604 Die Photographie.
schcnträte, die fortlaufenden Zahlungsverbindlichkciten nach der Goldwährung sich zurichten hätten, und daß es den Parteien unbenommen bleibe, bis dahin, falls sie dieals Regel angenommene Norm der Convertirung sich nicht gefallen lassen wollen, andereBedingungen zu verabreden, so würde aller Wahrscheinlichkeit nach der Übergang sichverhältnißmäßig einfach und rasch für eine so enorm wichtige, tief eingreifende undvielseitige Angelegenheit vollziehen. Wird jedoch dieser Zeitpunkt versäumt und istdas bis dahin durch die französischen Münzzustände einstweilen, aber vielleicht aufnur noch kurze Zeit, aufgehaltene weitere Sinken der bisherigen Werthrelation ein-mal eingetreten, dann wird die Sache allerdings um Vieles, Vieles schwieriger. Als-dann kann schon das Jnaussichtstellen einer Demonetisation des Silbers in Deutsch-land panischen Schrecken und einen unberechenbaren Einfluß auf die fernere Ge-staltung der Werthrelation ausüben. Es wird unter solchen Umständen äußerstschwer sein, die Ansprüche des formellen Rechts und die Rücksichten der natürlichenBilligkeit sowie des allgemeinen Nutzens miteinander auszugleichen, weil alsdann diejetzt noch durch das französische Münzwesen gegebene Grenze des Sinkens der Werth-relation fehlen wird.
Bei Münzangelegenheiten kommt es vor allem auf ebenso umsichtige wie rascheEntschlüsse und deren durchgreifende Ausführung an. Die Schwierigkeiten und Be-denken werden dadurch nicht geringer, daß man ihre definitive Erledigung aufschiebt; beider vorliegenden Goldfrage aber wachsen sie in auffallender Progression, je länger manzögert. Es findet hier der Ausspruch Macchiavell's eine treffende Anwendung: Ei-nem Übel, das man von fern kommen sieht, ist meist leicht abzuhelfen; wenn manaber wartet, bis dasselbe da ist, so kommt die Arznei oft zu spät, und es geht,wie die Arzte von der Lungensucht sagen, daß sie zu Anfang leicht zu heilen, aberschwer zu erkennen sei; wenn dieselbe aber im Anfange verkannt worden, sei sie inder Folge leicht zu erkennen, aber schwer zu heilen!
Die Photographie,
mit besonderer Berücksichtigung derjenigen Eigenschaften des Lichtes, deren Kenntnißzum Verstehen der Photographischen Vorgänge erfoderlich ist.
«Fn der neuern Zeit hat vielleicht keine Entdeckung das allgemeine Interesse so sehrin Anspruch genommen als gerade die Entdeckung Daguerre's, dem es gelungenwar, mittels einfacher Verfahren, durch die bloße Einwirkung des Lichtes unternachfolgender Anwendung einiger chemischer Substanzen vollkommene Abbildungenvon Gegenständen auf versilberten Kupferplatten zu erhalten. Mag auch beim erstenBekanntwerden das Interesse noch ganz besonders dadurch erhöht worden sein, daßjene Entdeckung ganz unerwartet und gleich in künstlerischer Vollendung der Öffent-lichkeit übergeben wurde, so haben doch die ununterbrochen daran angebrachten Ver-besserungen, und besonders das glückliche Gelingen solcher Abbildungen aus Papier,die allgemeine Theilnahme für dieselbe auch jetzt nicht erkalten lassen.
So einfach auch im Allgemeinen die Einzelheiten des Verfahrens zur Dar-stellung dieser wunderbaren Bilder sind, so schwer ist es, wenn dieselben ganz iso-lirt für sich betrachtet werden, eine klare Einsicht in die dabei vorgehenden Er-scheinungen zu gewinnen, wie solche das Interesse daran wünschen läßt. Es ist nunder Zweck des nachfolgenden Aufsatzes, einem solchen Wunsche zu genügen; er stelltzunächst die für das Verständniß ersoderlichen physikalischen Üntersuchungen zusammen,