Die Photographie. 613
Noch sei kurz bemerkt, daß sich außer dem sogenannten linear-polarisirten Lichteauch noch circular- oder elliptisch-polarisirtes Licht erzeugen laßt. Bei dem circular-polarisirten Lichte beschreiben die einzelnen Athertheilchen bei ihren Schwingungennicht gerade Linien wie zuvor, sondern kleine Kreise, deren Ebenen auf der Rich-tung des Strahls senkrecht stehen, und je nachdem diese Kreise in dem einen oderandern Sinne durchlaufen werden, unterscheiden wir rechts und links circular-pola-risirtes Licht. Setzen wir an die Stelle des Kreises Ellipsen, so entsteht das ellip-tisch-polarisirte Licht.
Wie bei jeder fortschreitenden Welle beginnen die einzelnen Athertheilchen ihreBahnen um so später zu durchlaufen, je weiter sie von dem leuchtenden Punkte ent-fernt sind. Die einfachste Anschauung von dem Fortschreiten einer linear-polarisirtenLichtwelle erhält man durch ein langes horizontal, aber nicht zu straff ausgespanntesSeil; führt man an dem einen Ende einen Schlag in der Richtung von oben nachunten aus ein solches Seil, so läuft eine Welle über das Seil hin, bei welcher alleTheilchen desselben sich nur in der Richtung von oben nach unten aus ihrer ursprüng-lichen. Lage entfernen; die Wellenbewegung dieses Seils gleicht also der Bewegungder Athertheilchen in einem polarisirten, sich horizontal fortpflanzenden Lichtstrahle,dessen Schwingungsebenen (Ebenen, in welchen die Ausweichungen der Theilchen er-folgen) vertical liegen.
Um nun eine klare Vorstellung von dem gewöhnlichen Lichte zu gewinnen, denkeman sich den Schlag, der zuvor von oben nach unten auf das Seil geführt war, insehr kurzer Zeit in allen möglichen auf der Länge des Seils senkrechten Richtungenwiederholt, sodaß die Ebenen, in welchen das Seil schwingt, in dieser kurzen Zeitalle möglichen auf der Länge des Seils senkrechten Richtungen durchlaufen. Aufgleiche Weise entsteht ein gemeiner oder gewöhnlicher Lichtstrahl dadurch, daß derleuchtende Punkt, der in jedem einzelnen Aeittheilchen allerdings nur in einer be-stimmten Ebene Schwingungen des Äthers (also nur pvlarisirtes Licht) erzeugenkann, in außerordentlich kurzen Zeiten die Ebene, in welcher er die Schwingungen er-zeugt, alle möglichen Richtungen durchlaufen läßt. Nun dauert der Eindruck, denjede einzelne Reihe dieser nach einer bestimmten Richtung polarisirten Schwin-gungen auf unsere Netzhaut macht, auf dieser im Vergleich zu der Zeit, innerhalbwelcher die Schwingungsrichtungen alle möglichen Lagen durchlaufen, sehr lange,sodaß es sich infolge dieser Fortdauer des Lichteindrucks für unser Auge gerade soverhält, als ob die nach allen möglichen Seiten gewendeten Schwingungsrichtungengleichzeitig vorhanden, d. h. das Licht mit keiner Sittlichkeit behaftet, also nicht po-larisier wäre. Das soeben von einem einzigen Punkte Gesagte muß auf alle z. B.in einer Flamme vorhandenen leuchtenden Punkte ausgedehnt werden.
Farben.
Bei vielen Lichterscheinungen, selbst solchen, die ohne unsere Mitwirkung in derNatur eintreten, treffen wir auf gewisse Verschiedenheiten im Lichte, die im Vorher-gehenden noch nicht berührt worden sind und mit dem Namen der Farben bezeich-net werden. Eine richtige Vorstellung von der besondern Beschaffenheit und derEntstehung dieser Farben in den verschiedenen Erscheinungen war natürlich solangeunmöglich, als über die Natur des Lichts selbst noch keine klaren und bestimmtenAnsichten vorhanden waren; ja selbst als diese schon feststanden und die Beschaffen-heit der einzelnen Farben im Allgemeinen nicht mehr zweifelhaft war, bot doch dieErklärung ihrer Entstehung bei gewissen dem Anschein nach sehr einfachen Vorgän-gen noch so bedeutende Schwierigkeiten dar, daß sie erst vor etwa 20 Jahren durchdie scharfsinnigsten mathematischen Untersuchungen gehoben werden konnten.
Die Haupt- und Grundversuche über die Farben verdanken wir Newton, undin seiner „Optik" beschäftigt er sich auch großentheils mit ihnen. Besonders waren esdie durch Brechung des Lichts beim Durchgänge durch ein dreiseitiges Prisma ent-stehenden Farben und die seinen Namen tragenden (Newton'schen) Ringe oder Far-