60V Das Gold.
silber aber sei allmä'lig von 60 Pence und darunter um mehr als 50°/> im Preise u
gestiegen. Dies sei auch natürlich, denn die Mehrproduktion von Gold werde durch Z
die gesteigerte Nachfrage in den Vereinigten Staaten, Frankreich u. s. w. reichlich in I
Anspruch genommen, dagegen werde aber zu den großen Contantenvcrschiffungen g
nach Indien und China nicht Gold, sondern Silber aufgekauft und durch diese Nach-frage der Preis des Silbers in die Höhe getrieben. q
. Schon die bloße Gegenüberstellung dieser beiden Auffassungen, deren jede vonihrem Standpunkte aus gleich berechtigt erscheint, muß es einleuchtend machen, daß Z
man keineswegs mit solcher Bestimmtheit, wie in den oben vorgelegten Auszügen zu di
Gunsten der Silberwährung und auch sonst oft in Deutschland geschehen ist, von st
vornherein gleichsam als Axiom behaupten kann, Gold werde im Werthe sinken, H
Silber aber stabil bleiben. Nicht die Productionsverha'ltnisse allein, sondern ebenso di
sehr die Consumtionsverhältnisse, nicht das Angebot an sich, sondern das Verhältniß in
zwischen Angebot und Nachfrage bedingen den Werth jeder Sache, und die Edel- vi
metalle sind von diesem Gesetze nicht ausgeschlossen. Wenn es einerseits vor Augen d<liegt, wie stark die Goldgewinnung gestiegen, so hat andererseits durch das seitdem ver- diänderte Münzwesen in manchen Staaten auch die Verwendung des Goldes beträchtlich . wzugenommen; nur wenn diese Verwendung von geringerer Intensität als jene Ge- g,
winnung, und dagegen beim Silber die Verhältnisse der Produclion und Consum- K
tion sich gleichgeblieben, könnte eine Werthstabilität des Silbers im Vergleich zum ti>
Golde angenommen werden. Es gibt aber auch noch einen andern und zutreffen- T
dern Maßstab, um künftig die vergleichsweise Stabilität des Werthes des Goldes de
und des Silbers zu schätzen, nämlich die Zusammenstellung der frühern und der- be
maligen Preise einer Anzahl wichtiger Artikel in Geld nach der Gold- und in Geld Tnach der Silberwährung. In welcher Währung die Preise alsdann den entsprechen-den frühern Preisen am nächsten stehen, die Währung kann natürlich mehr als die hc
andere auf Stabilität Anspruch machen. Fassen wir zur Erläuterung der Sache se
etwa folgende Beispiele näher ins Auge. Der jetzige ungefähre Preis des Weizens re
und des Schmiedeeisens in England ist 60 Schilling pro Quarter Weizen und de
9 Pfund Sterling pro Tonne Eisen, dem die Preise von respective 20 Thaler und m
60 Thaler in preußischem Gelde entsprechen. Stellten sich nun nach Verlauf von etwa sä
10 Jahren die Preise in England 63 Schilling pro Quarter Weizen und 9 Pfund h«
Sterling 9 Schilling pro Tonne Eisen, in Deutschland dagegen respective 13 Thaler Äund 39 Thaler in Silber für die gleichen Quantitäten Weizen und Eisen, sodaß de
dieselben in England um etwa 5"/» gestiegen, in Deutschland dagegen um 35"/, nie- a>
driger ständen als vor 10 Jahren, so würde man daraus (selbstverständlich unter S
dem Vorbehalt sonst gleichgebliebener Umstände) folgerichtig schließen müssen, daß al
der Werth des Goldes stabiler geblieben als derjenige des Silbers. Denn Derjenige, ot
welcher dann eine Mark Gold zu zahlen oder zu empfangen hat, leistet oder em- er
pfängt damit so ziemlich (nur um 5"/» Differenz) dieselbe Kaufbefähigung wie vor- in
10 Jahren, während Derjenige, der alsdann 15'/- Mark Silber zu zählen oder zu di
empfangen hat, mittels dieses Quantums Silbers eine ansehnlich größere Kaufbefä- zu
higung überträgt oder empfängt als vor 10 Jahren. Es wäre dies für den Zahlungs- th
empfangn allerdings eine sehr angenehme Sache, allein genau ebenso lästig für den SZahlungspflichtigen. A
Es fällt uns natürlich nicht im entferntesten ein, eine solche Gestaltung der 4
Preise vorhersagen zu wollen, ebenso wenig wie die Annahme der eventuellen Werth- A
relation von 1 :10 eine solche Behauptung in sich schließt, sondern es sollte nur zur ei
Erläuterung ein möglicher Fall hingestellt werden. Es können, wie wir keineswegs di
in Abrede stellen, auch umgekehrt die Preise in Silbergeld ziemlich unverändert blei-ben, dagegen die Preise in der Goldwährung beträchtlich gestiegen sein, wo dann st
natürlich dem Silber der Vorzug der Stabilität zuzuerkennen wäre. Das Eine ist ^
ebenso gut möglich wie das Andere, und Weiteres wollen wir hier keineswegs bc- kc
Häupten; allein schon die Geltendmachung dieser beiderseitigen Möglichkeit genügt, 3