Das Gold. 595
Silber, so betragen die Kosten, womit dasselbe in Thalerstücke verwandelt wird, dochschon des Werths desselben, das ist mehr als das Vierfache Dessen, was die
Prägung derselben Summe in Gold kostet. — Es ist in der That keine geringeBequemlichkeit für den Großhandel, daß Goldgeld, indem es aus einem Staate inden andern übergeht, überall mit einer so geringen Aufopferung eines Theils seinesWerths diejenige Gestalt annehmen kann, worin es am bequemsten zum Umlaufe dient."
„Die Grundlage jedes Münzwesens, welches Anspruch aus wahre Zweckmäßig-keit macht, beruht auf der Sicherstellung eines Jeden, der Zahlungen gibt oderempfangt, daß er unter der Benennung der landesüblichen Münzeinheit jederzeit eingenau bestimmtes Gewicht Metall von einer ebenfalls genau bestimmten Beschaffen-heit wirklich weggebe oder empfange. Diese Sicherstellung sucht die Regierung da-durch zu leisten, daß sie unter ihrem -Gepräge eine für den Verkehr hinreichendeAnzahl von Geldstücken in Umlauf bringt, welche genau das Gewicht und denMetallgehalt haben, den die Münzgesetze bestimmen. Diesem Bestreben wirkt aberunaufhörlich und unvermeidlich der Gebrauch selbst entgegen, der von ihrem Geldedurch ihre eigenen Unterthanen gemacht wird, insofern nämlich, als zweckmäßige Wahlder Masse und Form und vorsichtige Behandlung bei Versendungen und überhauptbeim Gebrauch im Verkehr die Verminderung des Gewichts der Münzen durch Ab-nutzung wol verringern, aber durchaus nicht gänzlich verhindern können^ In dieserBeziehung scheint Goldgeld einen entschiedenen Vorzug vor dem Silbergelde zu haben.Die Kostbarkeit des Goldes gestattet nicht, Münzen von kleinerm Werthe als unge-fähr fünf preußischen Thalern davon zu prägen. Aber Geldstücke von solchem Werthedringen nicht bis in den täglichen kleinern Verkehr ein, und sind schon deshalb einergeringern Abnutzung unterworfen, weil sie nicht so häufig aus einer Hand in dieandere übergehen als Geldstücke, die geringere, im gemeinen Leben öfter vorkommendeWerthe darstellen. Da der körperliche Inhalt des Goldes fast 30 mal kleinerist als der körperliche Inhalt des Silbers, welches den gleichen Werth darstellt, sokann es beim Aufbewahren und Versenden mit einer viel größern Sorgfalt behandeltwerden und wird deshalb sehr viel weniger abgenutzt. Indem endlich Gold vorzugs-weise zu Versendungen ins Ausland brauchbar ist und überall mit geringen Kostendasjenige Gepräge annimmt, welches am Orte das beliebteste ist, werden Goldmünzenbei weitem nicht in der Allgemeinheit alt als Silbermünzen, die, einmal beträchtlichabgenutzt, gar nicht anders als mittels des Einziehens auf Anordnung der Regie-rungen aus dem Umlaufe zu bringen sind."
Wenn nun auch das Gewicht der eben hervorgehobenen allgemeinen Mo-mente zu Gunsten der Goldwährung schwerlich in Abrede gestellt wird und ebensowenig verkannt werden dürste, daß die Goldwährung in letzterer Zeit gewiß nicht sorasch weitere Ausdehnung erlangt hätte, gleich nachdem das dazu erfoderliche reich-lichere Material geboten war, wenn nicht durch die Zweckmäßigkeit der Sache ansich dieser Übergang angebahnt gewesen wäre, so wird dagegen andererseits geltendgemacht, daß eben durch die außerordentliche Vermehrung der Goldproduction dieSachlage wesentlich anders geworden als zur Zeich in welcher Hoffmann die Ein-führung der Goldwährung empfohlen; alle Gründe hierfür würden weit überwogendurch das eine entscheidende Bedenken, daß der Werth des Goldes durch die außer-ordentliche Veränderung in den Productionsverhaltnissen dieses Metalls einer sichernVerminderung und stärkern Schwankungen entgegengehe, während dagegen der Werthdes Silbers- verhältnismäßig stabil zu bleiben verspreche; diese Stabilität sei aber dieallerwichtigste Bedingung für das Geldwesen.
Die Erörterung der Sache wird erheblich erleichtert und für Jedermann deut-licher, wenn man zum Zwecke der Argumentation, statt in allgemeinen Ausdrückenüber Steigen und Sinken der Preise zu sprechen, hypothetisch einen concreten Fallhinstellt, um daran die Untersuchung zu knüpfen. „Und zwar ist es rathsam beieinem solchen erläuternden Beispiel, die eintretende Änderung in recht bedeutendem
38»