Die Photographie. 611
gesprochene Gedanke, das Verhältniß dieser Geschwindigkeiten mittels eines sehr schnellrotirenden Spiegels zu bestimmen, ist von Foucault in einem sehr sinnreichen Ver-suche verwirklicht worden, und die Messung bewies, daß das Licht sich im Wasserlangsamer bewegt als in der Lust, entschied also gegen die Emanationstheorie.
Wie schon oben angeführt, muß die Vibrationstheorie eine sehr dünne, feineelastische Flüssigkeit annehmen, welche den ganzen Weltraum, soweit er uns noch Lichtzusendet, erfüllt, alle Körper durchdrängt und die Zwischcnräume zwischen den Mo-lekülen derselben einnimmt. Selbst Newton hatte gegen die Annahme eines solchenÄthers von astronomischem Standpunkte nichts einzuwenden, indem der Äther hin-länglich dünn gedacht werden könne, um der Bewegung der Planeten um die Sonnekeinen merklichen Widerstand entgegenzusetzen. Die Theilchen dieses Äthers werdendurch anziehende und abstoßende Kräfte in einer gewissen Entfernung gehalten; durchdie Verschiebung aus ihrer Gleichgewichtslage entsteht dann eine elastische Kraft, welchedieselben in die alte Lage zurückzuführen sucht.
Im Innern der Körper- sind diese Verhältnisse des Äthers durch den Einflußder ponderablen Materie abgeändert, sodaß die Elasticität des Äthers in derselbengeringer ist als im leeren Raume; und zwar ist sie, wie die mathematische Unter-suchung lehrt, um so geringer, je stärker ein Körper das Licht bricht. Bei krystal-linischen Körpern, deren Formen nicht dem gleichachsigen Systeme angehören, ist dieGröße der Elasticität nach verschiedenen Richtungen verschieden, was die bekanntenErscheinungen der Doppelbrechung in solchen Krystallen zur Folge hat. „
Werden nun durch einen leuchtenden Körper die ihm zunächst gelegenen Äther-theilchen in Schwingungen gesetzt, so Pflanzt sich diese Wellenbewegung auf die schonoben angeführte, von Huyghens,, dargelegte Weise mit einer Geschwindigkeit fort,welche von der Elasticität des Äthers abhängt, sodaß die größere Elasticität aucheine größere Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichts bedingt. Die bis zur Netzhautunsers Auges fortgepflanzten Schwingungen bringen in uns die Empfindung desSehens hervor. Mit „der Größe der Schwingungsweite, d. h. der größten Entfer-nungen der einzelnen Äthertheilchen von ihrer Ruhelage während der Schwingungen,und zwar mit dem Quadrate derselben wächst die Stärke des Lichteindrucks ausunser Auge oder die Intensität des Lichts.
Beschaffenheit der Lichtschwingungen.
Zni Vorhergehenden ist nur im Allgemeinen von Schwingungen die Nebe ge-wesen, ohne daß die Vorgänge in den das Licht constituirenden Schwingungen näherangegeben worden wären.
Wenn auf der Oberfläche des Wassers infolge des Hineinwerfens eines SteinsWellen entstehen, so bilden sich dieselben dadurch, daß alle Wassertheilchen gewissekleine krummlinige, nahezu elliptische Bahnen beschreiben, deren Ebenen vertical lie-gen. Die verschiedenen Wassertheilchen gerathen je nach der Entfernung von demursprünglich erschütterten Punkte successive in Bewegung, sodaß die benachbartensich in verschiedenen Punkten ihrer Bahn befinden. Alle diejenigen Wassertheilchen,welche sich in den oberhalb des ursprünglichen Niveau gelegenen Punkten ihrer Bah-nen befinden, bilden einen sogenannten Wellenberg, während alle in den unterhalbdieses Niveau liegenden Bahnstücken befindlichen ein Wellenthal erzeugen. Der Wellen-berg und das Wellenthal schreiten auf der Oberfläche der Flüssigkeit fort, indem dieeinzelnen Wassertheilchen nacheinander ihre Bahnen durchlaufen. Solche Schwin-gungsbewegungen, bei denen die einzelnen Theilchen nacheinander in Bewegung ge-tathen, aber alle nahe gleiche Bahnen beschreiben, heißen fortschreitende Schwingungen.
Wenn eine Saite schwingt, so bewegen sich ihre einzelnen Theilchen sämmtlichgleichzeitig von der einen Seite nach der andern, und dann wieder zurück zur ersten.Während alle Theilchen ihre Bahnen gleichzeitig beginnen und endigen, beschreibendie in verschiedenen Entfernungen von den Endpunkten liegenden Theilchen sehr ver-
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