Das Gold. 565
einige zerstreute Misstonen der Jesuiten. Nach dem Sturze der spanischen Herrschaftauf dem amerikanischen Continent ward Californien ein Theil der mexikanischen Re-publik, aber die republikanische Regierung in Mexico bekümmerte sich noch wenigerum das Land, als es die spanische gethan hatte. Die Fruchtbarkeit des Landes unddessen günstige kommerzielle Lage zog jedoch von Ansang der vierziger Jahre an mehrund mehr Ansiedler aus den Bereinigten Staaten herbei, was die Eifersucht derMexicaner erregte, die nun auch anderweitig die Colonisativn dieser Gegenden zu be-fördern suchten. Unter Andern wurden auch einem emigrirten Schweizer, dem Ca-pitän Sntter, zu diesem Behufe Ländereien in der Nahe des Sacramentvflusses an-gewiesen, wo derselbe die Niederlassung Nova-Helvetia begründete. Bald nach Aus-bruch des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und Mexico im Jahre 1846gerieth Ober-Californien, das vorher schon im Ausstande gegen die Regierung inMexico gewesen war, in den Besitz der Nordamerikaner, denen es später durch denFriedensvertrag von Guadelupe Hidalgo förmlich abgetreten ward.
Noch ehe dieser Vertrag indessen zustande gekommen, hatte man entdeckt, daßOber-Caiifornien einen außerordentlichen Goldreichthum in sich schließe. Daß dortGold anzutreffen sei, war allerdings schon früher bekannt, allein Niemand hatte eineAhnung von dem später an den Tag gekommenen so außerordentlichen Metallreich-thum nahe an der Oberfläche des Bodens. Im Januar 1848 (oder wie einige Be^richte lauten, schon im vorhergehenden Monat) entdeckte ein gewisser I. M. Mar-shall, der infolge eines Contracts mit Capitän Sutter die Anlage einer Sägemühlean einem kleinen Nebenflüsse übernommen und das Wasser desselben in den Mühlen-kanal geleitet hatte, in dem abgelagerten Sand und Schlamm reichlich Goldkörner.Dieser Vorfall blieb nicht lange Geheimniß, und bald begann, vom Goldfieber er-griffen, fast die ganze männliche Bevölkerung des Landes Gold zu suchen. Die Aus-beute war sehr ergiebig und bereicherte einzelne glückliche Finder in kurzer Zeit; biszum November 1848 soll der Goldertrag schon bis gegen 5 Millionen Dollarsgewesen sein. Die geschäftige Fama übertrieb aber die neuentdeckte Goldmenge undinsbesondere die Leichtigkeit des Goldfindens ins Fabelhafte. Sobald sich die Kundedavon verbreitete (im August 1848 fanden sich die ersten Berichte darüber in denneuyorker Blättern), strömten aus allen Theilen der Welt Goldsucher in zahlreichenScharen herbei und vertheilten sich rasch über alle Gegenden, wo immer nur sichSpuren von Gold zeigten. Der officielle Bericht, welchen der von der Centralre»gierung zur Untersuchung der Sache abgesandte Commissar King abstattete, mußteauch bei den bisher noch Zweifelnden die Goldfülle Kaliforniens zur Gewißheit er-heben und zur Ausbeutung derselben noch mehr anregen. Es hieß in dem Berichteunter Anderm, daß in Californien während der nächsten Jahre leicht an 50 Millio-nen Dollars Gold jährlich producirt werden könnten. Wie unglaublich dieser An-schlag klang, der auch mehrfach angefochten wurde, so ist derselbe doch von der Wirk-lichkeit nicht nur erreicht, sondern noch bedeutend überholt worden.
Der thatsächliche Erfolg der mühseligen, rastlosen Arbeiten vieler Tausende vonGoldgräbern und einzelner besonders glücklicher Funde, wie derselbe, abgesehen vonden im Lande selbst zurückgebliebenen oder von Passagieren ohne weitere Deklarationmitgenommenen Summen, in den declarirten Verschiffungen aus San-Francisco vor-liegt, hat sich bisher wie nachstehend gestellt:
1818—50.
1851.
1852.
1853.
1851.
1855.
Nach Neuyork.
„ Neuorleans . . . .
„ London.j
„ Valparaiso . . . .)
„ China.l
„ andern Häfen . . .
Dollars.
63,915376
7,000000
Dollars.
30,062198
103291
3,392761
160232
2551
171295
Dollars.
39,007367
170783
6,020027
97907
115611
89627
Dollars.
17,911118
390781
1,795662
115778
926131
131135
Dollars.
16,289619
213517
3,781880
33521
17719
832812
Dollar».
38,730565
5,182156
317131
365236
MammenI70,915376
31,192631
15,801322
51,906957
51,129101
11,625091