Die Photographie. 659
auf der Fläche des Wachstuchs befestigt ist, so sehen wir das positive Bild auf demWachstuche von der früher» Hinterseite, wodurch eine Umkehrung von Rechts undLinks erzeugt wird. Die Collodiumschicht haftet auf der Wachstuchfläche sehr festund zeigt, wenn sie sehr dünn ist, die sogenannten Farben dünner Platten.
Lichtbilder auf versilberten Kupferplatten (Daguerreotypen).
Die Darstellung von Bildern in der Lamsrs obsoura auf Metallplatten, sodaßdieselben dann unmittelbar durch Eintauchen in eine schwache Säure geäht werdenkönnten, war bekanntlich das ursprünglich von Niepce erstrebte Ziel; er änderte das-selbe dann später dahin ab, daß er die anfänglich angewandten Kupferplatten derFarbe wegen gegen Platten aus weißem Metall, wie Zinn oder Silber vertauschte.Für Daguerre, der mit ihm in Verbindung trat, lag es daher sehr nahe, diesenangebahnten Weg weiterzuversolgen; und die von ihm entdeckten Verfahren zrerDarstellung von Lichtbildern beziehen sich auch auf Bilder auf versilberten Kupfer-platten. Solche Bilder, die nach ihrem Erfinder noch jetzt den Namen der Da-guerreotypen führen, ,haben also thatsächlich früher existirt als die Bilder auf Papierund andern dünnen Überzügen; ihre spätere Behandlung in diesem Aufsätze ist nuraus der Absicht hervorgegangen, die verschiedenen Entdeckungen in der Photographie insolcher Reihenfolge darzustellen, wie dieselben am leichtesten verstanden werden können.
Wie schon angeführt, hatte Niepce bei seinen Bildern den Kupferplatten Silber-platten substituirt; an ihre Stelle sehte Daguerre später die viel wohlfeilem nur miteiner dünnen Schicht Silber überzogenen sogenannten silberplattirten Kupferplatten,deren Preis auch bei Anwendung eines reinen Silbers viel billiger ist. Die An-fertigung solcher Platten geschieht auf die Weise, daß eine dicke Kupferplatte undeine dünnere Silberplatte mit ihren gereinigten Flächen aufeinandergelegt und durchwiederholtes gemeinschaftliches Durchziehen durch ein Walzwerk in dünnes Blechverwandelt werden; die durch dieses Zusammenpressen entstehende Adhäsion ist hin-reichend, die beiden Metalle so aufeinander zu befestigen, daß sie durch mechanischeMittel nicht wieder getrennt werden können. Je nachdem man das Verhältnißder Dicken der angewandten Kupfer- und Silberplatke wählt, kann man dünneKupferplatten herstellen, die mit einer Silberschicht von ganz bestimmter Dicke über-zygen sind; diese letztere verhält sich zu der Dicke der ursprünglich aufgelegten Silber-platte wie die Größe der ursprünglichen Platte zu der durch das Auswalzen erzeug-ten. Da die auf solchen Platten dargestellten. Bilder nur in einer sehr dünnenSchicht der Oberfläche entstehen, so ist ein dünner Überzug von Silber völlig hin-reichend; ist derselbe nicht gar zu dünn, so kann mannach dem Abschleifen eines aufdemselben vorhandenen Bildes durch Reiben mit Putzpulver und Poliren ein neuesBild auf demselben erzeugen und dies mehre male wiederholen, ohne daß das unterder Silberschicht liegende Kupfer sichtbar wird.
Um eine völlig reine und gleichförmige Silberfläche, auf welcher die Bilder ambesten gelingen, zu erhalten, werden jetzt häufig Kupferplatten angewendet, die manmittels des elektrischen Stroms (auf sogenanntem galvanoplastischen Wege) mit einerSilberschicht überzogen hat. Um eine Kupferplatte galvanoplastisch zu versilbern,verbindet man sie mit dem negativen Pole einer Volta'schen Säule aus wenigenElementen, je nach den Umständen aus einem bis drei Daniel'schen, oder.Grove'schen, oderBunsen'schen Elemente», und taucht sie in eine Auflösung von Cyansilber in Cyan-kalium; in dieselbe Lösung taucht man parallel mit ihr und in einem Abstände von1 Zoll (mehr oder weniger) eine mit dem positiven Pole derselben Säule verbundeneSilberplatte von gleichen oder besser etwas größern Dimensionen. Der elektrischeStrom zerlegt dann das Silbersalz; das Silber begibt sich zum negativen Pole, alsozu der Kupferplatte, und schlägt sich bei nicht zu starkem Strome in zusammenhän-gender Form mit weißer Farbe auf derselben nieder; dagegen geht das Cyan zu derS-.lberplatte des positiven Pols, löst ihr Metall auf und erzeugt also von neuem