Die Photographie. 653
schnell das Bild erscheint, das dann mit unterschwefligsauerm Natron oder mit Brom-kalium fixirt wird.
Gaudin wendet zum Hervorrufen des Bildes nicht die Gallus- oder Pyrvgallus»säure an, sondern eine beinahe gesättigte mit Schwefelsäure sehr schwach angesäuerteLösung von Eisenvitriol, die möglichst frei von Eisenoxyd ist. Das von ihm vor-geschlagene Verfahren ist folgendes: Er setzt das Papier eine Minute lang demDampfe der rauchenden Salzsäure aus, überstreicht seine Oberfläche mittels eines Pin-sels mit einer fast gesättigten Auflösung von neutralem salpetersauern Silberoxydund läßt es trocknen. Das trockene Papier wird in der llsmsra obsours dem Lichtenur solange ausgesetzt, daß das Bild noch nicht sichtbar ist, und dann in die eben-genannte mit Schwefelsäure angesäuerte Lösung von Eisenvitriol eingetaucht, wodurchdas Bild deutlich hervortritt, das nachher durch Waschen mit vielem reinen Wasserund zuletzt mit Wasser, dem ein Zehntel Ähammoniak zum Auflösen des Chlorsil-bers zugesetzt worden ist, fixirt wird.
Das Hervorrufen der Bilder mit Eisenvitriollösung findet jetzt bei den Photo-graphen sehr viel Eingang.
Nachdem wir die Zubereitung und. weitere Behandlung des PhotographischenPapiers kennen gelernt haben, ist noch nöthig, einige Erläuterungen über das Ein-setzen dieses Papiers in die Lamers obsvurs hinzuzufügen. Wir nehmen an, wirwären im Besitz einer Lamora obsours, die in jeder Beziehung untadelhaft wäre,deren achromatisches Objectivglas also vollkommen scharfe Bilder lieferte und derenAufstellung jedes Zittern und Schwanken verhinderte. Um von einem bestimmtenFalle auszugehen, wollen wir setzen, es handle sich darum, von einer Gypsfigurein Bild zu erhalten.
Man stellt die Gypsfigur vor die tlamsra odsours, richtet letztere so, daß dasBild der Figur möglichst in der Mitte der matten Glastafel erscheint, welche dieHinterwänd der Kammer bildet, und bewegt dann die Objectivlinse mittels der anihrer Röhre befindlichen Zahnstange mit Trieb langsam vor- oder rückwärts, bis dasBild der Gypsfigur vollkommen scharf auf dem Glase erscheint, was man ant bestenbeurtheilen kann, wenn man den Kopf unter die oben S. 636 erwähnte Schürzevon undurchsichtigem Zeuge bringt. Ist diese Stellung der Linse gefunden, so ver-deckt man die Öffnung der Linse mit einem Deckel, zieht den Rahmen mit demmatten Glase aus dem Falze, in dem er steht, heraus und ersetzt ihn durch einenandern Rahmen, der das Photographische Papier enthält. Dieser zweite Nahmenmuß so gearbeitet sein, daß die empfindliche Oberfläche des Papiers beim Einschie-ben desselben in den Falz der llsmsrs ob8oura genau dieselbe Stelle einnimmt wiezuvor die matte Oberfläche des Glases; dann wird, wenn die Lamsra oksours sonstunverrückt geblieben ist, das sichtbare, Bild sich ebenso scharf auf der Papierflächeabbilden, wenn der Deckel von der Öffnung des Objectivs abgehoben wird, als zu-vor auf der matten Glasfläche.
Gesetzt also, wir hätten die angegebene Vorschrift befolgt, das photographischePapier an die bezeichnete Stelle gebracht und den Deckel von der vordern Öffnungentfernt. Wir lassen dann das Papier gerade während der seiner Empfindlich-keit angemessenen Zeitdauer dem Lichte ausgesetzt, schließen am Ende dieser Zeitdie Öffnung wieder durch den Deckel, nehmen das Papier aus dem Nahmen undbehandeln es nach den frühern Angaben in ganz richtiger Weise: so wird trotz allerangewandten Sorgfalt das Bild, wenn nicht ein besonderer Zufall vorhanden ist,doch nicht scharf ausgefallen sein. Der Grund liegt darin, daß wir die Objectivlinseso eingestellt haben, daß die Brennpunkte der leuchtenden Strahlen gerade auf diePapierflache fielen. Aus dem Frühern wissen wir aber, daß die chemisch wirkendenStrahlen in anderer Weise gebrochen werden als die leuchtenden; wenn also die leuch-tenden Strahlen ein scharfes Bild auf der Glasfläche geben, so berechtigt uns noch nichts,dasselbe auch bei gleicher Stellung des photographischen Papiers von den chemischen Strah-len zu erwarten; wäre die Linse eine einfache nicht achromatische, so würden wir nach dem