540 Das Gold.
Sklaven bei Bestattung der Leichen und verkauften es um billigen Preis den Ägi-rieten, wodurch es mehr in Verkehr kam, als wenn es ein Theil der allgemeinen,hauptsächlich zu Weihgeschenken benutzten Beute geworden wäre. Ungleich wichtigeraber als diese einmalige Erwerbung größerer Goldquantitäten war die nachhaltigeZahlung bedeutender Summen goldener Danken als Sold an griechische Mieths-truppen oder als Subsidien und Geschenke an einzelne hellenische Staaten oder Feld-herren. Lysander schickte Gold zum Werthe von 1000 Talenten (circa 1,500000Thaler), oder wie Andere berichten von 1500 Talenten nach Sparta. Von Agesi-laus hieß es, er sei durch 35000 Bogenschützen — d. h. goldene Danken, welchedie Perser zur Bestechung nach Griechenland gesandt hatten — zurückgedrängt wor-den. Schon damals zeigte sich, was seitdem stets wieder bestätigt worden, daß län-ger dauernde Kriege vor allem dazu dienen, den Gebrauch von Goldmünzen zu be-fördern und angesammelte Goldvorräthe wieder zu zerstreuen.
Ein Ereigniß, welches ganz besonders eine große Goldmenge in Griechenlandin Umlauf gebracht hat, war die Plünderung der im delphischen Heiligthume seitlangen Jahren aufgehäuften Edelmetallschätze durch die Phoker um das Jahr 357 v. Chr.und deren sofortige Ausmünzung. Um die Bedeutung dieses Ereignisses für denGoldumlauf zu würdigen, darf nur daran erinnert werden, daß allein aus den gol-denen Weihgeschenken des Gyges und Krösus ein Münzbetrag von etwa 6 MillionenThaler heutigen Geldes bald nach allen Seiten hin verbreitet wurde.
Wenn aber auch bei weitem die Hauptmasse des in Griechenland in Form vonWeihgeschenken aufbewahrten oder als Münze umlaufenden Goldes aus dem persi-schen Reiche einströmte, so wurde doch daneben von den Griechen selbst einiges Goldproducirt. Aus der Insel Thasus hatten die Phönizier schon in sehr alter Zeit Berg-bau auf Gold betrieben, der dann von den Griechen fortgesetzt und auf die gegen-überliegende thrazische Küste ausgedehnt wurde, wo der Geschichtschreiber Thucydi-des einen Antheil an den Goldgruben hatte. Ergiebiger noch war die Goldgewin-nung an dem zwischen Thrazien und Macedonien gelegenen Pangäumgebirge,welche für Rechnung der makedonischen Könige betrieben wurde und dem VaterAlexanders des Großen jährlich 1000 Talente (circa 1'/- Millionen Thaler) abwarf.Daß König Philipp sich des Goldes zur Durchführung seiner Plane auf alle Weisewirksam zu bedienen wußte, ist bekannt. Keine Festung sei uneinnehmbar, meinteer, wohin ein mit Gold beladener Esel gelangen könne, und Staatsmänner undDemagogen waren meist dem Einfluß des Goldes noch zugänglicher als die Festungs-commandanten.
Die gewöhnliche Goldmünze jener Zeiten war der Stater, eine Münze zumGewichte von 2 silbernen Drachmen und in der Regel als Zwanzigdrachmenstückgeltend. Der persische Darik war, wie schon bemerkt, eine Art desselben und biszu Alexander dem Großen am meisten verbreitet. Der ältere König Darms hatteeine Ehre darein gesetzt, ihn aus dem allerseinsten Golde prägen zu lassen. Außer-dem wurden goldene Stateren noch hauptsächlich ausgeprägt in Cyzicus und Phokäa.In Athen wurde Gold zuerst um das Jahr 407 v. Chr. gemünzt, allein dem Goldewar reichlich Kupfer beigemischt, was diese Goldmünzen bald in Miscredit brachte.
Auch in Sicilien, wo das Gold nach des ältern Hiero Zeit ebenfalls häu-figer wurde, prägte man nun sehr bald Goldmünzen und zwar in ausgezeichnetschöner Weise. Ein Theil des dazu verwendeten Goldes wird durch die Karthager,dahin gebracht sein. Diese hakten, wie uns Herodot berichtet, eine eigene Bezugs-quelle des Goldes, von der im Vorhergehenden noch nicht die Rede gewesen ist. ImWege eines primitiven stummen Tauschhandels setzten die Karthager nämlich an derafrikanischen Westküste ihre Waaren gegen Goldstaub um, in ganz gleicher Weisewie etwa 18 Jahrhunderte später die Portugiesen diesen Verkehr wieder aufnehmenund woher der Name der Goldküste stammt.
Die Goldgewinnung muß zur Zeit des persischen Reichs sehr anhaltend undbedeutend gewesen sein. Nur so erklärt es sich, daß, nachdem durch die Kriege und