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Zwöflter Band.
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994 Die orientalische Frage.

Portugiesen die Besetzung einer Insel im Persischen Meerbusen (Ormus) für sehrzweckdienlich erachtet.

Der erste geistliche Würdenträger Persicns hatte an M'Neill geschrieben (undder französische „Nonitsur" hat sich das boshafte Vergnügen gemacht, den Briefin Europa zu verbreiten): „Ich möchte vor allen Dingen gern verstehen, aber meinVerstand reicht nicht aus, welchen Verbrechens denn Persien gegen seinen alten Ver-bündeten sich schuldig gemacht hat." Mit noch größerm Recht konnten die Afghanen-fürsten diese Frage sich vorlegen, als in jenen verhängnißvollen Sommermonaten 1838auch über ihren Häuptern schwere Gewitterwolken sich zusammenzogen.

Ende Juni 1838 ward die berüchtigte Tripleallianz unterhandelt und im nach- ?sten Monat abgeschlossen zwischen der ostindischcn Regierung, dem alten Rundschit-Singh und dem Prätendenten Schah Schudschah. Der Ursprung dieses Bündnissesist seltsam genug. Zugrunde liegt ein früherer, nie zur Ausführung gelangter Ver-trag zwischen Rundschit-Singh und dem Prätendenten, wonach der Letztere dem Er-stem ein schönes Stück des frühern Afghanengebieks crbeigenthümlich abtreten unddafür von ihm als König wiedereingesetzt werden sollte. Jetzt kamen Rundschit-Singhund der Generalgouverneur überein, daß dies im Wesentlichen unter den früher zwi- ^sehen Rundschit-Singh und Schah Schudschah verabredeten Bedingungen geschehen. !soll. Der Letztere wird aber gar nicht gefragt; erst nachdem Alles abgeschlossen ist,wird ihm der Vertrag zur Mitunterschrift vorgelegt, am 13. Sept. wird er in Lo-diana, wo er als Verbannter gelebt, als König von Kabul ausgerufen. Daß dieseDemonstration gegen die Russen (denen man erst ein paar Monate später Erklärun-,gen abverlangte) gerichtet war, versteht sich von selbst. Aber zunächst und in ihrerganzen politischem Existenz bedroht waren die Thcilfürsten der Afghanenstaaten.

Am 1. Oct. erschien, von M'Naghken unterzeichnet, ein Manifest, aus welchemman hoffte, die Motive der Tripleallianz und des englischen Zugs gegen Kabul zu 'ersehen. Es wird dem Fürsten von Kabul, Dost-Muhammed, vorgeworfen, er habeden Verbündeten der Engländer, den Rundschit-Singh, mit Krieg überzogen. Dasist ganz richtig, aber es war, nachdem Rundschit-Singh in Dost-Muhammed's Gebieteinen Einfall gemacht, den der Letztere zurückwies. Die zweite Beschuldigung ist:„Die Häuptlinge der Afghanen haben sich der persischen Politik angeschlossen, un-erachtet sie sehr wohl wußten, daß dieselbe gegen die Rechte und Interessen der bri-tischen Nation in Ostindien gerichtet ist." Woraus in aller Welt hätten die Afghanen-fürsten das abnehmen sollen? Persien handelte auf Antrieb Rußlands, Rußlandsund Englands Interessen in Persien waren als „sehr nahe übereinstimmend" imJahre 1835, und sind noch wieder im November 1838 als „beinahe dieselben" vonEngland anerkannt. Daß Persiens Politik als feindlich gegen England betrachtetwerde, das hat Lord Palmerston den Persern selbst zum allerersten mal am 27. Juli1838 anvertraut. Woher hätten die Afghanen es wissen sollen?

Aber wie, wenn die Afghanenfürsten den Gegensatz kannten, den die Engländernicht laut zu nennen wagten, und wie, wenn sie, soviel an ihnen war, ihre Wahlgetroffen hatten?

Selbst aus den dem Parlament vorgelegten Papieren ersieht man, daß Dost-Muhammed alle Bedingungen, ^welche Burnes ihm vorgeschrieben, auch die Wegsen-dung des russischen Agenten, die Überlassung von Peschawer au Rundschit-Singh u. dergl.,ohne weiteres angenommen hat. Besonders entscheidend aber sind diejenigen Äuße-rungen, welche Lord Palmerston dem britischen Parlament vorenthalten hat. Am15. Jan. 1838 schreibt Burnes, Dost-Muhammed habe erklärt, seine Interessen seienan ein britisches Bündniß geknüpft, von dem er nicht sich abwenden werde, solangeihm Hoffnung bleibe es zu erwirken. M'Naghten betrachtet die Erhaltung der afgha-nischen Fürsten als die gerechteste und den britischen Interessen im. Ganzen entschiedenVortheilhafteste Politik. Burnes schreibt noch am 26. Jan. 1838: „Jede Dazwischen-kunft gegen Dost-Muhammed erscheint mir als eine sehr zweifelhafte Politik, man müßtedenn den Exkönig von Lodiana hervorsuchen, durch ihn einen Halt in diesen Ländern