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Zwöflter Band.
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I

628 Die Photographie.

Häufig treten die verschiedenen Farben im dispergirtem Lichte auf, wenn esnoch sehr schwach ist, sodaß dasselbe von da an, wo es einige Intensität besitzt, einefast gleichförmige Farbe zeigt. Tritt das dispergirte Licht allmälig aus, so erreichtgewöhnlich die Brechbarkeit seines brechbarsten Theils nicht die des wirkenden far-bigen Lichts des Spectrums; beginnt es dagegen bei Ankunft an einem gewissenPunkte fast plötzlich, so ist es zuerst fast homogen und von fast gleicher Brechbarkeitwie das wirkende Licht. Wenn die Flüssigkeit, welche das Licht trifft, gefärbt ist, sofand Stockes insgemein, daß, wenn eine reichliche Dispersion an einem gewissenPunkte plötzlich begann, ihr in dem durch dieselbe hindurchgegangenen Lichte ein Ab-sorptionsstreifen folgte. In allen von Stockes untersuchten Fällen galt das Gesetz, !daß das dispergirte Licht eine geringere Brechbarkeit zeigt als das wirksame Licht,durch welches diese Dispersion veranlaßt wurde. ^

Um die Erscheinung der Dispersion beim schwefelsauer» Chinin wahrzunehmen,genügt es auch, einen Papierstreifen mit dieser Flüssigkeit zu tränken und noch feuchtin das Sonnenspectrum zu halten-, man sieht dann den leuchtenden weißlichen Scheinnoch weit jenseit des Violett hervortreten. .Ähnlich kann man mit andern Flüssig-keiten verfahren; auch bei festen Körpern scheint das auf ihnen aufgefangene Son-nenspectrum sich jenseit des Violett zu verlängern, wenn dieselben die Fähigkeit be-sitzen, Licht zu dispergiren.

Stockes hat ein Verfahren angegeben, mittels dessen man sogleich mit einem iBlicke übersehen kann, ob eine Substanz überhaupt die Fähigkeit besitzt, durch Be-strahlung Licht zu dispergiren, oder in gewissem Sinne sclbstleuchtend zu werden, so-wie auch unmittelbar zu erkennen, welches die für dieselbe wirksamen Strahlen desSonnenlichts und welches die Farben des dadurch hervorgerufenen dispcrgirten Lichtssind. Das Verfahren eignet sich sehr gut zur Beobachtung der Dispersion beiundurchsichtigen Körpern, also z. B. von Papieren, die mit Flüssigkeiten getränkt sind.

Man bringe in dem Laden eines dunkeln Zimmers einen horizontalen Schlitz an,dessen Länge in , der horizontalen Richtung ungefähr Zoll mißt, während seineHöhe nur 1 Linie beträgt, und leite mittels eines außerhalb angebrachten SpiegelsSonnenlicht durch diesen Schlitz horizontal -ins Zimmer. Läßt man dieses Licht durchein Prisma gehen, dessen brechende Kante vertical sieht, so erzeugt sich in horinzon-taler Richtung ein verlängertes Spectrum, dessen Höhe (von oben nach unten) nicht !

größer als die des Schlitzes (also 1 Linie) ist. Man erblickt dann auf dem Schirme, j

welcher das Spectrum auffängt, einen schmalen, in der Richtung von der Rechtenzur Linken verlängerten farbigen Streifen. Bei der angegebene» Länge des Schlitzesin der auf der brechenden Kante des Prismas senkrechten Richtung wird aber, wieman leicht sieht, dieses Spectrum nicht ganz rein sein, d. h. auf einen Punkt des-selben fallen nicht blos Strahlen von einer ganz bestimmten Brechbarkeit oder Farbe,sondern auch Strahlen von der nächstfolgenden und vorhergehenden Brechbarkeit.Wird indessen das Spectrum erst in einiger Entfernung hinter dem Prisma aufge-fangen, sodaß seine Länge die Länge des Schlitzes vielfach übertrifft, so werden seineFarben zu den beabsichtigten Versuchen doch noch hinlänglich rein sein.

Wir wollen nun das eben beschriebene schmale horizontalliegende Spectrum aufder frischabgeschabten Oberfläche eines Stückes weißer Kreide auffangen und anneh-men, daß der Kreide die Fähigkeit Licht zu dispergiren gänzlich mangele; und inder That besitzt sie auch diese Eigenschaft in sehr viel geringerm Grade als z. B. >gewöhnliches Papier. Betrachten wir dann den auf der Kreidefläche sichtbaren far- !

bigen Streifen durch ein zweites vor die Augen gehaltenes Prisma, dessen brechende -

Kante mit ihm parallel, also horizontal gerichtet ist, so erfährt das Licht desselbeneine Brechung nach unten oder oben, je nachdem die brechende Kante des Prismasauf- oder abwärts gekehrt ist. Um von einem bestimmten Falle auszugehen, wollenwir annehmen, die Farben des Spectrums lägen so, daß das linke Ende desselbenroth, das rechte dagegen violett wäre, und durch das zweite Prisma erschienen die-selben aufwärts gebrochen. Da die violetten Lichtstrahlen am stärksten, die blauen