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Zwöflter Band.
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Das Gold.

dien in keinem Jahre um weniger als 50 Millionen Sesterze das römische Reichärmer mache, und an einer andern Stelle nennt er für diesen nach dem Osten ab-fließenden Geldbetrag sogar die doppelte Summe — 100 Millionen Sesterze (etwa5 Millionen Thaler) — wobei er freilich außer Indien auch noch Südarabien undScrika (China) in Betracht zieht. Es 'ist dies die erste nachdrückliche Hinweisungauf die seitdem fast ununterbrochen bis auf den heutigen Tag fortdauernde Silber-strömung von Westen nach Osten, welche für die Schwankungen in dem Werth deredeln Metalle eine außerordentliche, folgewichtige Bedeutung hat.

Eine namhafte wirkliche Vermehrung des Goldvorraths zur römischen Kaiser-zeit finden wir eigentlich nur durch die von Plinius gerühmte reichliche Goldgewin-nung in den hispanischen 'Provinzen Galicien, Lusitanien und vornehmlich Asturien,welche in manchen Jahren an 20000 Pfund Gold lieferte — theils mit ein Zehn-tel, ein Neuntel und ein Achtel Beimischung, theils aber von 35 ScchsunddreißigstelFeinheit — was (I römisches Pfund ----- Ihs, Mark kölnisch) einen Werth voncirca 5^ Millionen Thaler ergibt. Es scheint indessen mit dieser Goldausbeute ebensowie mit der lydischen und aquilejischen gegangen zu sein, daß, je überraschender undgroßartiger sie anfangs war, sie umsoweniger Dauer zeigte und bald auf einen unbedeu-tenden Betrieb wieder hinabsank, bis dann etwas später gänzliche Erschöpfung eintrat.Auch die Goldgewinnung in Dalmatien, die zu Nero's Zeit mitunter täglich 50 PfundGold lieferte, scheint nur sehr kurze Zeit angehalten zu haben.

Es war (abgesehen von der Einwirkung des beständigen Silberabflusses nach demOrient und der reichlichen spanischen Goldproductio») eine leicht erklärliche Folge derGoldanhäufung in Nom, daß die Kaiser die Goldausmünzungen in großem Maß-stabe betrieben. Die größer gewordenen Geldumsätze und die Militärverwaltungmußten ohnehin reichliche Cirkulation von Goldmünzen wünschenswerrh erscheinenlassen'. Anfänglich wurde das römische Goldstück, der Aureus, 40 Stück auf dasPfund ausgemünzt, allmälig aber verschlechterte sich sein Münzfuß, bis er endlich(und zeitweilig noch mehr) auf 72 Stück pro Pfund gesunken war.

In manchen der vielen Aufsätze und Schriften, die in neuerer Zeit über dieGoldfrage erschienen sind, findet sich mit aller Zuversicht in positiven Zahlenangabeneine Schätzung mitgetheilt, wie groß zur Zeit des Kaisers Augustus der Vorrath anEdelmetall in der damals bekannten Welt gewesen, und zwar lauten diese Schätzun-gen ganz übereinstimmend. Mitunter findet man noch in ebenso positiver Weise an-gegeben, wie sich dieser Verrath bis zum Untergänge des weströmischen Reichs ver-mindert habe. „Man muß indessen diesen Schätzungen, trotz ihres zuversichtlichen Auf-tretens, ihrer Übereinstimmung und häufigen Wiederholung mit aller Bestimmtheitentgegentreten, weil sie aller und jeder geschichtlichen oder volkswirthschaftlichen Grund-lage entbehren und sozusagen rein aus der Lust gegriffen sind. Es hat mit den-selben nämlich folgende Bewandtnis. Daß es wünschenswerth erscheint, es möchteeiner der alten Schriftsteller darüber nachgedacht und seine Ansicht mitgetheilt haben,wie bedeutend er die zu seiner Zeit vorhandene Gold- und Silbermenge halte, wirdNiemand in Abrede stellen; allein mit solchem Wunsche kommt man nicht weiter.Es liegt keine Andeutung vor, daß irgendein alter Schriftsteller auch nur den ent-fernten Versuch einer solchen Schätzung gemacht habe. Am allerwenigsten dürfteman sie aber bei unbefangener Prüfung in einer Stelle des Suetonius finden, woer von, Kaiser Vespasian berichtet: derselbe habe gleich beim Antritt seines Princi-pes erklärt: „Es seien 40000 Millionen Sesterzien (circa 2230 Millionen Thaler)nöthig, damit der Staat bestehen kann." Jacob in seinem bekannten Werke überdie Production und Consumtion der edeln Metalle bemerkt nun über diese StelleFolgendes: „Diese Angabe konnte sich weder auf die jährlichen Einkünfte noch aufden öffentlichen Schatz beziehen; denn zu keiner Zeit vermochten die Erträgnisse derProvinzen des Reichs eine so große Summe zu liefern. Dagegen läßt sich nichtohne Grund annehmen, daß unter der genannten Summe die ganze zu jener Epochevorhandene, oder als umlaufend im Reiche vorausgesetzte Masse geprägter Münzen