596 Das Gold.
Maße anzunehmen, weil alsdann die Konsequenzen natürlich um so schärfer hervor-treten. Ist nachher in Wirklichkeit die Änderung geringer, ja vielleicht um Vielergeringer, so muß selbstverständlich die Wirkung auch in entsprechendem Verhältnißschwächer werden, allein in der Art derselben wird dadurch unter sonst gleich blei-benden Umständen nichts geändert. Es möge daher angenommen werden, daß imVerlauf von etwa 10 Jahren die Werthrelation von Gold zu Silber, die jetzt nochim freien Verkehr ungefähr 1:15°/, ist, auf das normale Verhältniß des Alter-thums, auf 1:10, hinuntergehe. Würde es im Hinblick auf eine solche Eventua-lität — die hier wohlverstanden durchaus nicht als Prophezeiung, sondern lediglichzur Erläuterung der Argumentation hingestellt wird, wenn wir auch die Unmöglich-keit einer solchen Gestaltung der Dinge nicht behaupten möchten — für Deutschlandrathsam sein, daß es zur Goldwährung übergehe?
Um jedem Vorwurf zu entgehen, als würden von uns die Bedenken, welcheder Annahme der Goldwährung in Deutschland entgegenstehen, nicht unbefangen undgewichtig genug hingestellt, wollen wir die am nachdrücklichsten geltend gemachtenGründe für Beibehaltung der Silberwährung mit den eigenen Worten der Verthei-diger derselben hier aufführen.
Zn einer im Jahre 1813 in Frankfurt am Main erschienenen Denkschrift „DieWichtigkeit der Silberwährung für Deutschland", heißt es in dem Abschnitte, welcherdie Aufschrift trägt: „Was bei dem Verluste der Silberwährung für Deutschlanddas Bedenklichste sein würde." „Das in seinen Folgen am allerunberechenbarste Un-heil, welches die allmälige Abzapfung des Silbergeldes aus Deutschland und dieVertauschung seiner Silberwährung gegen Goldwährung über Deutschland bringe»würde, wäre endlich die durch dieselbe nothwendigerweise hervorgerufene Vertheuerungaller Feilschaften, der Lebensmittel, absonderlich des Getreides. Dieses und die edel»Metalle haben sich von jeher ihren Werth einander abgewogen. — Sinkt der Werthdes Goldes als Maßeinheit, so wird sich der Preis der Waare, die damit gemessenwird, verhältnißmäßig höherstellen, während in dem Lande, wo mit Silber gemessenwird, wenn sich der Werth des Silbers als Maßeinheit nicht verändert, auch diePreise bezüglich und so weit sie durch solches Maß bestimmt werden, keiner Verän-derung zu unterliegen haben. — Bekäme bei der bedrohlich bevorstehenden übermäßi-gen Goldanhäufung davon in allen Schichten der Bevölkerung jeder Einzelne ver-hältnißmäßig seiner Thätigkeit und Brauchbarkeit im Staate gleichviel in die Tasche,so möchte man der Katastrophe schon gleichgültiger zusehen können. Da dies abernicht der Fall ist, indem sich der Verdienst nicht mit der steigenden Theuerung gleich-mäßig und gleichzeitig zu heben pflegt, so könnten bei dem angedeuteten Misverhältnißohne zeitige münzgesetzliche Einschreitung die Störung des Gleichgewichts zwischenden Erwerbsverhältnissen und den Unterhaltsbedürfnissen und die damit verbundenenbedenklichsten Verwirrungen in allen Beziehungen des Staatshaushalts und desbürgerlichen Verkehrs nicht ausbleiben. Lange verderbliche Erschütterungen würdendann der Wiederherstellung des Gleichgewichts vorangehen."
Speciellerer Art sind die nachstehenden von anderer Seite her geltend gemachtenBedenken in Bezug auf die Eventualität eines Übergangs zur Goldwährung absei-ten der deutschen Staaten.
„Auch in dem Falle, daß die Goldwährung künftig nicht nur in fGroßbritan-nien, den Vereinigten Staaten undf Frankreich, sondern auch in andern Staaten an-genommen werden sollte, ist es nicht zweifelhaft, daß bei Festhaltung der Silber-währung eine sonst zweckmäßig bestimmte Silbermünze die erwünschte Werthschätzungund Geltung auf dem Weltmärkte wenigstens ebenso leicht erlangen und behauptenwird als eine Goldmünze, während anderntheils der Anschluß an bestehende fremdeMünzsysteme selbst für die Geltung in den betreffenden Gebieten nur von unerheb-licher, in Bezug auf die Geltung in Verkehrsgebieten mit abweichenden Münzsyste-men möglicherweise von hemmender und nachtheiliger Wirkung, im Allgemeinen abermehrfach bedenklich sein würde. Denn dem an sich problematischen, jedenfalls aber