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Erster Band. A - G.
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steigerten. Dieser Wucher mag eine der Hauptursachcndes Haffes der Christen gegen dieselben gewesen sein, wie eres auch noch heute ist. Sie begnügte» sich indessen nichtmit dem Gewinn durch Wucher, sondern wußten auch inFolge geleisteter Hülfe sich »och Vorrechte von den Macht-habern zu erwerben. So geschah es in Frankreich währendder Regierung des unglücklichen Königs Johann durch denEinfluß des jüdische» Bankers des Königs im Jahr l36l.

Wie der lebhafte Handelsverkehr zwischen heimischenund fremden Städten die Mutter der Banken ward, soerzeugte er auch Wechsel und Tratten, um den lästigenund stets mit der Gefahr des Verlustes verbundenen Trans-port des baaren Geldes zu vermeiden. Venedig, Gcnua,Barcelona und andere Handelsstädte machten beträchtlicheGeschäfte im Wechsclhandcl. Der damalige Wucher aberund das Bedürfniß des Geldes riefen eine neue Erscheinung,nämlich eine öffentliche Leih dank ins Leben. Dieerste gründete im vierzehnten Jahrhundert die kleine fran-zösische Stadt Satins mit einem Kapital von 2<>,6l>0 Fl.,welche die Bürger zusammenbrachten, um die Bedürftigenvor dem Wucher zu schützen.

Die erste öffentliche Bank entstand um das Jahr 1171zu Venedig durch Vorschüsse, welche einige Nobili demStaat machten. Es war eine Giro-Bank, die sich baldein so großes Zutrauen erwarb, daß ihr jeder sein Geld gernanvertraute. Im Jahr 1387 wurde die Bankeinrichtungverändert. Der Staat nahm das Kapital unter seine Ga-rantie, aber trotz dem konnte sie das frühere Zutrauen nichtwieder gewinnen; ein Beweis, daß auch der Ausspruch einerStaatsgarantie unter ungünstigen Verhältnissen das Zu-trauen nicht zu erwecken vermag. Napoleon hob die Banknach der Eroberung der Republik im Jahr 1808 auf.

Eine der ältesten Banken war ohne Zweifel die zuBarcelona; denn der König Alphons der Fünfte machteschon im Jahr 1433 eine Anleihe bei derselben, wobei dieStadt dem Könige die Bedingung stellte, mit dem Sultanvon Egypten Frieden zu schließen. Gute Hafen - und Han-delsgesetze erhielt die Stadt schon im Jahr 1238 durch denKönig Jakob I., und der Magistrat der Stadt gab schon imJahr 1394 eine Verordnung, wodurch bestimmt wurde, daßWcchselbriefe binnen vicrundzwanzig Stunden nach derPräsentation acceptirt werden sollten. Aus diesen That-sachen läßt sich auf einen frühen Bestand der Bank schließen.Kaufleute aus Barcelona befanden sich schon im fünfzehn-ten Jahrhundert in den bedeutendsten Handelsplätzen, wosie auch Banken hatten, nämlich zu Paris, Pisa, Mont-pellier, Gcnua, Bologna, Avignon, Valencia, Brügge,Venedig, Florenz, London.

Die Bank von Genua entstand im Jahr 1407.Sie erlangte im Lauf derJahrhundcrte eine großeBcrühmt-heit. Ihren Fond bildeten Einkünfte und Eigenthum derdamaligen Republik Genua, welche durch Kriege in Schul-den gerathen war und in Folge davon endlich nicht anderskonnte, als dieses alles an die Gläubiger abzutreten. Die-selben vereinigten sich zu einer Gesellschaft von 100 Mit-gliedern, die später einen Bankrath und Bankdirektoriumbildeten. So viel über die Organisation dieser Bank be-kannt ist, war sie mehr eine Finanzanstalt des Staats, alseine Hülfskasse für die Privatpersonen. Sie schaffte durch

Verausgabung von Zetteln oder Actien das für Staatsbe-dürfniffe nöthige Geld, und wurde mit sehr großer Strengeverwaltet und sehr reich. Fremde Fürsten machten oft An-leihen bei ihr. Einen furchtbaren Stoß erlitt sie, als dieOestcrreichcr 1746 in die Republik eindrangen. Sie mußtedamals ihre Einzahlungen einstellen, und konnte nur durchHerabsetzung der Valüta um 5 Pcoc., verbunden mit anderenMitteln, wiedcrKräfte zum Betrieb des Geschäfts gewinnen.So bestand sie fort, bis sie Napoleon 1808 schloß und dieForderungen der Gläubiger, welche 3,400000 Lire betrugen,durch Jnscriptionen auf das große französische Buch be-zahlte.

In der Geschichte der Banken nimmt die Bank vonAmsterdam den vierten Platz ein. Sie wurde am 31.Januar 1609 unter Garantie der General-Staaten gegrün-det und eröffnet. Um dem damals im Münzwesen herr-schenden Wirrwar entgegen zu wirken, insofern der Handeldadurch sehr erschwert wurde, setzte die Bankordnung fest,daß alle Wcchselbriefe von 600 Fl. und darüber mit Bank-münze bezahlt werden mußten; eine Bedingung, welche inden damaligen Verhältnissen des Münzwesens und Handelsdrückend war, und schon im Jahr 1643 die Summe auf300 Fl. herabsetzte. Sie gewann jedoch bald einen so großenKredit, daß ihr jeder seine Ersparnisse, sogar aus den ent-fernten Provinzen anvertraute. Bei der Rückzahlung derGelder zog sie >/, Proc. ab. Bei Einzahlungen nahm sie8 Proc. Agio, und den Depositären gab sie nur Rechnungunter der Bedingung, daß ihr bei einer einmaligen Zahlung10 Fl. Prime zu Gut kamen. Zweimal im Jahr, amEnde des Januar und Juli, wurde sie geschlossen, um dieBilanz zu machen. Diese Schlußzeit wurde öffentlich be-kannt gemacht, damit auch die Depdsitäre zu dieser Zeit idceGeschäftsbilanz machten, eine Bedingung, deren Nichter-füllung mit einer Ordnungstrafe von 23 Fl. gerügt wurde.Diese Geschäftsordnung gewährte den Vortheil einer stetenUebersicht des Handelsgeschäfts, und sie war insofern noth-wendig, als die Stadt für die Depositen verantwortlich war.Die Depositen waren durchaus unantastbar, ausgenommenim Fall des erklärten Fallissements des Depositärs. DieseAchtung der Bank vor den Depositen wurde sprichwörtlichdurch ganz Europa bekannt.

Bei aller Einfachheit der Bankordnung, wodurch sieeben zum Vortheil des Bankkredits so wirksam wurde,herrschte über die inneren Angelegenheiten der Bank dastiefste Geheimniß; indessen blieb sie in allen politischen undHandelskrisen unerschüttert in ihren gewöhnlichen Leistun-gen, ein Beweis, daß die einfache Bankordnung dem Be-dürfniß genügte. So lange sie die Achtung vor fremdemEigenthum bewahrte, wankte sie nicht, weil sie allgemeinesZutrauen genoß, wodurch ihr stets Mittel zuflössen; aberbei dem Einfall der Franzosen im Jahr 1794 ergab es sich,daß sie dem Staat und der ostindischen Kompagnie ohngc-fähr 10 Mill. Fl. geliehen hatte. Um dieses Deficit zudecken, setzte sie die Bankvaluta um 15 Proc. herab und be-schränkte auch die Baarzahlungcn. Aber seit dieser Zeit,wo durch die ungünstigen politischen Verhältnisse und be-ständigen Krieg der holländische Handel verfiel, sank sie undlöste sich endlich durch allmählige Zurückziehung der Kapi-tale im I. 1814 auf