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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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sen zu sein, welcher noch in jungen Jahrenein so kluges Herz und einen so stolzen Sinnin sich trug, und so männliche Thaten bestand.Alsbald wurde ihm auf das herzlichste zurück'geschrieben und von dem Innern seines Hausesebenfalls das Tröstlichste berichtet.

Am 19. des Heumond hielt die Herzogin zuBrügge ihren Kirchgang; alle Glocken ertönten,alle Strassen hallten von Freudengeschrei wider,und die schönsten Jungfrauen überreichten derGebieterin Blumenkränze und Lieder *).

Maria pflegte des zarten Lieblings mit derhingehendsten Muttertreue in eigener Person,und es bedurfte der eifersüchtigen Wachsam-keit der flandrischen Stände nicht einmal, wel-che von Amtswegen eine Art Beistandschaft undKuratel ausübten. Das Kind selbst gedieh mitausserordentlicher Schnelle und verrieth frühschon einen lebhaften heitern Geist.

Der Erzherzog bereiste nach diesem Ereig-niss nunmehro verschiedene Städte, wie Douai,Ryssel, Valenciennes u. s. w., hinter einander,suchte die Besatzungen dieser wichtigen Punktezu standhafter Vertheidigung zu entflammenund brachte ihnen die nöthigsten Geld- undLebensmittel. Den Bürgern selbst verlieh erneue Gerechtsame und Freiheiten, auch ver-

*) Die Excell. Chron. van Vlatnderen toi. 208 u. s. w.schildert solches ausführlich.