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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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neten und bat sie, bei der Herzogin von Oester-reich auf den Abend ein Banket zu feiern;dessgleichen lud Maximilian durch Rudolf vonPappenheim ein. Die Gäste setzten sich, meistohne Ordnung und Unterschied, sowie sie Platzgewonnen, nieder. Die Tafeln waren mit Spei-sen nach der Landesart besetzt, und zwarAlles auf einmal. Das Gemach strotzte vonGold und Edelgestein. Des siissen Getränkes wardso viel aufgetragen, dass schon das Inländischedie Zungen lähmte. Der Reiche von Nassauhatte den Ehrentanz; darauf kam Johann vonBergen; hernach Maximilian selbst, und sodanndie Fürsten von Baden und Anhalt, welche teutschtanzten; doch wurde fleissig auch mit französi-schen und flämischen Tänzen abgewechselt.Es erschien die bemeldete Herzogin von Oester-reich mit guten Sitten, mit hoher Vernunft,mit geradem Leibe, lieblicher Farbe, schwa-chem Gesicht, mit etwas grossem Mund und(gehüllt) in Violfarbe, das Ihre Gnaden einwenig entzieret; ihr Alter, als man vernommen,bei achtzehn Jahren. Sie trug auf dem Haupte,als die Art fodert, ein dünn seiden Tuch, indie Höhe geformet, wie zwei Hörner. Bei ihrerschienen viel Jungfrauen, wohlgezieret undschön. Der Fürst von Oesterreich in ein gül-den Stück, als etliche sagten, ganz mit subtilensilbernen Drähtlein überzogen, ganz auf Wall-fischwaar gekleidet.

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