Bank
223
Bank
Der beträchtliche Netto-Gewinn der Bank für dasBankjahr:
1760 — 1761 von 01,683 Rthlr. 3 Mark 4 Schill.,davon 30 Rthlr. i>r. Actie als Dividende gegeben, also94,637 Rthlr. 1 Mark 8 Schill. vertheilt wurden; fernerfür das Jahr
1761 — 1762 : 133,192 Rthlr.; «
1762 — 1763 : 178,043 -
davon 177,710 Rthlr., I>r. Actie 30 Rthlr., vertheilt wur-den; ferner:
1763 — 1764: 180,478 Rthlr.;
1764 — 1763:180,143 -
von denen 30 Thlr. auf eine Actie zur Bertheilung kamen,setzt in Verwunderung, wenn man bedenkt, daß im August1763 die bekannte Handelskrisis eintrat, wodurch die Bankin eine so große Gefahr gericth, daß ihr Bestehen zweifel-haft wurde, wenn nicht Schimmelmann wieder geholfenhätte, wie im Oktbr. 1762, wo er in Hamburg der Bankeinen Wechselkredit auf l'/s Millionen Thlr. Banco ver-schaffte, wobei er sich selbst mit 300,000 Rthlrn. bctheiligte.Die Bank dcponirte der Sicherheit wegen bei der Hambur-ger Kämmerei für je 1000 Rthlr. Banco 1400 Rthlr. Zettel,die aber insgesammt nicht in Umlauf gesetzt wurden, undbezog die Summe durch Wechsel auf neun verschiedene Hand-lungshäuser. Sie deckte am Verfalltage ein Haus mitneuen Wechseln auf das andere, fuhr mit dieser Wechsel-Cirkulation zwei Jahre fort, um dann die Schuld auf ein-mal zu bezahlen. Dabei verlor die Bank jährlich 70/5 Proc.durch Renten, Provision und Courtage. Eine vortheil-haftere Anleihe von 3 Millionen Gulden, auf 3000 Obli-gationen a 1000 Gulden, machte die Bank 1763 im Haag.Sie gab 3 Proc. Renten und 1 Proc. Provision für denVerkauf der Obligationen. Ein anderes Haus führte gegen2/, Proc. das Geschäft aus. Zurückgezahlt wurde dieseAnleihe vom April 1763 bis zum Juni 1764.
Von diesen Summen, deren Hcrbeischaffung die Bankwiederholt in große Verlegenheit setzte, nahmen die Staats-sinanzcn einen beträchtlichen Theil in Anspruch; dagegenbestimmte eine königliche Verordnung vom 27. Jan. 1763,daß die Regierung durch die Oberschatzdircktion und Rent-kammer die Bank im I. 1763 mit dem zu den täglichenGelde versorgen werde. Indessen geschah dies auch nur mitHülfe der Bank, indem dieselbe in Benutzung der Anleihenvom 27. Nov. 1762 bis zum 2. April 1763 auf und außer-halb der Börse 4>/s Millionen Mark Banco zu einem sehrniedrigen Curse verkaufte, davon gewiß der größte Theilden Staatssinanzen überlassen war.
Der Schein dieser Operationen der Bank und derStaatssinanzen war gut, aber wie hohl und haltlos dasInnere, das zeigte die schon erwähnte Handels-Krisis 1763,wodurch die Ausführung der Anleihe in Hamburg insStocken gericth. Schimmclmann, der längst beabsichtigte,die Bank zu einer Staatsanstalt zu machen, half aus derNoth. Er ließ die eigenen früher geliehenen 300,000 Rthlr.Banco noch stehen, und lieh dazu »och 700,000 Rthlr.Banco auf ein Jahr in Hamburg. Ebenso geschickt sorgteer auch für die Rückzahlung dieser Million durch einenI.
Wechselkredit in London. Indessen litt die Bank dabei 'schwere Verluste, die sich auf 8'/? Proc. beliefen.
Die Staatssinanzen hatten von 1760 bis 1768 vonder Bank 9 Millionen Rthlr. geliehen. Dafür bezog dieBank vom 11. März 1762 bis 1766 an Zinsen 1,098,822Rthlr., und die Actionäre erhielten jährlich 30 Thalerpr. Actie Dividende. Man sieht daraus, wie es möglichist, große Dividenden zu gewinnen, ohne daß man im Besitzeines großen Kapitals zu sein braucht.
Schimmelmann hatte nun das Mittel gefunden, dieBank zur Staatsbank zu machen. Nämlich durcheinen Vertrag vom 20. Febr. 1766 zwischen der Obcrschatz-Direktion und den Bank-Kommissaren wurde Pn Seitendes Staats der Bank durch die Schatz-Direktion ver-sprochen, daß die Staatssinanzen die noch schuldigen4 Millionen Rthlr. bis zum Jahr 1772 zurückzahlenwürden; dagegen verpflichtete sich die Bank, in Darlei-hen an Privatpersonen bis 1772 nicht 3 Millionen zuüberschreiten. Die Staatsregierung suchte sich jetzt durchauswärtige Anleihen Geldmittel zu verschaffen, um ihreSchuld an die Bank abzutragen, damit nun, mit Rücksichtauf das Versprechen der Bank, sich eine Ursache ergäbe, dasBankkapital durch eine beabsichtigte Rückzahlung von '/z,
3 Millionen auf 600,000 Rthlr. zu mindern, um auf dieseWeise die Privattheilnehmer von der Bank zu entfernenund dieselbe zu einer Staatsanstalt zu machen. Wie es1760 hieß, das Bedürfniß des Landes fordere eine Vermeh-rung des Bankkapitals, so hieß es jetzt, das Bankkapitalist zu groß, und es müssen zum Besten der Bank in jederActie 400 Rthlr. abgeschrieben werden. Diese 400 Rthlr.wurden, nach Wunsch jedes Aktionärs, entweder sogleichvon der Bank baar, oder durch auf den Inhaber lautende-Obligationen !> 400 Rthlr. mit 4 Proc. pr. 100 jährlichenZinsen zurückgezahlt.
Nach dieser Veränderung der Bank beschloß die Gene-ralversammlung im I. 1768 die verringerten alten Actiengegen neue, die nur auf 100 Rthlr. lauteten, umzutauschen.Die zu täglichen Zahlungen nöthige Baarschaft erhielt dieBank jetzt von der Ober-Schatz-Direktion, in den erstenJahren ohne eine Vergütung zu leisten, aber von 1769 bis1772 gegen jährliche 20,000 Rthlr. Die Staatssinanzenhatten auf die verringerten alten Actien 1,100,000 Rthlr.baar, und 1,300,000 Rthlr. in Obligationen gezahlt; ihreSchuld an die Bank betrug gegen 4 Millionen Thlr., vondenen aber nur 2,400,000 Rthlr. theils baar, theils inObligationen zurückgegeben wurden. So stand das Ver-hältniß, als die Finanzen, statt der völligen Rückzahlungbis 1772, ihre Schuld durch neue Anleihen bei der Bankansehnlich vergrößerten und außerdem die Bank sogar imJan. 1771 durch die Obcr-Schah-Direktion bewogen, zurBesserung des Wechsclcurses mitzuwirken. In der letztenZeit hatte sich die Bank von diesem Börsenspiel fern gehal-ten und entsagte auch demselben bald wieder.
Vom I. 1766 bis 1772 leitete der Schatzmeister Schim-melmann alle Curs- und Münzoperationcn sehr geschickt.Er wußte den gesunkenen Eurs der dänischen Curantmünzezu heben, indem er selbst dieselbe kaufte, und bei der Ham-burger Bank darauf eine Anleihe ,in Banco machte. Dabei
29