt nur Alle zusammenin eine demoralisirende, den Hauptzweck der Ausstellung untergrabende Spannung, die fürden einen Theil wenigstens mit Verdruß und Unwillen endet. Die Aussicht auf die Siegerkrone,die man als Hauptsache ansieht, ja unter solchen Umständen oft ansehen muß, ist es vor-nehmlich, welche die Industriellen zur Anfertigung und Ausstellung jener bestechlichen Kunst-und Prachtstücke verleitet, die, als außerordentliche Kraftanstrengungen, mit dem actuellen Stande

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