614 Die Photographie.
ben dünner Platten, auf deren Untersuchung er seine ganz besondere Aufmerksam-keit und Sorgfalt richtete. Aus den erstem bewies er, daß die verschiedenen Farbensich dadurch voneinander ultterschciden, daß sie verschieden brechbar sind, daß alsoz. B. die verschiedenen in der Luft in einerlei Richtung sich bewegenden farbigenLichtstrahlen beim schiefen Auffallen auf eine Glasfläche um verschiedene Größenaus ihrer ursprünglichen Richtung in der Luft abgelenkt werden. Aus denselben Unter-suchungen zog er ferner den Schluß, daß unser gewöhnliches farbloses (oder Weißes)Sonnenlicht aus unzählig vielen verschiedenen Farben bestehe, die beim Durchgängedurch ein dreiseitiges Glasprisma aber wegen der verschiedenen Brechbarkeit derverschiedenfarbigen Strahlen voneinander getrennt werden, und das sogenannteSpectrum bilden. Die Anzahl der verschiedenfarbigen Strahlen ist in Wirklichkeit un-endlich groß; doch kann man gewisse Hauptgruppen unterscheiden, welche in derReihe von den brechbarsten Strahlen nach den weniger brechbaren hin mit den Na-men der violetten, blauen, grünen, gelben, orangefarbenen und rothen belegt wer-den. Indessen sind die genannten Gruppen nicht etwa scharf voneinander geschie-den; sondern ebenso, wie innerhalb einer Gruppe die Farbe und damit das Bre-chungsverhältniß allmälig sich ändert, gibt es auch von einer Gruppe zur nächstfol-genden ganz allmälige Übergänge.
In der dreizehnten unter den Fragen, welche Newton seiner ,.Optik" angehangenhat, spricht Newton die Vermuthung aus, ob nicht die verschiedenen Lichtgattungen(Farben) Schwingungen von verschiedener Größe (Länge) erregen, welche je nachihrer Größe (Länge) die Empfindungen der verschiedenen Farben erzeugen, auf ähn-liche Weise, wie die Schwingungen der Luft je nach ihrer Größe (Länge) die Em-pfindungen der verschiedenen Töne hervorrufen, und namentlich, ob nicht die ammeisten brechbaren Strahlen die kürzesten Wellen und dadurch den Eindruck des Vio-lett erzeugen, die am wenigsten brechbaren aber die längsten Wellen und dadurch dieFarbe des Rothen, und so die zwischen beiden liegenden Strahlen Wellen von mittlererLänge und die Mittelfarben erregen?
Und so verhält es sich in der That; die verschiedenfarbigen Lichtstrahlen unter-scheiden sich wirklich durch die Länge ihrer Wellen. Durch geeignete Versuche ist esgelungen, die Längen der Wellen der verschiedenen Farben mit Genauigkeit zu mes-sen; ja Newton selbst hat dieselben schon bei seinen Untersuchungen über die obenerwähnten farbigen Ringe mit Genauigkeit gemessen, wenngleich er den gefundenenWerthen, da er sie nicht auf die Vibrationstheorie bezog, eine andere Bedeutungunterlegte.
Die Wellen der verschiedenen Farben besitzen in den verschiedenen durchsichtigenKörpern und im leeren Raume nicht einerlei Länge; ihre Länge ist in letztem, größerals in den mit Materie erfüllten Räumen; die Längen der Lichtwellen einer und der-selben Farbe stehen in demselben Verhältnisse wie die Geschwindigkeit, mit welcherdas Licht in den betreffenden Körpern sich fortpflanzt; diese Geschwindigkeit istaber, wie weiter oben schon angeführt, von der Elasticität des Äthers in den Kör-pern abhängig.
Da die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der verschiedenfarbigen Strahlen im leerenRaume, d. h. die Strecken, um welche die Lichtbewegung in einer Secunde fort-schreitet, dieselbe ist (ungefähr 42000 Meilen), so muß die Anzahl der Wellenlängen,welche auf eine solche Strecke gehen, oder was auf Dasselbe hinauskommt, die Anzahlder in einer Secunde vollbrachten Schwingungen im umgekehrten Verhältnisse jenerWellenlängen selbst stehen, sodaß also die violetten Lichtstrahlen in einer Secunde mehrSchwingungen machen als die blauen, diese wieder mehr als die grünen u. s. w.,bis zu den rothen, für welche die Schwingungszahl die geringste ist. Stellen wirdie Farben mit den Tönen in Parallele, so entsprechen die violetten Strahlen denhöchsten und die rothen den tiefsten Tönen. In der folgenden Tabelle sind einigeÄngaben über die Länge und Anzahl der Schwingungen für verschiedenfarbige Strah-len angeführt.