Band 
Zwöflter Band.
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551
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Das Gold. 551

Man wird aus diesen Notizen abnehmen, daß die Werthrelation zwischen Goldund Silber während des Mittelalters in den verschiedenen Ländern Europas bedeu-tenden Abweichungen und Schwankungen unterlag, daß dieselben sich zwischen demVerhältniß von 1:9 und 1 :15 hielten, daß, wenn ein ungefähres durchschnittlichesNormalverhältniß für das 14. und 15. Jahrhundert angegeben werden soll, manvielleicht 1:12 aufstellen könnte, daß aber sowol bis zum 13. Jahrhundert als auchin der Periode, welche der Entdeckung Amerikas unmittelbar vorausging, der Werthdes Goldes dem Silber gegenüber erheblich niedriger war. Für die letztere Periodeerklärt sich dies auch leicht daraus, daß gerade um diese Zeit die Silberproductionder böhmischen und sächsischen Bergwerke ihren Höhepunkt erreichte und eine sehransehnliche Ausbeute lieferte, während dagegen die hauptsächliche Goldgewinnung inUngarn und Siebenbürgen keine entsprechende Ausdehnung erfahren hatte.

6) Neuere Zeit bis zur Auffindung des Goldreichthums Califormens- Die Goldproduction

im Allgemeinen.

Die feste Zuversicht, durch eine Fahrt nach Westen jenseit des AtlantischenMeeres das reiche Eoldland Cipangu aufzufinden und dort mit Leichtigkeit Gold inFülle gewinnen zu können: diese Zuversicht war es bekanntlich, welche Columbus imJahre 1492 zur Entdeckung der Neuen Welt führte. Es war aber nicht die ge-meine materielle Goldgier, wie sie zu allen Zeiten bei jeder sich darbietenden Ver-lockung die Leidenschaft der Menschen erregt und meist gerade die rücksichtlosestenAbenteurer zu den aufreibendsten Strapazen und verwegensten Unternehmungen treibt,welche Columbus bewegte. In ihm war das allgemeine unabweisbare Bedürfniß,Mwelches die ganze damalige handeltreibende Welt nach Vermehrung des baaren cir-culirenden Mediums empfand, ohne sich der eigentlichen Bedeutung der Sache be-wußt zu sein, vor allem lebendig und zur Abhülfe vorwärtstreibend. Dann abererblickte er in dem erstrebten Besitze des Goldes nicht den Zweck, sondern nur einunwiderstehliches Mittel zur Erreichung höherer Zwecke. Bekannt ist, daß er vonder erwarteten Goldgewinnung in den neuentdeckten Ländern die Bestreitung derKosten eines neuen Kreuzzuges und die Befreiung des Heiligen Grabes hoffte. Mitvoller Aufrichtigkeit äußert er sich in einem Briefe an die Königin Jsabella dahin:„Das Gold ist das vortrefflichste aller Dinge; wer diesen Schatz hat, kann auf die-ser Welt erlangen was er will, ja selbst dir Seelen dem Paradiese zuführen."

Die Erwartung, in welcher die Expedition des Columbus unternommen war,reiche Gvldländer zu finden, schien gleich in Erfüllung zu gehen, denn das einzigeWerthvolle, was die Spanier auf Haiti antrafen, wo sie ihre ersten Niederlassungengründeten, war Gold. Es fand sich freilich nur erst selten und in kleinen Quan-titäten, allein die Eingeborenen wiesen weiter nach Westen hin, wo dieses Metallreichlich anzutreffen sei. Die Entdecker, deren Sinnen und Trachten fast ausschließ-lich dem Golde zugewandt war, folgten diesem Winke, ohne einstweilen die minderergiebige Goldausbeute in den goldführenden Flüssen und Thälern Haitis zu ver-achten. An der Küste von Cumana und anderswo trafen sie dann ebenfalls ausSpuren von Goldproduction, die den aufgeregten Gemüthern anfangs sehr blendenderschienen und übertrieben berichtet wurden, allein in Wirklichkeit nur geringe Re-sultate erzielten. Neben diesem steten Hinblick auf Gold war einstweilen von Silberso gut wie gar nicht die Rede, und auffallend genug, es verflossen 27 Jahre, be-vor den Spaniern in Amerika, dieser unerschöpflichen Fundgrube des Silbers fürdie ganze Erde, dortiges Silber zu Gesicht kam. Dies geschah nämlich nicht früherals bei Cortez' Zuge nach Mexico.

Wenn man aber die gestimmte Goldmenge, welche authentischen Berichten zu-folge in diesen ersten 27 Jahren aus Amerika nach Europa gelangte, zusammen-rechnet, so erhält man höchstens circa 55000 Mark Gold oder im jährlichen Durch-schnitt nur circa 2000 Mark, also einen Betrag, der im Vergleich mit der spätern