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Die Photographie.
Silbersalzen überzogenes Papier legte und dem Sonnenlichte aussetzte; nur war indem so erhaltenen Bilde die Vertheilung von Schatten und Licht gerade umgekehrtals im Original. Behandelte er nun dieses Bild genau so wie den Kupferstich, solieferte die neue Abbildung durch das Sonnenlicht ein dem Original auch in Bezugauf Schatten und Licht vollkommen gleiches Bild. Es gelang Talbot endlich auch,in der Gallussäure ein Mittel zu entdecken, das selbst nach sehr kurzer Bestrahlungeines empfindlichen Papiers das auf dessen Oberfläche noch gar nicht oder nur äußerstschwach sichtbare Bild kräftig hervortreten ließ.
Photographien aus Papier; Copiren von Bildern auf durchsichtigen oder wenigstens durch-scheinenden Substanzen.
Um von einem bestimmten Falle auszugehen, wollen wir annehmen, es handlesich darum, von einem Kupferstiche eine Photographie zu erhalten.
Man wähle ein feines gleichförmiges Maschinenpapier aus, lege ein Blatt da-von, etwas größer als der Kupferstich, mit der glatten Seite auf eine Lösung von1 Theil Kochsalz in 10 Theilen Wasser, die sich in einem niedrigen viereckigen Por-zellantroge befindet, und lasse es einige Minuten darauf schwimmen, bis seine Ober-fläche gleichförmig und vollständig von dieser Lösung, benetzt ist. Man muß beidem Auflegen dafür sorgen, daß nicht Luftblasen an dem Papiere haften bleiben,weil sonst die von diesen Blasen bedeckten Stellen nicht gehörig befeuchtet werden.Die Bildung solcher Luftblasen läßt sich vermeiden, wenn man das Papier nicht mitder ganzen Fläche auf einmal auflegt, sondern das an zwei gegenüberstehenden Kan-ten gehaltene Papier krümmt, mit dieser Krümmung zuerst die Oberfläche der Koch-salzlösung berührt und dann die andern Theile des Papiers allmälig niederläßt. Nachdem Abnehmen von der Lösung wird das Papier zwischen Fließpapier etwas getrock-net. Durch diese Operation sind die obersten Schichten des Papiers je nach derDauer der Berührung bis auf verschiedene Tiefen mit Kochsalz oder Chlornatriumgetränkt worden.
In einen andern viereckigen Porzellantrog gießt man eine Lösung von 1 Theilsalpetersauerm Silberoxyd (Höllenstein) in 5 Theilen Wasser, und legt auf gleicheWeise wie zuvor das Blatt Papier, mit der von Chlornatrium durchzogenen Seitenach unten, auf die Oberfläche dieser Flüssigkeit. Wenn eine Auflösung von Chlor-natrium zu einer Auflösung von salpetersauerm Silberoxyd gegossen wird, so tritteine gegenseitige Zerlegung ein; das Silber hat eine sehr große Verwandtschaft zumChlor und verbindet sich daher auch mit demselben; der mit ihm verbunden geweseneSauerstoff geht an das Natrium und verwandelt dasselbe in Natriumoxyd oder Na-tron, das sich dann mit der Salpetersäure zu salpetersauerm Natron verbindet. Dassalpetersaure Natron ist im Wasser löslich, das Chlorsilber dagegen unlöslich undsetzt sich als eine weiße käsige Masse ab. - Sind die beiden Lösungen zuvor neutral(d. h. weder sauer noch alkalisch gewesen), so wird nach bekannten chemischen Ge-fetzen die Neutralität durch diese Zerlegung nicht gestört, sodaß also die Auflösungdes salpetersauern Natrons wieder neutral ist, also weder das blaue Lackmuspapierröchet, noch das mit Curcuma gelbgefärbte Papier bräunt. Genau derselbe Proceßgeht nun vor, wenn das mit Chlornatrium durchtränkte Papier auf die Oberflächeder salpetersauern Silberoxydlösung gebracht wird; nur fällt das gebildete unlöslicheChlorsilber nicht zu Boden, sondern bleibt fast ganz in den obern Schichten desPapiers und auf dessen Oberfläche hängen. Nach der Abnahme des Papiers vonder Flüssigkeit läßt man es abtropfen und legt es zum Trocknen auf die nicht mitder Flüssigkeit in Berührung gewesene Fläche. Man kann auch die noch vorhandeneFlüssigkeit durch Auflegen von Fließpapier Hinwegnehmen.
In verschiedenen Vorschriften über die Bereitung eines Photographischen Papierswerden die Concentrationsgrade der Kochsalzlösung und der Lösung von salpetersauermSilberoxyd sehr verschieden angegeben, ohne daß man deshalb sofort behaupten kann,Die Gegenwart. XII. 4-1