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Erster Band. A - G.
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Barattiren

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Barattiren

Vereinigten Staaten. In Frankreich bedeutet das Wort inrechtlicher Beziehung jeden Betrug und jedes Versehen desSchiffsführers und seiner Leute, wodurch dem Rheder undBefrachter Schaden zugefügt wird. Rücksichtlich der Asse-kuranz bestimmt das französische Recht im Locke äe commerceArt. 333, daß der Versicherer von Vergütung eines durchden Kapitän und die Schiffsbemannung geschehenen Scha-dens frei sei, wenn nicht eine ausdrückliche Uebereinkunst des-halb gemacht ist. Der Schiffskapitän selbst kann jedoch dieeigene Baratterie durchaus nicht versichern. Nach dem eng-lischen und amerikanischen Recht vergütet der Assekuradeurden durch Betrug, Spitzbüberei und Hinterlist, nicht aberden durch Versehen des Kapitäns nebst Schiffsmannschaftdem Schiffseigner und Befrachter entstandenen Schaden;denn man betrachtet in England keine Handlung des Kapi-täns oder der Schiffsbemannung für Baratterie, die nichtaus betrügerischer oder verbrecherischer Absicht geschah. InHamburg assekurirt man gegen Baratterie. In Dänemarkwird gesetzlich jeder durch Unachtsamkeit oder durch Betrugentstandene Schaden vergütet. Uebrigens steht in Englandauf Baratterie als Strafe der Tod; ebenso in Frankreichnach dem Gesetz vom 11. April 1825, Art. 11 ff. mit Rück-sicht auf den Locke penal, wenn der Untergang des Schiffs inbetrügerischer Absicht bewirkt wurde; aber schwere Strafar-beit, wenn ohne Noth Fracht oder Lebensmittel über Bordgeworfen, ein falscher Weg eingeschlagen, oder wenn dieCon-fiskation des Schiffs mit Fracht veranlaßt wurde rc.

Barattiren, Baratt. — Barattiren oder t r o-quiren, franz. Iroguer, engl. lodarler, to trucli, italienischllarattare, bedeutet in der kaufmännischen Geschäftssprache:tauschen, Waaren gegen Waaren umtauschen. Wennzwei Kaufleute gewisse Waaren auf dem Lager haben, dieihnen nicht gut verkäuflich sind, wogegen der Eine vonihnen vielleicht die Artikel, welche dem Andern liegen bleiben,leicht veräußern könnte und umgekehrt, so pflegen sie sichbisweilen über einen desfallsigenAustausch zu vereinigen,wodurch das Interesse eines jeden von ihnen gewinnt.Dieser Lausch heißt Baratt, franz. Iroc, engl. öarter,Larler^, Irucli, ital. llaratto, llarattainento. Dem entspre-chend sind die Ausdrücke Barattgeschäft, Baratt-handel zu verstehen. — Bei einem solchen Tausch nunwürde durch die gewöhnliche Vergleichung der Preise undangemessenen Ansatz der zu barattirenden Waaren-Quanti-täten die Ausgleichung und beiderseitige Befriedigung aufsehr einfachem und leichtem Wege zu erlangen sein; hättez. B. ein Droguist Zucker vorräthig, den er zu 20 Thalernpr. Centner verkaufen würde, der aber bei ihm nicht ver-lang, wird, und dagegen ein Colonialwaarenhändlcr Laven-delöl zum Preise von 2>/2 Thaler pr. Pfund auf dem Lager,welches aber Niemand bei ihm sucht, so ist es sehr natürlich,daß der Erstere dem Letztern für jede 8 Pfund Lavendelöl1 Centner Zucker zu geben haben würde, und auf diese Weisedie Werthe beider Quantitäten gleich wären; — auf dieseArt findet aber die Abrechnung nicht statt, es setzt vielmehrbei'm Barattiren jeder Verkäufer seine Waare in einemwillkürlichen Verhältnisse höher im Preise an, als er siesonst ablassen würde, ein Umstand, welcher eine besondereRechnung bedingt, um die Quantitäten zu ermitteln, diebeiderseits geliefert werden müssen, um die beiderseitigen

Interessen gleichzustellen, die sogenannte Barattrech-nung. Ein Beispiel wird hier am deutlichsten sprechen:Ein Kaufmann, Amster, hat Zucker vorräthig, welchen erbarattiren will zum Preise von 24 Thalern xr. Centner,während er ihn außerdem nur zu 2l> Thlrn. anbringenkönnte; sein Freund Breitmann will dagegen Lavendelölabgeben zu 2^/, Thlr. pr. Pfund, das er sonst nur zu 2>/?Thaler würde anbringen können. Amster will 30 CentnerZucker ablassen, was Breitmann annimmt; es fragt sichnun, wie viel Lavendelöl Amster dagegen erhalten müsse,ohne daß der Eine oder Andere übersetzt werde, wenn derlaufende Preis zum Maßstabe genommen wird? — Die Ba-rattrechnung stellt sich folgendermaßen:

Amster hat den Zucker, der nur 20 Thlr. kosten sollte,zu 24 Thlr., also um 4 Thlr. zu hoch angesetzt, was >/- deserstern Preises ausmacht.

Breitmann berechnet das Lavendelöl statt zu 2^ Thlr.mit 2^/, Thlrn., mithin um >/«Thlr. zu hoch, welcher Unter-schied >/io vom erstern Preise beträgt.

Amster giebt 30 Centner Zucker ab, die zu 20 Thlr. pr.Ctr. 600 Thlr. betragen würden; für den gemeinenWerth von 600 Thlrn. hat also auch Breitmann Laven-delöl zu liefern, mithin zu 2»/? Thlr. pr. Pfd. 240 Pfund.Beide haben dann gleicherweise ihr Interesse gewahrt. —Zum Tauschpreise stellt sich der Werth wie folgt:

Tauschwerth.

30 Ctr. Zucker a 24 Thlr. ... Thlr?720^. —

240 Pfd. Lavendelöl i> 2-/. Thlr. - 660 —.—.

Unterschied: Thlr. 60-. -.

Es scheint nach dem letztern Ansatz, als ob dabeiAmster (der Empfänger des Lavendelöls) um 60 Thalerübersetzt sei, d-ks ist aber keineswegs der Fall; denn Am-stcr hat seine Waare um oder 20 Procent, Breitmannaber die seinige nur um oder 10 Proc. über den abso-

luten Werth angesetzt, so daß jede 120 Thlr. in der Rech-nung des Amster—je 110 Thlr. in der des Breitmann sind,also 720 Thlr. vom Tauschwerthe des Zuckers — 660 Thlr.vom Tauschwerthe des Lavendelöls; — so daß Keiner vonBeiden sich über Schaden zu beklagen hat.

Auf obige Weise kann die Barattrechnung sehr leichtvollführt werden, wenn man zunächst vom wahren Wertheder Waaren ausgeht; es geht aber eben daraus hervor, wieunnütz die Aufstellung eines besondern Laufchpreises ist.wenn man von beiden Seiten reell zu Werke geht. — Siekann jedoch auch noch auf einem andern, natürlichern Wegestattfinden, indem nämlich Breitmann erst nach dem Tausch-preise des Amster den scinigen bestimmt, und die Erhöhungin gleichem Maße wie Jener vornimmt, wobei das Resultatdasselbe sein muß, wie vorhin; nämlich:

Der Zucker ist statt zu 20 Thlrn. mit 24 Thlrn., alsoum '/s des gemeinen Werthes zu hoch angesetzt; Breitmannsetzt demgemäß den Preis des Lavendelöls statt auf L'/z Thlr.ebenfalls um >/z höher, also auf 3 Thlr.; dann sind dieTauschpreise gleichmäßig. Nun liefert Amster in 30 Ctrn.Zucker einen Tauschwerts) (»24 Thlr.) von 720 Thlrn.;für dieselbe Summe wird daher Brcitmann Lavendelöl zumPreise von 3 Thlr. pr. Pfund liefern müssen, was 240 Pfd.