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Die orientalische Frage.
raskier, in dessen Händen die oberste Leitung und Verpflegung des Heeres lag. deralte Khosrew-Pascha, war ein Verräther, der seiner persönlichen Rache den Erfolg dertürkischen Waffen unterordnete. Gräßlich und nur zu sehr im Charakter ist sein Ausrufnach dem Tage von Konieh: die Schlacht ist verloren, aber der Seraskier hat gesiegt.
Englands Gleichgültigkeit, Rußlands Beistand und Frankreichs Bermittelung.
Zu Ansang October 1832 bot (ohne Zweifel auf eigene Hand) der französischeConsul in Konstantinopel seine Dienste als Vermittler an; Hülfe konnte er nicht an-bieten, und von Vermittelung wollte der Divan nichts hören. Man wird es dentürkischen Staatsmännern nicht verdenken, wenn sie nach französischer Vermittelungnicht eben begierig waren. Frankreich galt bereits als Mehemed-Ali's Patron. Derfranzösische Consul in Alexandrien verfocht die Zweckmäßigkeit einer Erhebung desPascha auf Kosten des Sultans. Was von abendländischen Künsten der Gesittung,der Industrie, der. Kriegsschule in Ägypten sich fand, war großentheils französischenUrsprungs. Die Ägypter, sagte Ibrahim selbst, die Ägypter sind Kinder der Franzosen.
Östreich hatte dem Pascha wegen seiner Übergriffe Vorstellungen machen lassen,Rußland hatte seinen Consul aus Alexandrien abgerufen, zum Zeichen seiner Unzu-friedenheit mit Mehemed-Ali.
An keine von beiden Mächten wandte sich der Sultan zuerst, als er Hülfe zubedürfen glaubte. Sondern nach London ward Ende October Nsmik-Pascha ent-sendet, um bewaffnete Schiffe zu erbitten. Der ministerielle Verfasser der „DreißigJahre auswärtiger Politik" sagt: „Der Sultan bat um eine Flotte, und die größteSeemacht in der Welt hatte keine Flotte zu senden; unsere Regierung sah sich zudiesem beschämenden Bekenntniß gezwungen und der Sultan hatte keine Wahl, alsden Beistand Rußlands anzunehmen." Dann ergeht er sich wieder in Vorwürfenüber die heillose Sparsamkeit, und kann nicht umhin, selbst seinem Helden, demStaatssecretär fürs Auswärtige, einen Theil der Verantwortlichkeit zuzuschieben. Aberer hütet sich wohl, die Hauptsache auch nur zu berühren.
Als der Sultan sich nach London wandte, sprach Rußland seinen Segen dazu.Am 15. Nov. 1832 schrieb der Graf Nesselrode an den Fürsten Lieven eine zurMittheilung an das englische und das türkische Cabinek bestimmte, später veröffent-lichte Depesche. Rußland habe förmliche Schritte gethan, um seine entschiedene Mis-billigung (rvprokstion) der Empörung Mehemed-Ali's an den Tag zu legen. Eshabe den General Murawiew nach Konstantinopel geschickt, um der Pforte wenig-stens die Skühe des moralischen Einflusses von Rußland gegen Mehemed-Ali zuleihen. „Wir wissen, daß die Pforte Beistand von England verlangt hat. Wirwürden der Pforte aufrichtig Glück wünschen, wenn sie von England wirksame Hülfeerhielte. Wir würden weder Eifersucht noch Mißtrauen dabei empfinden. UnsereInteressen sind dieselben — die Erhaltung des osmanischen Reichs. Es würde kei-nen Augenblick uns widerstreben, englische Schiffe an der Seite der Türken kämpfeüzu sehen, um Mehemed-Ali zum Gehorsam zurückzurufen."
Die russische Erwiderung auf den Protest gegen den Vertrag von Unkiar-Ske-lessi war keine so schneidende Maßregel gegen England als die Bekanntmachung die-ser Depesche. Diese Depesche legt aller Welt Englands Schande klar vor Augen.Sie führt den Beweis, daß England die Beschützung, die Rettung des Sultansden Russen überließ. Wenn es nachher in großen und groben Worten Klage führt,als wäre ihm Wunder wie groß Unrecht geschehen, weil Rußland für seine Anstren-gungen von den Türken sich einen und den andern Vortheil ausbedungen, so machtdas die Sache nicht besser, sondern schlimmer. Wer so schimpflich die Zeit ver-schläft, der wird billig verlacht, wenn er seinem Kameraden, der früh aufstand, Vor-würfe darüber macht, daß er die Arbeit der Morgenstunde zu Gold gemacht, währender, der Langschläfer, leer ausgegangen.
Doch seien wir nicht ungerecht. Geschlafen hat das englische Ministerium nicht.Es hat nicht die Hände in den'Schoos gelegt, nicht ausgeruht auf den Lorbern