Die Photographie. 627
chem zerstreuten Tageslichte wahrgenommen wird; denn dem Kerzenlichte fehlen diechemischen, jenseit des Violett liegenden Strahlen."
Um die Erscheinungen, um welche es sich im Vorhergehenden handelt, besserzu verstehen, möge angeführt werden, welche Vorgänge sich zeigen, wenn eine Lösung vonschwefelsauerm Chinin in die verschiedenfarbigen Strahlen eines reinen Sonnenspec-trums gehalten wird. Führt man die genannte Flüssigkeit von der rothen Seite herin das Speetrum, so geht das Licht bis zum Blauen durch dieselbe hindurch, wie esdurch eine gleich dicke Wasserschicht gegangen wäre; im Blau wird aber die Dispersion(d. h. also ei» Leuchten in der Flüssigkeit) sichtbar, und zwar besteht das dispergirteLicht aus einer sehr kleinen Menge Roth; wird die Flüssigkeit noch weiter ins Blauhineingeschoben, so mischt sich zu dem Noth etwas Gelb, und ungefähr auf derGrenze des Blau und Indigo wird das dispergirte Licht Heller und enthält außerdem Noth und Gelb auch etwas Grün. Im Indigo wird es noch Heller und grün-licher; noch weiterhin wird es blaß Schieferblau und zeigt bei der Zerlegung durchein Prisma etwas Indigo; dann wird es tiefer blau und in der Mitte das Violettwieder weißer, sodaß es jenseit des Violett nur noch ein fast weißer Schein ist,der erst verschwindet, wenn die Flüssigkeit sehr weit von dem violetten Ende absteht.Kurz vor dem Verschwinden zeigt sich das dispergirte Licht nur in einer dünnenSchicht an der Oberfläche, durch welche das Licht einfällt, wogegen es im Blau,da wo es zu entstehen anfängt, sich ziemlich weit in die Flüssigkeit erstreckt, worauswir schließen müssen, daß die Undurchstchtigkeit der Chininlösung für die stärkst brech-baren Strahlen größer ist als für die weniger brechbaren, wie vorhin schon ange-deutet wurde.
Sowie in den gewöhnlich sichtbaren Strahlen des Sonnenlichts sich dunkleStreifen, die sogenannten Fraunhofer'schen Linien finden, so zeigen sich auch auf derOberfläche der Chininlösung, durch welche die Strahlen einfallen, noch weit jenseitdes Violett verschiedene Gruppen von dunkeln Streifen; ein Beweis, daß an diesenStellen keine Strahlen vorhanden sind, während die daneben liegenden Partien durchdie einfallenden Strahlen leuchtend gemacht werden. Stockes sagt sehr bezeichnend,daß wenn man die Flüssigkeit ins äußerste Violett und darüber hinausbringt, eingeisterhafter Schein quer durch die Flüssigkeit schießt-
Die Stelle im Sonnenspectrum, an welcher zuerst das dispergirte Licht sicht-bar wird, sowie auch die Farbe und Intensität, mit der es leuchtet, ist für dieverschiedenen Substanzen, welche man der farbigen Bestrahlung im Spectrum aus-setzt, sehr verschieden. In einem Absud oder auch bloßen Ausguß der Rinde vonder Roßkastanie beginnt das dispergirte Licht schon bei einem etwas weniger brech-baren Blau als bei der Chininlösung und hat eine blaue Färbung. Bei einem Fluß-spathkrystall von Alston Moor sah Stockes die Dispersion schon an der brechbarstenGrenze des Roth beginnen, indem hier ein weniger brechbares schwaches Roth alsdispergirtes Licht erschien. Weiterhin im Spectrum ward das "dispergirte Licht raschHeller und verschwand dann. Wieder wahrnehmbar wurde das dispergirte Licht imGrüngelben bis nicht ganz zum Blau hin, anfangs war es rökhlich, dann braun.Auf der Grenze des Blau und Violett wurde es rasch Heller und schön blau; beider prismatischen Zerlegung zeigte es alle Farben vom Blau abwärts, jedoch fehltendie rothen Strahlen, am hellsten war es überhaupt im Violett, darüber hinaus wardes schwächer und verschwand allmälig. Die Beobachtungen an dem Flußspats; zeigen,daß innerhalb der Grenzen von wirksamen Lichtstrahlen auch Partien von unwirk-samen liegen können.
Stockes hat eine große Anzahl von Substanzen genauer untersucht, und sowichtig und interessant auch die gefundenen Einzelheiten sind, müssen sie hier dochaus Mangel an Raum Übergängen werden. Das Mitgetheilte wird zu einer Ein-sicht in diese Erscheinungen genügen. Ich will daher nur noch einige allgemeineBemerkungen hinzufügen.
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