Band 
Zwöflter Band.
Seite
1086
JPEG-Download
 

1086

Die orientalische Frage.

wollen wir nicht eben bestreiken. Aber wir bezweifeln, daß es der Beruf Derjenigensei, die von einer Neubegründung osmanischer Gebietseinheit und Unabhängigkeit vielStaat machen, im selben Augenblick unter der Firma einer Verschmelzung zweierProvinzen auf deren Lostrennung von ihrem Oberherrn hinzuwirken. Wir könnenuns nicht überreden, daß Jemand von der Art von Consolidirung, welche das Erb-fürstenthum in einer Provniz gewährt, für die NeichScinheit im Ernst einigen Trosterwarten sollte. Ägypten hat infolge einer zweimaligen schweren Bedrohung desOberherrn die Erblichkeit erhalten. Serbien hat, wir wollen nicht sagen, infolge,aber gewiß unerachtet dieses Zugeständnisses, während des jetzt beendigten Kampfesdem Vertheidigungssystem der Pforte ganz und gar sich zu entziehen gewußt.

Vielleicht besinnt sich auch noch ein englischer Staatsmann auf ein Wort, dasfreilich von den meisten vergessen sein wird, da es in einem blauen Buche steht:wir meinen, was am 21. Febr. 1853 der Kaiser Nikolaus dem englischen Gesandtengesagt: „Die Fürstenthümer sind factisch ein unabhängiger Staat unter meinemSchutz; dies könnte so bleiben; Serbien könnte dieselbe Negierungsform erhalten,auch Bulgarien, und es scheint kein Grund vorhanden, weshalb nicht diese Provinzeinen unabhängigen Staat bilden sollte." Daraus könnte die Diplomatie ersehen,zu wessen Gunsten sie ihre Künste spielen läßt.

Überhaupt, Meinen wir, die Diplomatie könnte hinlänglich gewarnt sein, undwürde wohlthun die Finger davon zu lassen, anstatt neue Staaten schaffen zu wol-len. Was hat man denn an dem Königreich der Niederlande, was hat man anGriechenland für Freude erlebt? Fragt doch auch der officiöse Ausleger des PariserFriedens, der übrigens im Widerspruch mit dem später wiederaufgenommenen Strebenseiner Regierung sehr verständige Bedenken des Bojaren Jstratti gegen die Vereini-gung der Moldau und Walachei vorbringt; fragt er doch ganz unbefangen, wo ervon den Tendenzstaaten spricht, ob nicht Sardinien, das man aus Haß gegen Frank-reich vergrößert, Frankreichs guter Verbündeter geworden sei?

Um nun bei diesen trockenen Materien auch für die Erheiterung.unserer Leseretwas zu thun, fügen wir eine Stelle hier an aus der „8kskllslck b'i-ss Press" vom19. Jan. 1856: „Dem schleswig-holsteinischen Fürstenhause, das von England soverfolgt wird wegen seines Widerstandes gegen die Entwürfe Rußlands (denn jenesHaus hatte sich erboten, seinen-Protest gegen den Vertrag vom 8. Mai zurückzu-nehmen, wenn eine Bestimmung hinzugethan würde, um Rußlands Erbfolge auszu-schließen) — jenem Fürstenhause hat die russische Regierung um die Mitte des Jah-res 1853 Eröffnungen gemacht, indem man demselben die Krone eines neuzuschaf-fenden Königreiches anbot — dem Vernehmen nach eines Königreichs der Moldauund Walachei; ein Project, das öffentlich zuerst von dem französischen Gesandten inden Wiener Conferenzen, als eine gegen Rußland feindliche Maßregel, beantragt,und das jüngst der türkischen Regierung von dem englischen Gesandten vorgelegt ist!"

Weitere Verhandlungen und Ergebnisse des Friedenscongreffes.

Die zwei Bedingungen, auf welche der fünfte Punkt des östreichischen Ultima-tums hinausläuft — also ^gewissermaßen die Errungenschaften vom Fall Sewastopols—- beziehen sich auf die Alandsinseln und auf die Ostgrenze des Schwarzen Meeres.

In der dritten Sitzung (1. März 1856) ward dieser fünfte Punkt zuerst vor-genommen. Das Begehren in Bezug auf die Älandsinseln ging dahin, daß daselbstkein See- oder Kriegsetablissement wiederum hergestellt noch neu geschaffen werde.Rußland war dazu bereit, wenn es gelinge sich über die andern Punkte der Ver-handlungen zu verständigen. Es ist dies gelungen und die Zusage ist einer Con-vention einverleibt, die nach Rußlands Antrag nur zwischen Rußland uild den beidenWestmäckten, weil nur diese in der Ostsee gekämpft, unterzeichnet, aus OstreichsVorschlag jedoch dem Haupkvertrage beigelegt ward.

Wir sind gewiß nicht geneigt, die Wichtigkeit jener Inseln zu unterschätzen.