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Zwöflter Band.
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Die bildenden Künste.

anerkannt. Des Bildes Einfluß auf die Künstlerwelt bezeugen Philipp Veit's Ein-führung der Künste durch das Christenthum (Städel'sches Institut), Schadow'sBrunnen des Lebens und Divins oomrnsllia u. A. m.

Göttlicher Abkunft ist die Kunst, nur die von Gott (und der Kirche) beseelteKunst ist die wahre Kunst. Dieser Glaube bildet das Erundmotiv des von demMeister selbst umständlich erklärten Bildes. In der Vision der Madonna mit demKinde, von den heiligen Vertretern der Kunst: David, Salomo, Lukas, Johannesund den Repräsentanten der hervorragendsten religiösen Ideen, den VorbildernChristi und der Kirche umgeben, wird die göttliche Quelle der Kunst symbolisirt.Aber nicht im unmittelbaren Genusse derselben begeistert sich die auf dem unternPlane versammelte Künstlerwelt, sie muß sich mit dem Widerschein des Himmels indem Wasserspiegel des Brunnens, der die Mitte des Vordergrundes einnimmt, be-gnügen. Man erkennt aus der Stelle, welchen Anregungen das Werk seine eigen-thümliche Gestalt verdankt. Die Vereinigung der Helden der verschiedensten Zeitenund Räume, zusammenhängend blos durch das gleichnamige Ziel, dem sie nachstreben,hat in Rafael's Schule von Athen ihr Vorbild. Der irdischen Versammlung dasIdeal des himmlischen Vereins in einer Vision gegenüberzustellen, wurde zunächstdurch Rafael^s Disputa empfohlen; auch für die symbolische Darstellung desBrunnens, dessen aufsteigende Wasserstrahlen zum Himmel weisen, finden sich imMittelalter zahlreiche vorbildliche Typen. Als aber Nafael die Helden der welt-lichen Wissenschaft zur idealen Schule vereinigte, verlangte ihn nicht danach, seinebesondere persönliche Meinung auszusprechen und an den einzelnen Männern Kritikzu üben, er begnügte sich, der Aeitbildung als Ausdruck zu dienen und nach all-gemein übereinstimmendem Urtheile das Grundmotiv seines Bildes zu ordnen. Soallein wahrte er seine Unbefangenheit und konnte sich ganz in das künstlerische Be-leben und Formen hineinleben. Weder in der Schule von Athen noch in derDisputa tritt ferner die psychologisch-scharfe und überaus lebendige Schilderung inden Hintergrund: man braucht im Angesichte des letztgenannten Bildes nicht erst dieNamen zu kennen, um die mit großartigem Sinne angelegte Gliederung des Vor-gangs zu begreifen; die ganze Stufenleiter der Empfindungen von flammender Be-geisterung bis zum hohlen Zweifel schreitet offen an unserm Auge vorüber. Dabeibleibt aber dennoch die Einheit der Situation gewahrt, es zersplittert sich nichtdie Darstellung, es werden alle Personen von demselben Mittelpunkte beherrscht undbelebt. Wir finden aber von all Diesem das Gegentheil bei Overbeck; er gibtuns sein künstlerisches Glaubensbekenntniß, seine persönliche Ansicht von der Kunst-entwickelung und übt über alle hervorragenden Erscheinungen der Vergangenheit daskritische Richteramt. Zu wissen, was Overbeck von diesem oder jenem Meister urtheilt,mag unter gewissen Verhältnissen von großem Interesse sein. Es ist solche Explicationaber ungehörig in einem monumentalen Werke, das die Verherrlichung der Kunst sichzur Aufgabe erwählt. Die göttliche Abkunft der Kunst zu schildern, ist ein großerund reicher Gedanke. Nicht gegen die Wahl desselben kann sich unser Bedenkenrichten. Aber dann durfte nicht über künstlichen Unterscheidungen die Einheit ver-gessen werden, di^llle, die sich dem göttlichen Berufe zuwenden, umfaßt, und durftedie Gliederung nicht andere Zwecke als die lebendige psychologische Schilderung ver-folgen: es mußte das Ganze der Hauch der jubelndsten Begeisterung durchwehen.Statt dessen werden wir in den Kreis reflectirter Vorstellungen herabgezogen,werden über die Grade künstlerischer Vollendung, wie sie der kritisirende Meisterängstlich und doch willkürlich abgewogen, belehrt und verlieren unsere Zeit und unsereAufmerksamkeit in dem Studium symbolischer Andeutungen, statt uns über die Füllevon Prachtmenschen, die die Kunst der Vergangenheit tragen, zu freuen. Da sehenWw um den Springbrunnen ein Doppelbecken gebaut, in dem obern spiegelt sich derHimmel, in dem untern die irdischen Gegenstände ab. Daß Tizian und Belliist nachdiesen letztern blicken, sollen wir als Charakteristik der venetianischen Schule hinnehmen,aulentrummcr und zerschlagene Statuen belehren uns über das Schicksal der Antike