252
Krankheiten der Chemiker.
Experimente entstehen können, sind nicht vermö-gend gewesen, die Chemiker unserer Zeit von ih-ren vielfachen interessanten Arbeiten abzuschrecken.Der Eifer, der sie beseelt, ist das einzige Präser-vativ, das sie jenen Uebeln und Gefahren entge-gensetzen. Sie scheuen nicht den gefährlichenDampf vom Schwefel, von den mineralischen Säu-ren, vom flüchtigen Alkali, von den verschiedenenLebern, als der Schwefelleber, der geschmolzenenMetalle, gährender Stoffe und einer Menge ande-rer Dinge, die sie beständig unter den Händen ha-ben; sie fürchten nicht die heftigen Explosionen,das gefährliche Destilliren etc. etc.; und täglichsieht man sie die Physik, die Arzneykunde, diePhysiologie und die Künste überhaupt mit denwichtigsten Entdeckungen bereichern. Es bedarfMath zu diesen nützlichen Arbeiten; es bedarfaber auch Vorsicht. Der Chemiker sollte sein Le-ben höher anschlagen und es mit Sorge bewahren,denn es ist seinen Mitbürgern, ja der ganzenMenschheit gewidmet; er versündigt sich an deröffentlichen Wohlfahrt, wenn er es durch allzugewagte Experimente in Gefahr setzt.“ —
Ein junger Pharmaceut zu Lille in Flandernverunglückte, indem er eine Mischung von Müriatesuroxigene depo fasse et de soufj'e (muriaspotassaesuperoxigenatmn etc.') welche zur Fertigung oxy-dirter Schwefelhölzchen bestimmt war , in einemMörser von Glas stiefs; der Stoff entzündete sichund die Explosion tödtete ihn fast auf der SteLle;Stücke von dem gläsernen Mörser hatten ihm ei-nen Theil des Unterleibes zerfleischt, die Muskelnan den Schenkeln waren zerrissen und mehrereGefafse offen. Alle ärztliche Hülfe war unnütz undnach einer Stunde verschied er unter den fürch-terlichsten Schmerzen. Gehlen, ein ausgezeich-neter Professor an der Münchner Akademie be-schäftigte sich, im July 1815, mit reiner Untersu-chung über die Wechselwirkung des Arseniks undder Pottasche; er wollte durch den Geruch denMoment beobachten, wo das Gas anfinge, sich zuentwickeln. Kaum war eine Stunde verflossen, so