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war es demnach möglich, dass sie fast in der-selben Periode zu Luzern einen Traktat mit Lud-wig, und einen andern mit Maria schlossen. Sieverboten öffentlich unter Todesstrafe Rüstungenwider den König, und erlaubten dagegen still-schweigend allen denen den Durchzug, welchebei den Burgundischen Dienste zu nehmen eilten.
Der Prinz von Oranien, durch seine Neuen-burgschen Verhältnisse mit den Eidgenossenvielfach in Berührung, hatte bei den Unter-handlungen Bahn gebrochen. Eine Gesandt-schaft war noch im Jahre 1477 an Mariens Hofeerschienen, und auf das huldvollste empfangenworden. Man wälzte die Schuld des Unglücksin den drei Schlachten (bei Granson, Murtenund Nancy) auf ein höheres Geschick, auf dieFehler der Vögte und auf beklagenswerthe Miss-verständnisse *). Doch musste die Fürstin dieFreundschaft solch gieriger Söldner theuer ge-nug bezahlen, und das Geld mangelte dafür.Andrerseits gingen teutsche Söldner, welcheunter burgundischer Fahne gedient, haufenweisezur französischen über, weil die Bezahlung da-selbst richtiger floss.
Nichtsdestoweniger zeigten die Einwohnerdes Herzogthums denselben Enthusiasmus fürMaria, wie die der Freigrafschaft. JederTag sah einen neuen Abfall oder eine neue
*) Müllers Schw. Geschichte, letzter Band. Barante 1. c.