576 Das Gold.
Silberwährung in Anwendung kam und für die Goldmünze zu ihren nominellenWerth eine Prämie stattfand. Denn nur die Erwartung, für 20-Francsstücke außer20 Francs in Silber noch ein Aufgeld zu erhalten, konnte Veranlassung geben, Gold,solange es theurer als 3100 Francs pro Kilogramm fein zu stehen kam, aus-münzen zu lassen. Mit andern Worten, obschon gesetzlich beides sowol '/so» Kilo-gramm Silber als auch Kilogramm Gold, beides sein (oder resp. 4'/- Grammsein Silber und circa 29 Centigramm sein Gold), für 1 Franc galt, so war factischdoch in der ganzen Zeit von 1803 — 30 nur Silber das allgemeine selbstver-ständliche Zahlungsmittel. Hieraus erklärt sich hinreichend das außerordentliche Überge-wicht der Silberausmünzungen. Es wurden nämlich , in Frankreich in den Jahren1803 — 48 im Ganzen ausgeprägt:
in Gold, 1217,031040 Francsin Silber, 3989,675149 „
Auch noch in den Jahren 1848 und 1849 steht die Eoldausmünzung in Frank-reich beträchtlich hinter der Silberausmünzung zurück; sie betrug nämlichim Jahre 1848: 30,861820 Francs gegen 97,565330 Francs in Silber„ „ 1849: 27,109560 „ „ 206,348664 „ „ „
Vom Jahre 1850 an hat sich dagegen das faktische 'Münzverhältniß in Frank-reich wesentlich geändert, und ist dort Gold, welches seitdem im freien Handelsverkehranfangs periodisch und dann dauernd gegen Silber wohlfeiler geworden als die ge-setzlich angenommene Werthrelakion von 1 :15'/-, in außerordentlich großen Summenausgemünzt und mehr und mehr das übliche Zahlungsmittel für alle größcrn Be-träge geworden. Die französischen Ausmünzvngen von 1850 an waren:
Gold: Silber:
im
Jahre 1850:
85,172390
Francs
86,458485
Francs
,,
„ 1851:
285,237280
,,
68,469009
„
„ 1852:
27,028270
71,711560
,,
„ 1853:
330,463468
/,
20,089778
,/
,,
„ 1854:
526,600000
circa 2,600000
„ 1855:
(circa 460,000000)
,/
(circa 7,000000)
Es sind mithin in den sechs Jahren von 1850 — 55 in Frankreich über1700 Millionen Francs in Gold ausgeprägt worden. Diese enorme Summe istnun keineswegs als reine Vermehrung des dortigen circulirenden Mediums anzuse-hen, sondern größtentheils an die Stelle einer entsprechenden Summe Silbermünzegetreten, welche eben wegen der veränderten Werthrelation der- edeln Metalle imfreien Verkehr und wegen der gesetzlichen festen Werthrelation im französischen Münz-wesen durch Goldmünze mit Vortheil aufgekauft werden konnte, um ausgeführtzu werden. Wenn bei einer Münzcirculation in Frankreich zu Anfang des Jahres1848 zum ungefähren Betrage von 3000 Millionen Francs vielleicht vier Fünfteloder noch mehr in Silbergeld bestanden, so dürfte dagegen von der dortigen Münz-circulation zu Ende des Jahres 1855, welche sich inzwischen im Vergleich mit der-jenigen vor dem Jahre 1848 um einige Hundert Millionen vermehrt haben wird,vielleicht schon zwei Driktheile in Gold und nur etwa ein Drittheil noch in Silberbestehen. Im Jahre 1848 befand'sich in der Bank von Frankreich ein Vorrath voncirca 430 Millionen Francs Silber in Münzen oder Barren; zu Ende des Jahres1855 betrug der Silbervorrath daselbst nur noch circa 90 Millionen Francs, undwar der Goldvorrath ganz überwiegend.
Mehre bekannte Nationalokonomen in Frankreich, unter-ihnen namentlich dieHerren M. Chevalier und A. Cochut, haben gleich nachdem die außerordentlicheZunahme der Eoldproduction begann, eifrigst und unablässig darauf gedrungen, daßdie Doppelwährung in Frankreich aufgehoben und nach Anleitung der in dem Francgegebenen Münzeinheit Silber als die alleinige gesetzliche Währung anerkannt werde,und daß man namentlich vom fernern Ausmünzen des Goldes ablasse. „Die Kauf-