Band 
Zwöflter Band.
Seite
598
JPEG-Download
 

598

Das Gold.

oder 15 Kreuzer in Scheidemünze gezahlt werden; sie erscheint unmöglich, wennalle Betrage unter 2'/- Thaler in dieser Geldsorte gezahlt werden müssen. WelcheGefahren aber für den bestehenden Münzfuß aus dem Vorhandensein zu großerMengen Scheidemünze erwachsen, dafür liefert die deutsche Münzgeschichte hinreichendeBelehrung."

In den vorstehend mitgetheilten Auszügen wird man die hauptsächlichen Gründe,welche für die Aufrechkhaltung der Silberwährung in Deutschland spreche», deutlichdargelegt finden; was sonst noch in dieser Beziehung vorgebracht worden, dürfte ent-weder ohne weitere praktische Bedeutung oder auch im Vergleich mit jenen Motivenirrelevant sein und deshalb hier übergegangen werden können.

Wir verkennen nun keineswegs das' Gewicht der geltend gemachten Bedenkengegen die Annahme der Goldwährung sowie der Gründe für Aufrechthaltung derSilberwährung. Wir pflichten vollkommen der Ansicht bei, daß nicht allein Gründeder Zweckmäßigkeit, sondern zugleich die Rücksichten auf Gerechtigkeit und Billigkeithierbei maßgebend sein müssen, und daß nur dringende Nothwendigkeit die Regierungzu einer in alle Verhältnisse des Staats und der Bevölkerung so,, tief eingreifendenMaßregel, wie die Veränderung des ganzen Münzsystems, der Übergang von derreinen Silberwa'hrung zur Goldwährung ist, bestimmen kann. Die Frage ist also!wird ungeachtet der entgegenstehenden Bedenken und Schwierigkeiten durch die Machtder Umstände für die Annahme der Goldwährung in Deutschland sich eine dringendeNothwendigkeit sowol vom Gesichtspunkte der Zweckmäßigkeit wie der Gerechtigkeitaus herausstellen? Unter dieser Nothwendigkeit verstehen wir eine solche Gestaltungder Dinge, daß die praktischen Nachtheile und eine unbillige Beeinträchtigung beste-hender Eigenthumsverhältnisse und pecuniä'rer Interessen bei der länger» Aufrechthal-tung der Silberwährung ersichtlich größer und störender sind, als die mit demÜbergänge zur Goldwährung verknüpften Schwierigkeiten und Gefahren. Es wirdnicht so sehr darauf ankomme», die überwiegenden positiven Vortheile einer Annahmeder Goldwährung zu beweisen und alle Bedenken gegen eine solche Maßregel zu wi-derlegen, als vielmehr zu untersuchen, ob nicht unter Umständen, deren Eintrittmöglich oder selbst wahrscheinlich ist, ein längeres Beharren bei der Silberwährungnoch viel gewichtigere Bedenken herausstellt und weit größere und nachhaltigere Stö-rungen und Unzuträglichkeiten herbeizuführen droht.

Bevor wir auf diesen Kern der Frage eingehen, mögen jedoch einige Punktein den vorangestellten Bedenken, welchen von manchen Seiten eine zu große Bedeu-tung beigelegt zu werden scheint, kurz berührt werden. Es ist angedeutet worden,wie es gar nicht wünschenswerth sein könne, daß die Münze eines Staats als solcheohne weiteres in den Verkehr des Auslandes übergehe, weil schließlich der Staatden Verlust der Abnutzung werde tragen müssen. Dies Bedenken wird dadurch be-seitigt werden, daß in den übrigen Staaten mit Goldwährung der Grundsatz derenglischen Münzpolitik angenommen werden muß, wonach das Publicum einerseitsden Vortheil genießt, sei es nun ganz unentgeltlich oder gegen Ersatz der wirklichenUnkosten, in den öffentlichen Münzanstalten Gold beliebig ausmünzen zu lassen, an-dererseits aber auch den Verlust der Abnutzung zu tragen hat, indem die über eingewisses Maß zu leicht gewordenen Goldmünzen, ^venn sie bei den großen Bank-und Geldinstituten des Landes vorkommen, sofort als Münze cassirt und lediglichdem Metallwerthe nach geschätzt werden, Ein anderes Bedenken, daß nämlich nachAnnahme der Goldwährung alle Silbermünze den Charakter der Scheidemünze an-nehmen, und alle Umsätze im gewöhnlichen Verkehr also, sofern dieselben den Betragder ausgeprägten kleinsten Goldmünze nicht erreichen, in Scheidemünze bewerkstelligtwerden müßten, wodurch eine ungeheure Masse Scheidemünze nothwendig werde,was nach früherer Erfahrung leicht große Verwirrung im Münzwesen herbeiführe,erscheint ebenfalls nicht zutreffend. Die Scheidemünze hat in früherer Zeit so be-deutende Unzuträglichkeiten hervorgerufen, weil die Regierungen selbige nicht nachRücksichten auf den Bedarf des Verkehrs, sondern hauptsächlich um dabei zu ln-