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Zwöflter Band.
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Die Industrieausstellungen.

daß es keineswegs alleinige Aufgabe der Beurtheilungscommisfionen ist, Preise zu ver- >theilen; es liegt ihr auch die Pflicht ob, auf Grund der Besichtigung und Prüfung der !ausgestellten Gegenstände einen Bericht auszuarbeiten, der ein Bild der Leistungen des ^Ausstellungsgebiets geben soll. Würden die Preismedaillen umgangen, so wäre es !doch nicht zu umgehen, daß die tüchtigern Aussteller mit ihren Vorzügen in demBerichte erwähnt würden. Aus diesem Gesichtspunkte ist demnach, wie von Her-mann im Berichte über die Münchener Ausstellung treffend bemerkt, die Ertheilung ^einer Denkmünze lediglich die Ausstellung eines Documents über den Ausspruch derJury, der ja doch stets im Berichte enthalten sein müßte. Daß die von den Com-missionen herausgegebenen Berichte einen fördernden Einfluß nach allen Seiten hinäußern, hat sich entschieden herausgestellt. Die Berichte, welche von anerkannten .Autoritäten in den Gebieten der Chemie, Mechanik und Maschinenkunde oder von ^Männern verfaßt werden, die sich in den einzelnen Staaten durch die Leitung derindustriellen Angelegenheiten seit lange bewährt haben, wirken in den weitesten Krei- !sen anregend und nutzbringend. Die Berichte der Ausstellungen zu Berlin, Londonund München stehen in dieser Beziehung als Muster da. Man kann aus denselben inicht nur den allgemeinen Stand der an der betreffenden Ausstellung betheiligten In-dustrie wahrnehmen, sondern auch für jeden einzelnen Industriezweig die interessan-testen Aufschlüsse gewinnen über dessen Fortschritte, die Orte, wo derselbe blühendsich entwickelt, die wichtigsten Adressen u. dergl. Der Bericht hat deshalb das größteInteresse nicht nur für den Nationalökonomen, sondern auch ganz besonders für denIndustriellen, der die Ausstellung nicht besucht, aber doch die Leistungen seines Fachsbeurtheilt sehen und seine Concurrenten kennen lernen will; für den Kaufmann, derdarin die besten Bezugsquellen angezeigt findet; und endlich überhaupt für Jeden, demder Fortschritt und das Wohl seines Landes nicht gleichgültig ist.

Die Zukunft der Ausstellungen. ^

„Es ist die Aufgabe der Industrieausstellungen, den gegenwärtigen Stand dertechnischen Betriebsamkeit in den betheiligten Gebieten darzulegen. Man sucht einenAbschluß zu gewinnen über Das, was die Erwerbkünste für das Bedürfniß und fürden Handel leisten und sich bewußt zu werden, welche Fortschritte in der neuern Zeit ^gemacht, wo Lücken bestehen und wie sie auszufüllen." So sagt der Nationalökonom ^von Hermann. Trotz dieser erhabenen Aufgabe und dem unabsehbaren Nutzen der ^Ausstellungen scheint die Ansicht überwiegend zu sein, daß diese industriellen Festegegenwärtig ihren Kulminationspunkt erreicht und sich von nun an nur selten wie-derholen, vielleicht gar aufhören werden. Man sagt, die Ausstellungen seien Kunst-ausstellungen, nicht mehr Gewerbeausstellungen. Für den kleinern Industriellen seien

der Industrie in keiner Beziehung stehen, wol aber das Urtheil des Publicums wie derSachverständigen zum Nachtheile des wahrhaft Nützlichen und Verdienstlichen gefangenneh-men. Dann aber das Geschäft der Preisvertheilung selbst — wie viel Bedenkliches muß sichdaran knüpfen! Keine Jury, sei sie auch aus den gewissenhaftesten und intelligentestenMännern zusammengesetzt, wird die Behauptung wagen, daß es ihr gelungen, aus denLausenden von Ausstellern heraus durchaus die Verdientesten und diese im richtigen Maße >gekrönt zu haben. Wie so viele Würdige erfahren Zurücksetzung oder werden, schon infolgeder beschrankten Zahl der Preise, gänzlich Übergängen! Eine volle Gerechtigkeit, eine genaueAbwägung des Verdienstes ist ja im Dränge des Tages, bei der kurz gemessenen Zeit, bei derUnvollständigkeit der Information, bei der Unzahl der Objecte nicht möglich. Diese Verhält-nisse, die für Niemand ein Geheimniß sind, lassen die Preisvertheilung als ein Glücksspiel er-scheinen; und allen Leidenschaften, Borurtheilen und Übeln Einflüssen ist hiermit der Impulszum Andringen gegeben. Es wird nun wörtlich und mit allen Waffen um die Medaille, umden Preis gekämpft, von dem sich der Sieger Vortheile verspricht, die sich in der Regel nichteinmal rcalisiren. Welches widrige Spiel so eintreten kann, wenn der Zndustriepalast zumTummelplätze des Eigennutzes und der Eitelkeit ausartet, das haben die großen Ausstellungender letzten Zeit genugsam angedeutet. Richt also für den Lebensnerv, vielmehr für den Todes-keim, für die Verkehrung der Sache möchten wir die Preiswirthschaft, die sich bisjetzt an die ^Industrieausstellungen heftete, halten. D. Red-