Band 
Erster Band. A - G.
Seite
177
JPEG-Download
 

177

Bahia

Bahia

der neuesten Zeit hat man in einer öden und unbewohntenGegend einen sehr ergiebigen Diamant-Distrikt gefunden,dessen Reichthum viele Kolonisten anzieht. Industrielle Thä-tigkeit ist nicht heimisch. Dieselbe beschränkt sich fast ein-zig auf Tabackfabrikation und Zuckerbereitung. Dagegenist der Ausfuhr-Handel mit Zucker und anderen Rohpro-dukten lebhaft, durch die große, schöne und sichere BaiBahia-de-todos-os-Santos (Allerheiligen-Bai)und der östlich davon, der Buchtmündung und dem Vor-gebirge San-Antonko nahe liegenden ehemaligen (bis 1771)Hauptstadt von Brasilien Bahia oder auch San-Sal-vador-da-Bahia genannt. Die eingeführten Waarenwerden durch Maulthier-Karawanen in das Innere desLandes verführt. Die Stadt liegt an einem steilen Berge,und besteht aus der Ober- und Unterstadt. Jener Theil istdurch seine höhere Lage, breite Straßen, gutes Pflasterschön, und enthält mehrere Studienanstalten, ein geistlichesSeminar, eine mcdicinische Schule, Druckerei, Münze,Bibliothek u. a. Auf der Spitze des Vorgebirges steht einLeuchtthurm 13° 0' 30" s. Br. 38° 30' w. L., der jedoch soniedrig ist, daß er höchstens 3>/2 Lieues weit gesehen wird.Dem Vorgebirge westwärts gegenüber, etwa 2-/2 L. ent-fernt, licgtdie Insel Laporica, im Eingang derBai. Dazwi-schen befindet sich die Haupteinsahrt in die Bai, die jedochdurch eine Sandbank am Vorgebirge und eine andere an derInsel beträchtlich verengt wird. Die Einfahrt an der West-seite der Insel und der Festlandküste ist schmal und schwierig,und hat an der Oeffnung nur 6 Fuß Wasser. Die Flüsse,welche in die Bai münden, verursachen eine Strömungdarin. Die durch einige Forts befestigte Stadt zählt ohn-gefähr 130,000 Einw. Der lebhafte Scchandcl unterhältden Schiffbau rege, der das vortreffliche beimische Holz ver-arbeitet. Als Handelsanstaltcn bestehen eine Zettelbank,Börse, große öffentliche Magazine, Secarsenal. Ucberhauptist Bahia der zweite Handelsplatz Brasiliens, nach Rio-de-Janeiro, dessen Geschäfte sich sehr merklich vermindern,ohngeachtet dieselben schon um mehr als die Hälfte wenigerwaren als die zu Rio-de-Janeiro.

Münze und IlechiiMgsnmse. L»rs.

Wie in Brasilien so wird auch in Bahia, Portugalgleich, in Reis undMilreis gerechnet. Das gewöhn-lichste Zahlungsmittel ist das Papiergeld des Reichs. —Bahia wechselt gewöhnlich nur auf London: zu 30 PenceSterling für 1 Mittels, und auf Paris: zu ^ 320 Reis für1 Frank.

Längen - und Mchnmumß und Gewicht wie in Brasilienüberhaupt-, verschieden aber ist das

hohünaaß; nämlich das Getrcidemaaß der Al-qucirc, womit auch Reis, Mehl und Salz gemessen wer-den. 1 Alqueire -i- ^ cngl. Bushcl, — 2'/, Alqueirevon Lissabon, --- 30,8 Liter. — 1 Alqueire Reis--68Libras (Pfd.). — 1 Mopo Salz von Lissabon giebt 18bis 20 Alqueire in Bahia. Namentlich beschäftigten sichHamburgische Schiffe in der Frachtfahrt von Salz, das siein Lissabon, St.-Ubes und bisweilen auch auf den capvcr-dischen Inseln einnahmen.

^lüssigkeitsmaaß. 1 Canada von Bahia --- 3>/o Ca-nada von Lissabon, --- 7>/g Liter, -- 2 Jmpcrial-Gallons.

I.

— 1 Pipa Rum — 72 Canada; 1 Pipa Melasse undSyrup — 100 Canada; 1 Quintal Zucker — 4 Arroba.

plahgebninche.

Die Waaren-Preise werden in Papiergeld (in-länd.) gerechnet.

Der Zucker wird xr. Arroba verkauft. Früher be-stand für den Zucker ein von der Regierung festgestellterTarwerth (perro) pr. 1 Arroba. Wenn nun der Preisangegeben wurde, so ward nur der Aufschlag über denTarwerth angegeben, und dies hieß „die Preise sobro oskerros (abgekürzt 8. r.) notiren." Der Laxwerth wurdenach den verschiedenen Zuckersorten verschieden gestellt unddie Zuckersorten mit besonderen Zeichen bezeichnet, z. B.v. — branco, d. i. weißer; 6. L. — branco daliäo, d. i.ordinär weißer; 6. II. — dranco laäonüo, d. ji. Mittelweißer; öl. — moscovaäo, d. l. brauner; öl. öl. — masco-vaäo maclio, d. i. fein brauner; öl. li. — muscovallo re.(lonüo, d. i. Mittel brauner; öl. v. — moscovailo baiiilo,d. i. ordinär brauner; 8. V. — ein valor, d. i. ohne Tart-werty.

Die Produktion der Provinz Bahia wird angegeben:

in

Zucker

Kaffee

Baum-

wolle

Taback

1839 Arroba

1,6663683

31,342

13,878

207,309

1840 -

1,186033

60,833

7,861

187,660

1841 -

1,246623

40,219

7,724

123,114

1842 -

1,437239

38,313

8,973

164,138

1843 -

999636

37,014

8,912

122,188

Eine Hauptursachc dieser Verminderung scheint dasErlöschen aller Handelsbündnisse Brasiliens mit den euro-päischen Staaten zu sein, und die damit zugleich eingeführ-ten hohen Einfuhrzölle. Natürlich wurde dadurch der frü-here überseeische Verkehr Brasiliens überhaupt gehemmt,und Deutschland namentlich, das durch Hamburgs Bezugviel brasilianische Produkte verbrauchte, beschränkte sich zumNachtheil Brasiliens. Freilich litt darunter auch Deutsch-lands Ausfuhr.

Im Jahr 1841 betrug in Bahia in den Hauptarti-keln die:

Ausfuhr:

Masse

Durchschnittspreisin Reis.

(51,347 Kiste» )

weißer 1900,u.Arroba

Zucker. . .

( 688 Büchsen!

( 2243 Fässer j

brauner1323 -

Baumwolle .

13,881 Ballen

3874 -

Kaffee. . .

12,887 Säcke

2890 -

( 3634 Rollen )

1740 -

Taback . .

(38,397 Matten

3430 -

f 1646 Ballen )

3923 -

Rum . . .

4243 Pipen

340pr. Canada

Rosen-u.a.Holz

6638 Klötze

68,000pr.Dutzcnd

Cigarren . .

7034 Büchsen

10,000pr. 1000

Cocosnüsse .

2,893612

1900 -

Hörner . .

83,168

6000 pr. 100

1841 Gesammtwerth der Ausfuhr «>,440,384480 Reis1840 - - - 8,982,000000 -

23