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Die Photographie.
durchzuführen, und in Betreff der geistigen Fähigkeiten des Menschen und der Wege,welche unser Verstand zur Entdeckung neuer Wahrheiten einschlägt, würde einesolche Darstellung auch großes Interesse gewähren; indessen hier mangelt der Raum,auch nur in einiger Ausdehnung eine solche zu versuchen. Ich will nur daranerinnern, daß selbst ein Galilei den Luftdruck nicht erkannte, als der Zufall einemflorentinischen Brunnenmeister die Erfahrung brachte, daß das Wasser in einerSäugpumpe nicht höher als 32 Fuß steigt; ferner daß schon die Mitglieder der al-ten ^ooaclsmia ckol Limönto IN Florenz zu Anfang der zweiten Hälfte des 17. Jahr-hunderts die Beobachtung gemacht und veröffentlicht haben, daß ein an einem Fadenaufgehangenes Pendel seine ursprüngliche Schwingungsebene nicht beibehält, daßaber weder sie noch die Physiker von fast zwei darauf folgenden Jahrhunderten denGrund dieser Erscheinung erkannt haben, daß jene Beobachtung ganz in Vergessen-heit geriekh, bis im Jahre 1851 Foucault dieselbe selbständig wieder auffand undauch die Ursache derselben nachwies, indem er daraus einen Beweis für die Umdre-hung der Erde um ihre Achse bildete; und endlich, daß zwar schon Brugmans 1778die Abstoßung eines kleinen mittels eines Korks auf dem Wasser schwimmenden Stück-chen reinen Wismuths durch einen Magnet wahrnahm, daß Colomb die verschie-densten sehr leicht beweglichen Körper zwischen zwei Magnetpolen sich senkrecht aufdie Verbindungslinie derselben stellen sgh, daß diese Versuche von Lebaillif und Andernwiederholt wurden, daß aber erst Faraday es gelang, den sogenannten Diamagnetis-mus, von welchem diese Erscheinungen abhängen, zu entdecken, nachdem er bei Ver-suchen über die Drehung der Schwingungsebene des polarisirten Lichts durch denMagnetismus infolge des Umstandes, daß diese Drehung nur unter dem Einflüsseeiner ponderablen Substanz möglich war, darauf hingewiesen wurde, daß die Materiealler, auch der sogenannten nichtmagnetischen Substanzen eine Einwirkung von Seiteneines Magnetpols erfährt. .
Wenn daher bei der Erzählung des Weges, auf welchem Niepce und Daguerre,und später Letzterer allein, die Verfahren zur Darstellung von Abbildungen durchdas Licht vervollkommneten, auch sogenannte zufällige Wahrnehmungen sich finden,so werden wir doch um nichts weniger dem Scharfsinne, der hieraus neue Methodenzu entwickeln vermochte, alle Anerkennung zollen müssen; wären die Gedanken dieserMänner nicht gerade auf die betreffenden Punkte gerichtet gewesen, so würden siedurch solche zufällig sich darbietenden Erscheinungen ebenso wenig zu einer Entdeckunggelangt sein, wie für Galilei die Beobachtung des Brunnenmeisters ohne Erfolgblieb, da sein Geist mit Untersuchung anderer Theile des Wissens beschäftigt war.
Lalbot's Erfindung der Lichtbilder auf Papier.
Man kann behaupten, daß das Hervortreten von Entdeckungen an bestimmteZeiten gebunden ist; es muß erst ein gewisser Kreis von Erscheinungen zur klarenErkenntniß gebracht sein, bevor eine bestimmte Entdeckung in dem Gebiete der Wissen-schaft möglich ist; aber dann ist sie auch nicht blos möglich, sondern liegt nothwen-dig in der Entwickelung der Physik. Es spricht sich dies sehr deutlich in den vielenPrioritätsstreitigkeiten aus, die eben dadurch entstehen, daß weil die Zeit für dieErkenntniß einer Wahrheit gekommen ist, mehre Männer gleichzeitig, mit ihrem Auf-suchen beschäftigt sind. Das Gesagte gilt aber nicht blos für die Entdeckung derrein wissenschaftlichen Wahrheiten, sondern auch für die Verwendung derselben zupraktischen Zwecken, indem der Fortschritt der Praxis ganz von dem der Wissenschaftabhängig ist.
Sonach wird es uns nicht in Verwunderung setzen, wenn wir hören, daß gleichnach der ersten Mittheilung, welche Arago in der Sitzung der pariser Akademie vom7. Jan. 1839 über Daguerre's Entdeckungen machte, der Engländer Talbot mitähnlichen Bestrebungen hervortrat, die seit 1834 darauf gerichtet waren, die Bilderder (lamei-s odsoura auf Papier zu fixiren. Talbot hatte auch vollkommene Ab-bildungen eines Kupferstichs erhalten, indem er denselben auf ein mit geeigneten