606 Die Photographie.
Fühlst du demnach im Dunkel der Nacht betastend ein Biereck/
Was kann And'res bei Licht zu dieser Gestalt sich hinzuthunA!« des Vierecks Bild? so scheinet demnach in den BildernLiege der Grund, daß wir sehen; und ohne die Wirkung derselbenKönne durchaus kein Ding sich sichtbar zeigen dem Auge.
Zur Zeit der Araber scheint die Ansicht, daß das Licht von dem leuchtendenKörper ausgeht, Geltung gewonnen zu haben; denn in der aus der arabischen Lite-ratur des Mittelalters uns übriggebliebenen „Optik" des Alhazen (lebte wahrscheinlichim 11. Jahrhundert) wird das Licht als aus allen Punkten eines leuchtenden Körpersnach allen Seiten hin ausstrahlend betrachtet.
Ansicht Kepler's.
Kepler hielt in seinen 4604 erschienenen „ksrsiipowsns sä Vitsilionsm" dasLicht für etwas Unmakerielles und Schwerloses, und schließt daraus unter Berufungauf den Aristotelischen Saß über die Abhängigkeit der Geschwindigkeit eines Kör-pers von seiner Masse und der bewegenden Kraft, daß die Geschwindigkeit des Lich-tes unendlich groß sein müsse. Auf etwas eigenthümliche Weise leitet er auchdas Gesetz ab, daß die Lichtintensität im umgekehrten Verhältnisse der Quadrateder Entfernungen steht. Das Licht soll nämlich bei seiner Entfernung vom leuchten-den Punkte sich nur in die Breite, nicht aber in die Länge ausdehnen; darausfolgert er außer dem eben angeführten Gesetze über die Intensität des Lichtes auch,daß das Licht nur zwei Dimensionen besitze. Da aber blos Gleichartiges aufein-ander einwirken könne, so werde das Licht, wenn es auf Körper treffe, von diesennicht als Körper, als welche sie ja drei Dimensionen hätten, sondern nur von ihrenOberflächen afficirt. Durchsichtig sind nach ihm die Körper, wenn die Lage ihrerinnern Theile durch einen gewissen Fluß gebildet ist.
Die Farbe ist Licht in potsutis, Licht, das in der durchsichtigen Materie ver-borgen liegt, wenn sie ohne Bezug auf das Sehen betrachtet wird; die Verschieden-heiten der Materie in Hinsicht der Verdünnung oder Verdichtung, des Durchsichtigenund der Finsterniß, und die verschiedenen Abstufungen des Leuchtens (iuoulss), dasder Materie innewvhnt, bewirken die Unterschiede der Farben. Es ist aber etwas nurin potsntis, wenn es sich nicht mittheilt, sondern innerhalb der Grenzen seines Objectseingeschlossen liegt, wie das Licht, das in den Farben verborgen ist, solange dieselbenvon der Sonne nicht beleuchtet werden. Doch weiß man nicht, ob nicht auch die Far-ben in finsterer Nacht leuchten. — Die Änderung des Brechungswinkels beim Über-gänge aus einem Mittel in ein anderes sucht Kepler daraus zu erklären, daß dasMittel dem schief einfallenden Strahle mehr Widerstand als dem senkrecht ein-fallenden entgegensetze.
Zn auffallendem Gegensatze mit dem eben angeführten Werke steht die nursieben Jahre später (1611) von Kepler herausgegebene „Dioptrik", eine ausgezeichneteSchrift von nur wenigen Bogen, in der er sich von allen Speculationen frei-hält und die Bahnen der Lichtstrahlen bei ihrer Brechung rein aus mathematischemWege bestimmt.
Ansicht des Cartesius.
Cartesius sucht in seinen 1644 erschienenen „prinoipis piülosoplüss" das Lichtmit seinen allgemeinen Ansichten von der Entstehung und Beschaffenheit der Materieund der sichtbaren Welt in Verbindung zu setzen. Das Licht soll nach ihm nichtsweiter sein als die Kraft, mit welcher sich die Kügelchen seines sogenannten zweitenElements und auch des ersten bei ihrer Kreisbewegung infolge der entstehendenCentrifugalkraft vom Centrum zu entfernen streben; es soll also nicht in irgendeinerandauernden Bewegung bestehen, sondern nur in dem durch jenen Umschwung er-zeugten Drucke oder erstem Ansähe zur Bewegung, auch wenn zufällig die Bewegungselbst nicht folgen sollte. Hiermit stimmt auch seine Ansicht in der früher (1657)