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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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rung mit ganz andern Sitten und Menschenmusste bisweilen Verwirrung veranlassen, undda die Fläminger das Gross - Cereinonienbuchsämmtlicher Churfiirsten und Fürsten des heil,röm. Reichs nicht genau studirt hatten, so wardnatürlich bald der eine, bald der andere Standin der Person seiner Abgeordneten zurück-gesetzt *).

Der Erzherzog beschloss, nunmehr unverweiltauch nach Brügge zu ziehen, und sowohl daseigentliche Hochzeitfest daselbst zu feiern, alsdie Freiheiten und Privilegien der Stadt zu be-schwören, worauf man bereits so ungeduldigharrte. Jede Zögerung von Seiten eines neuenHerrschers erregte schnell in den Herzen jenerselbst gewaltsamen Demokraten Argwohn undMisstrauen. Am 28. August ging die Abreisevon Gent vor sich. Die Stände, die edlenHerren, die Bürger nach den verschiedenenZünften, die fremden Kaufleute nach Nationen,die Schutters aber nach alter Sitte gereiht, hat-ten zu Brügge bereits alle Anstalten getroffen,und mit schwarzen Standarten, darauf Taubenahgebildet zu sehen waren, sowie mit einergrossem, welche das Bild einer Jungfrau wies,versehen, sich in Ordnung aufgestellt. Maximi-

*) Ueber die Details vergl. das mehr angeführte Reichs-tags-Theatrum, wo auch sämmtliche Gaben specificirt zufinden sind.