Band 
Zwöflter Band.
Seite
536
JPEG-Download
 

536 Das Gold.

da es in Ägypten in frühester Zeit vcrhä'ltnißmäßig reichlicher gewesen zu sein scheintals Silber, welches in der Hieroglyphenschrift als „weißes Gold" bezeichnet wird,darüber haben wir keinen Nachweis; es ist indessen nicht ganz unwahrscheinlich.

Die Berichte über die außerordentlichen Goldverwendungen zum SalomonischenTempelbau zeigen, wie der Goldbesitz der Zsraeliten seit ihrer festen Niederlassungbeträchtlich zugenommen haben muß, wozu auch die günstige Lage des Landes fürden damaligen großen Handelsverkehr die beste Gelegenheit bot. Wenn in dem„Buche der Chronika" von David erwähnt wird, daß er durch mühevolle Arbeitzum Hause Jehovah's 100000 Centner Gold und eine Million Centner Silber ange-schafft habe, so ist dies ersichtlich eine allgemeine übertriebene Bezeichnung, der keinepositive Angaben alter Tempelrechnungen zugrunde liegen können. Anders scheintes sich mit dem Berichte in den „Büchern der Könige" zu verhalten, welcher überSalomo's und der Seinigen Beiträge handelt. Hiernach soll der König selbst zumTempelbau 3000 Centner Gold aus Ophir und 7000 Centner lauteres Silber, dieGroßen des Landes aber 5000 Centner Gold und 10000 Goldstücke und 10000Centner Silber beigesteuert haben. Von den königlichen Einkünften heißt es: „DesGoldes aber, das Salomo in einem Jahre gebracht ward, war 666 Centner, ohnewas die Krämer und Kaufleute brachten, und alle Könige der Araber und die Herrenim Lande brachten Gold und Silber zu Salomo. Und alle Trinkgefäße des Königswaren goldene und alle Gefäße im Heiligthum waren lauter Gold. Denn das Sil-ber ward nichts gerechnet zur Zeit Salomo's."

Woher damals die Hauptmasse des Goldes kam, wird durch die Berichte überdie Handelsunternehmungen, die von Eziongcber aus nach Ophir gerichtet waren,aufgeklärt. Alle drei Jahre kehrten die Schiffe von diesen Expeditionen zurück undder König erhielt davon 420 Centner seines Gold. Über die genaue Lage von Ophirfehlt es an bestimmten Angaben; man hat dasselbe nach der Ostküste von Afrika,oder nach Vorderindien, oder auch nach der Halbinsel Malana, dem Chryse (Gold-land) der spätern griechischen Geographen, verlegt. Vielleicht war Ophir bei denHebräern eine Collectivvorstellung für die über das Rothe Meer HinausliegendenSüdländer.

Unter Centner Gold kann in den eben erwähnten Stellen nicht wol das wirk-liche Gewicht des Goldes verstanden werden (denn 8000 Centner *) Gold würdeneinen Werth von ungefähr 320 Millionen Thaler ausmachen und 420 Centner Goldder Retouren aus Ophir über 16'/- Millionen Thaler werth sein), sondern es wirddarunter eine Werthangabe pro Centner Silber gemeint sein, wie bekanntlich auchbei den Griechen der Ausdruck „Talent Gold" mitunter in ähnlicher Weise für eineweit kleinere Summe gebraucht wird, als ein Talent Gold nach dem Gewichte be-tragen würde. Auch bei dieser Auslegung bleibt die fragliche Goldverwendung fürdie damalige Zeit noch immer im höchsten Grade reichlich und überraschend.

Daß von den assyrischen, babylonischen und medischen Herrschern große MassenGold, theils zur Ausschmückung der Tempel ihrer Gottheiten und ihrer eigenen Pa-läste verwendet, theils als Schaß aufgehäuft worden sind, ist sowol an sich wahr-scheinlich als auch durch mehrfache Erzählungen alter Schriftsteller angedeutet. Dauns jedoch Notizen von besonderer Bedeutung über die Verhältnisse des Goldes beidiesen Völkern nicht vorliegen, beschränken wir uns auf eine allgemeine Erwähnung.Die in Babylon und Ekbatana gesammelten Schätze werden meist von Cyrus nachPersien gebracht worden sein. Wenn übrigens die Angabe richtig ist, daß das vondiesem ersten Perserkönige nach der Bezwingung Asiens im Ganzen erbeutete Gold-quantum 34000 Pfund betragen, so wird man sich nicht so sehr über die Größedieser Summe als darüber zu wundern haben, daß die Summe nicht viel bedeu-tender gewesen. Man könnte versucht sein anzunehmen, daß die besiegten Herrschervorher einen Theil ihrer Schätze in der.Bedrä'ngniß des Krieges verausgabt oder

*) Der hebräische „Kikkar", 3000 Seckel enthaltend, ist gleich I86„ Mark kölnisch.