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Zwöflter Band.
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Die Photographie.

Über die Farben dünner Platten.

Wenn das farblose Sonnenlicht durch Gläser hindurchgeht, denen gewisse Metall-oxyde, wie Kobaltoxyd, Kupferoxydul u. s. w. beigemischt sind, so erscheint es nachdem Durchgänge nicht mehr farblos wie zuvor, sondern je nach den Umständen ge-färbt; läßt man dies farbige Licht durch ein Prisma gehen, so erkennt man, daßein Theil der Strahlen, welche im farblosen Sonnenlichte vorhanden waren, fehlen;dieselben sind also von der Glasmasse verschluckt oder absorbirt worden. Die Ab-sorption eines Theils der Strahlen ist nun auch der Grund, warum ein solchesGlas uns beim Hindurchsehen überhaupt farbig erscheint. Alle im Sonnenlichtevorhandenen farbigen Strahlen vereinigt, bringen nämlich auf unserer Netzhaut dieEmpfindung des farblosen Lichts hervor; wird aber ein Theil derselben aufgefangen,so erzeugt der Rest einen farbigen Eindruck, dessen Farbe von der Beschaffenheitder zurückgebliebenen Strahlen abhängt. So absorbirt z. B. das mit Kobalt blaugefärbte Glas vorzugsweise die gelben und orangefarbenen Strahlen; ein mit Kupfer-oxydul roth gefärbtes Glas läßt bei gehöriger Dicke nur rothe Strahlen hindurch u. s. w.

Die Absorption gewisser Lichtstrahlen ist in den meisten Fällen der Grund dereigenthümlichen Farben der Körper; denn wenn Licht auf die Oberfläche eines Körpersfällt, so wird stets ein Theil desselben, bevor es reflectirt wird, bis auf eine gewisseTiefe in denselben eindringen. Wird nun ein Theil von diesen eindringenden Strahlenübsorbirt, so muß der übriggebliebeneTheil uns nach seinerZurückwerfung farbig erscheinen.

Indessen ist die angeführte Absorption doch nicht in allen Fällen, wo Farben aufder Oberfläche der Körper erscheinen, die Ursache derselben; manche Farbenphänvmene,wie z. B. die Farben der dünnen Oxydschichten auf Metallen, oder der Zodsilberschichtenauf jodirten Silberplatten, die Farben der Seifenblasen u. s. w. entstehen auf eineganz andere Weise, durch die sogenannte Interferenz des Lichts. Man bezeichnetdieselben allgemein als Farben dünner Platten; Newton glaubte alle, auch die na-türlichen, Farben der Körper aus solchen Vorgängen erklären zu können.

Unter Interferenz (von dem englischen Worte to iutsrfsrs, zusammenstoßen,abgeleitet) versteht man überhaupt das Zusammentreffen zweier oder mehrer Wellen-züge, sowol bei den Wasser- als auch bei den Schall- und Lichtwellen. Treffenauf einer Wasseroberfläche zwei gleich große Wellen in der Weise zusammen, daßihre Berge zusammenfallen, so entsteht ein Berg von doppelter Höhe; ebenso erzeugtdas Zusammenfallen zweier Thäler ein Thal von doppelter Tiefe. Fällt dagegen derBerg der einen Welle mit dem Thale der andern zusammen, so gleichen sie sich beider soeben gemachten Annahme der Gleichheit vollständig aus; es entsteht weder einBerg noch ein Thal, die Oberfläche der Flüssigkeit ist eben. Sind indessen die beidenWellen nicht gleich, so entsteht im letzten Falle, je nachdem der Berg oder dasThal größer ist, noch ein kleiner Wellenberg oder ein kleines Wellenkhal, dessen Höheoder Tiefe gleich dem Unterschiede zwischen der Hohe des Berges und der Tiefe desmit ihm zusammenfallenden Thals ist.

Ganz auf gleiche Weise verstärken sich zwei Lichtwellen, wenn sie das von ihnengetroffene Athertheilchen nach derselben Richtung verschieben wollen; heben sichDagegen unter Voraussetzung gleicher Stärke vollständig auf, wenn die eine Welle demAthertheilchen genau hie entgegengesetzte Bewegung ertheilen will als die andere.Sind die beiden das Athertheilchen in entgegengesetzter Richtung antreibenden Wellennicht gleich stark, so erfährt das Athertheilchen noch eine der Differenz der Ein-wirkungen beider Wellen entsprechende Verschiebung im Sinne der stärker» Welle.In dem ersten der namhaft gemachten drei Fälle unterstützen sich also die beiden Wellenund erzeugen verstärktes Licht; im zweiten zerstören sie sich, sodaß an den betreffendenStellen Dunkelheit entsteht; im dritten Falle erscheint daselbst noch ein schwaches Licht.

Nehmen wir ein dünnes Blättchen von der Dicke des feinen Häutchens, welcheseine in schönen Farben spielende Seifenblase bildet, und lassen auf dies horizontal ge-legte Blättchen in etwas schiefer Richtung die gleichfarbigen (also z. B. rothen)Strahlen eines durch ein dreiseitiges Glasprisma gebildeten Sonnenspectrums auf-