564 Das Gold.
Eoldwerths statt. Eine wesentliche Veränderung, in den gegenseitigen Productions-Verhältnissen der edeln Metalle, wodurch diese Erscheinung motivirk würde, ist nichtbekannt, da, wenn auch die brasilische Goldausbeute merklich schwächer geworden,Neugranada hingegen reichlich Gold lieferte. Die Restriktion der Baarzahlungen derBank von England, dessen Goldvorräthe zum großen Theil nach dem Kontinent ström-ten, während die Silbereinsuhr aus Amerika durch den Seekrieg erschwer wurde,hätte eher ein Sinken des Goldwerths erwarten lassen. Die Steigerung desselbenwährend des in Rede stehenden Zeitraums muß mithin einen besondern Grund ha-ben, und dieser liegt unverkennbar darin, daß in Zeiten bürgerlicher Unruhen undallgemeiner Kriegszustände, wie sie damals stattfanden, Goldmünzen des leichternTransports wegen vorzugsweise begehrt werden. Für die Richtigkeit dieser Erklärungspricht noch der specielle Umstand, daß während des Jahres 1802, in der Pausenach dem Frieden von Amiens, der Werth des Goldes sich am niedrigsten stellte,nämlich 1:15,26, während er dagegen in dem bewegten Jahre 1813 seinen höchstenStand erreichte, nämlich 1 : 16,25.
In den ersten fünf Jahren nach Wiederherstellung des allgemeinen Friedenssiel Gold auf eine verhältnißmäßig niedrige Werthrelation und hielt sich in denJahren 1816 — 20 durchschnittlich zwischen 1:15,26 und 16,35. Als indessen dieBank von England zur Wiederaufnahme ihrer Baarzahlungen eine ansehnliche Nach-frage nach Gold eintreten ließ und nach und nach über eine Million Mark Goldfür England angekauft wurden, hob sich der Werth dieses Metalls in dem Zeitraumvon 1821 — 30 auf durchschnittlich 1 :15,70 bis 15,?L und zeigt eine bemerkens-werthe Gleichmäßigkeit. Auch in den darauf folgenden 20 Jahren von 1831—50hat sich der jährliche Durchschnittswerth des Goldes, vbschon etwas niedriger als imvorangegangenen Decennium, doch ausfallend gleichmäßig gehalten. Es erklärt sichdies zum Theil aus der Einwirkung der zunehmenden Eoldproduction Rußlandswährend dieses Zeitabschnitts, welche für die steigende Nachfrage nach Gold in Eng-land völlig ausreichte, sowie umgekehrt der zunehmende Bedarf des britischen Reichsan circulirendem Medium ein Hauptgrund ist, daß jener große Zuwachs der Gold-gewinnung den Werth des Goldes nicht Herabdrücken konnte. Wenn in einzelnenJahren, wie 1840 — 42, der Werth des Goldes zeitweilig einen etwas niedrigernStand auswies, so ward dies durch die starke Getreideeinfuhr in England herbei-geführt, wofür ansehnliche Goldsendungen nach dem Continent gingen.
Schließlich wollen wir noch eine übersichtliche Zusammenstellung der durchschnitt-lichen Werthrelation des Goldes zum Silber in fünfzigjährigen Zeitabschnitten vorlegen,wie solche oben über die muthmaßlichen Productionsverhältnisse dieser Metalle ver-sucht ward. Die Werthrelation war hiernach
1501—1550: circa 1 :11,251551—1600: „ 1:11,so
1601—1650: „ 1:12,50
1651 -1700: „ 1:14,5»
1701—1750: „ 1:15,io1751—1800: „ 1:14,831801—1850: „ 1:15,55.
9) Die Entdeckung des califormschen und australischen Goldreichthums.
Ungefähr um dieselbe Zeit, als eine neue französische Revolution — die Februar-revolution des Jahres 1848 — die politischen und socialen Zustände Europas inihren Grundvesten zu erschüttern drohte, trat fern davon in einem Küstenlande desStillen Ocean ein Ereigniß ganz verschiedener Art ein, allein von nicht mindererweltgeschichtlicher Bedeutung: die Entdeckung des Goldreichthums Kaliforniens.
Die Küste von Ober-Kalifornien war freilich schon von dem berühmten Welt-umsegler Franz Drake besucht worden, allein das Land bis in die siebziger Jahre desletzte» Jahrhunderts unbekannt und unbeachtet geblieben. Damals entstanden dort