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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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Stelle in der geistlichen Kammer entkleidenund dafür ihren babylonischen Götzen aufpflan-zen wollen. Auf dieselbe Weise, wie einstdas Volk Gottes unter der Hand des KönigsPharao litt, und durch Nabuchodonosor in Ge-fangenschaft abgefiihrt wurde, werden nunauch die armen Unterthanen des einst so hochgeehrten Hauses Burgund grausam zerfleischt,gegeisselt, mit Füssen getreten und geknech-tet. Das Gesetz ist umgestürzt, die Tempelsind entweiht, die Altäre zertrümmert, dieSchiffe ausgeplündert; das Geschrei der schmäh-lich Unterdrückten und unmenschlich Misshan-delten dringt bis zu Gott empor und ruft des-selben schwere Rache auf die Urheber dieserThaten herab.

Das arme verlassene Fräulein von Burgund,gebeugt im Herzen, in Thränen zerfliessend,erscheint vor seinem Schöpfer und verklagt inschmerzenreicher Klage das Geschlecht desMars, des Gottes der Schlachten. Sie ruft denAdel, unter dem sie so manchen Vasallen zählt,um Beistand für sich an; sie erhebt ihre Stimmezum Oberhaupt der Welt, jenem geheiligtenReiche der Teutschen. Der ewige Triumpha-tor, der Vater der Waisen, der Tröster derBetrübten, hat den harten Druck seines christ-lichen Volkes vernommen, und die thränendeBitte seiner demüthigen und frommen Magd er-hört; mit seiner siissen Milde erquickte er ihr