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Zwöflter Band.
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Das Gold.

verstanden worden sei." Wir behaupten dagegen, daß durchaus kein irgend plausib-ler Grund oder selbst nur scheinbarer Vorwand zu einer solchen Annahme geltendgemacht werden kann. Was in aller Welt hat die erwähnte Äußerung des höchstsparsamen und selbst geizigen Kaisers, der vermuthlich die ihm im Interesse desStaats erfoderlich erscheinenden Ausgaben aufs höchste und selbst ganz übertriebenveranschlug, um dadurch die möglichste Steigerung der Einnahmequellen zu rechtfer-tigen — was hat eine solche allgemeine Veranschlagung der Staatsbedürfnisse mit der !

Schätzung der vorhandenen Menge von Edelmetall zu thun? Wenn heutigentags f

Jemand eine Berechnung aufstellte, wie viele Mark Gold oder Silber dazu gehörenwürden, um sämmtliche Staatsschulden der europäischen Staaten baar zurückzube-zahlen, oder um alle wünschenswerthen öffentlichen Bauten u. s. w. herzustellen, sokönnte man ihm deshalb doch unmöglich die Ansicht unterlegen, daß nun auch wirk-lich soviel Edelmetall in Europa vorhanden sei.

Jacob und Diejenigen, welche demselben blindlings nachschreiben, begnügen sichindessen damit nicht, jene unbegründete Schätzung des Edelmetallvorraths als eine bei-läufige interessante Notiz mitzutheilen, sondern benutzen sie recht eigentlich als Ausgangs-punkt und Basis für die weitreichendsten Folgerungen. Unter gleich willkürlicher Annahmeeines jährlichen Münzverlustes zu einem Dreihundertsechzigstel wird danach berechnet, !wie groß ungefähr die im römischen Reiche circulirende Geldmasse in den verschiedenenZeitabschnitten vorher und nachher, vom Tode des Augustus an bis zur Auflösung ^des Westreichs gewesen sei. Zu Augustus' Zeit soll die Goldmasse etwa 358 Millionen ^Pfund Sterling und um das Jahr 482 nur noch 87 Millionen Pfund Sterling be- >tragen haben! Unbegründetere und haltlosere Hypothesen als alle diese Zahlcnangaben !sind nicht denkbar, und doch werden sie, wie schon erwähnt, vielfach als erwieseneThatsachen wiederholt, und eben deshalb, weil sie durch stete Wiederholung eine ge-wisse Autorität erworben haben, dürften sie auch ferner bei unkritischen Untersuchungenüber die Edelmetalle sich noch lange fortpflanzen.

Was man im Allgemeinen über die Gestaltung des Vorraths und des Umlaufsder Edelmetalle während der römischen Kaiserzeit mit einiger Zuversicht sagen kann,möchte sich auf Folgendes beschränken. Zur Zeit des Augustus wird die Menge derin der damals bekannten Welt als Geld umlaufenden, oder auch als Geräthe oderSchmuck vorhandenen Edelmetalle in Rücksicht des Alterthums und auch der spä-tern Zeit bis etwa 100 Jahre nach der Entdeckung von Amerika ihren Höhepunkterreicht haben. Vom 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung an macht sich dann langeZeit hindurch eine allmälige Äbnahme des circulirenden Edelmetallvorraths bemerk-bar. Diese Erscheinung läßt sich ohne Schwierigkeit erklären, wenngleich es un-möglich ist, den Einfluß jedes einzelnen darauf einwirkenden Factors auch nur an-nähernd abzugrenzen und den Grad der Abnahme in Zahlen zu schätzen. Eine Ab-nahme konnte bei stockendem oder doch sehr verringertem neuen Zufluß aus denBergwerken nicht ausbleiben, durch das vielfache Verarbeiten der edeln Metalle zuGeräthen und sonstigen Luxusgegenständen, durch die gewöhnliche Abnutzung unddas im kleinen Verkehr Verlorengehen der umlaufenden Münzen, durch den vorhinschon erwähnten regelmäßigen Silberabfluß nach Ostasien, durch die Sold- und Tri-butzahlungen an die angrenzenden Barbaren sowie durch deren Plünderungen, undinsbesondere noch durch das Überhandnehmen des Vergrabens baarer Geldsummenbei den immer häufiger werdenden feindlichen Einfällen und der überhaupt steigendenUnsicherheit des Eigenthums. Das zufällige Auffinden mäncher vergrabener Sum-men römischer Kaisermünzen, darunter ganz neugeprägter Goldstücke im nördlichenDeutschland, läßt darauf schließen, daß die durch Soldzahlungen und Plünderungendem römischen Reiche entzogenen Geldsummen bedeutend gewesen sein werden. DasZusammenwirken aller dieser Ursachen mußte auf die Dauer den Edelmetallvorrathim römischen Reiche wesentlich vermindern, wenn auch theilweise, wie z. B. durchdie temporäre Ausbeute der dacischen Goldgruben und als die ersten christlichen Kai-ser manche in den heidnischen Tempeln noch in irgendwelchen Formen aufbewahrt ge-