612 Die Photographie.
schiedcne Bahnen. Sind z. B. die Schwingungen der Saite Querschwingungen,d. h. stehen die Richtungen, nach welchen sich ihre einzelnen Theilchen bewegen,senkrecht auf der Länge der Saite, so sind die Bahnen der in der Mitte gelegenentheilchen am größten; sie werden mit der Annäherung an die Enden immer kleiner,und an den befestigten Enden selbst Null. Solche Schwingungen, wie die ebenbeschriebenen der Saite, die immerfort in demselben Raume sich wiederholen, heißenstehende Schwingungen.
Durch die Schwingungsbewegungen der Saite werden die umliegenden Luft-theilchen ebenfalls in Bewegung gesetzt; wenn z. B. die Saite nach der einen Seitehin sich bewegt, so verdichtet sie die auf dieser Seite neben ihr liegende Luft, welcheihrerseits infolge der durch diese Verdichtung erzeugten großem Spannkraft die nachderselben Seite weiterhin liegende Luftmasse zusammendrückt u. s. w. Die Ge-schwindigkeit, mit welcher diese Verdichtung sich in der Luft fortpflanzt, wird vonder Elasticität der Luft abhängen. Kehrt dann die Saite nach der entgegengesetztenSeite zurück, so entsteht auf der ersten Seite hinter ihr ein leerer Raum, den dieanliegenden Lufttheilchen infolge ihrer Elasticität auszufüllen suchen. Dadurch ent-steht an dieser Stelle eine Verdünnung, also eine verringerte Elasticität der Luft,sodaß die auf der ersten Seite weiterhin gelegenen Theilchen durch eine Bewegungnach der zweiten Seite hin diese Verdünnung auszufüllen streben u. s. f. So-wie sich also zuvor nach der ersten Seite eine Verdichtung fortpflanzte, gerade soschreitet nun ebenfalls nach derselben Seite eine Verdünnung fort. Diese aus ver-dichteten und verdünnten Theilen bestehenden Wellen sind, weil sie ihren Ort imRaume ändern, fortschreitende Wellen, wie zuvor die Wasserwellen.
Analog der tönenden Saite müssen wir nun in dem leuchtenden Körper stehendeSchwingungen annehmen; durch sie geräkh der Äther, sowie vorhin die Luft, infortschreitende Schwingungen, die, wenn wir gerade den Körper sehen, bis zu derNetzhaut unsers Äuges gelangen.
Sind aber diese Schwingungen des Äthers genau ebenso beschaffen wie dieeben erwähnten Schallschwingungen in der Luft, sodaß sie also aus abwechselnd aufeinanderfolgenden Verdichtungen und Verdünnungen des Äthers bestehen? DieAntwort hierauf lautet verneinend; es wird indessen nicht schwer sein, uns auch vouden Lichtschwingungen im Äther eine vollständig klare Vorstellung zu machen,sobald wir nicht das Licht in seinem gewöhnlichen Zustande, wie es von der Sonneund den brennenden Körpern auf der Erde ausgeht, stmdern in einer einfachernModification desselben unsern Betrachtungen zugrunde legen.
Wenn ein Lichtstrahl unter einem Winkel von 35'/- ° auf eine ebene Glasflächeauffällt, so hat der von dieser Fläche reflectirte Lichtstrahl eine besondere Modifica-tion erlitten, er hat, wie Newton bej den durch den Doppelspath gegangenen Licht-strahlen, welche denselben Zustand angenommen haben, es ausdrückte, auf zweiSeiten Eigenschaften, welche den beiden andern fehlen, mit einem Worte, er ist, wiewir es jetzt nennen, polarisirt. Dieser besondere Zustand, die unterschiedenen Seiteneines solchen Strahls lassen sich durch sein verschiedenes Verhalten gegen eine zweiteGlasfläche, auf welche er ebenfalls unter einem Winkel von 35/-° auffällt oder beiseinem Durchgänge durch einen Doppelspath thatsächlich nachweisen.
- Worin besteht nun aber der eigenthümliche Zustand eines polarisirten Strahls?Die Äthertheilchen, welche durch die von einem leuchtenden Punkte ausgehendenWellenbewegungen in Schwingungen gesetzt werden, entfernen sich beim Schwingenvon ihrer ursprünglichen Gleichgewichtslage in Richtungen, die auf der Richtungdes Strahls senkrecht stehen, und zwar sind in, einem polarisirten Strahle dieRichtungen, nach welchen die Ausweichungen der Äthertheilchen von ihrer anfängli-chen Lage erfolgen, sämmtlich miteinander parallel. In dem nach dem angegebenenVerfahren polarisirten Strahle bewegt sich jedes Äthertheilchen in einer kleinen gera-den Linie (weshalb ein solcher Lichtstrahl auch linear-polarisirt genannt wird), undalle diese Linien sind untereinander parallel.