308 Krankheiten derer, welche viel reiten.
Blut in den Adern geschüttelt, wird, wodurch amEnde die Pulsaderwände in ihrem Gewebe nach-geben und die Kraft, zu widerstehen, verlierenmüssen. Diese Art Verletzungen entstehen nochleichter, wenn die obigen Umstände noch durchWollust oder Krankheit vermehrt werden.'“ —Auch Corvisart macht die Bemerkung, dafs Po-stillione und Curriere sehr oft an Herzkrankheitenlitten. Er erzählt #) einen Fall von einem starken,gesunden Manne von'dreylsig Jahren, der seine vor-her geführte sitzende Lebensweise mit demGewerbe eines Curriers vertauschte. Aufdiese angreifende und beschwerliche Art reiseteer ohne Rast an alle Höfe Europa’s. Alsman ihn in das Hospital der Charite zu Parisbrachte, hatte er eben tausend Stunden Wegs zuPferde gemacht, ohne dazwischen auszuruhen. Dasletzte Stück seiner Reise war von London nachParis. Bey der Ueberfahrt von Dover nach Ca-lais empfand er zum erstenmal Erschwerung desAthemholens; auch warf er Blut aus. Ohne sichdurch diese Symptome absclirccken zu lassen,setzte er seinen Weg fort; das Uebel nahm heftigzu und Sticken und Brustschmerzen wurden nochärger, als er zu Paris angelangt war. Man liefsihm innerhalb fünf Tagen dreymal zur Ader, ohnedafs es etwas helfen wollte; Den Tag darauf be-kam er schreckliches Fieber, das Sticken erreichteden höchsten Grad und der Unglückliche starbunter den deutlichsten Zeichen, wie ungern er dieseErde verliefs. Bey der Oeifnung des Cadaversfand sich, dafs in der linken Herzkammereiner der grofsen Balken, welche denmützenförmigen Klappen zur Stütze die-nen, vom Grunde abgerissen war. DieserRifs machte, dafs derselbe frey in der Höhle derHerzkammer hin und her schwanken konnte. DemAnschein nach war an der Stelle des Risses, an derHerzwand, Eiterung eingetreten, woraus man sah,dafs es kein alter Schaden gewesen war. —
') Essai sur les maladies du coeur, pag, 263., 11. Edif.