Krankheiten der Hanf - u. Flachs arbeiten. 237
schlucken sie iimvillkiihrlicli eine Menge Ilanf-und Flacbstheilclien nnd zugleich mit denselbenden Kolli ein, der auf dem Boden der Smnpfla-chen, in welche man den Flachs legt, damit erschneller verfault, sich an diesen hängt. *) Die Ar-beiter behaupten, dals der Flachs ihnen mehrschade, als der Hanf; wahrscheinlich weil derFlachsslaub feiner ist und leichter in die Lungeeindringl.] —
Mehrere Leichenöffnungen von Hanf - undFlachsarbeitcrn, deren Morgagni in seinem Buch:de Sedibus et causis morborum per anatomen in-dagatis Erwähnung ihut, bestätigen llamazzi-nis Bemerkungen. Bey fünf Cadavern fand Mor-gagni die Lungen entzündet und in ihrem Gewebemehr oder weniger verdorben. Besonders um-ständlich erzählt er die Geschichte von einemMenschen, der seiii Brod mit Hanfhecheln ver-diente, welches Handwerk eine so eigene Wir-kung auf seine Stimme machte, dafs ermehr schrie, als sprach. Er hatte sechs bissieben Blulslürze gehabt; der letzte, dem er un-terlag, war von allen Symptomen der Himwuth,Phantasiren, Zucken der Sehnen etc. bogleilcl. Beyder Untersuchung des Caduvers fand sich, dafs dierechte Lunge überall an die Pleura angowachsenwar; die linke Lunge war sowohl oben als untenroth, fest, und liier und da Eiter in dieselbe ein-gedrungen. Nach diesem Befund scJilosscn Mor-gagni und Ramazzini übereinstimmend, dafsder lieständige Husten und das Asthma, welchessich so häufig bey den Ilaniärbeitcrn findet, vondem schädlichen Staube herrühren, den sic un-aufhörlich einschluckcn. Auch der unverkennbar
*) lm Amatus Lusitanus findet sich eine kurze Bemerkungüber diesen Gegenstand, welche gleichfalls mit zum Beweisedienen mag, wie gefährlich diese Ausdünstungen sind. Umnichts am Sinne zu andern, folgt sie hier lateinisch:
Qui cannas putidas evoluit villicus tolus lumnit. Caetcrum'Ut veueno allqcLus, curalus fuit: expirant autcin ex se cannaeputidac vaporeiu quemdam prorsus veneuum sapienlcm,
Amat ♦ Limit* Cent, 111 . obs. 84 .