Band 
Erster Band. A - G.
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Baumwolle

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Baumwolle

oben befindet sich ein Kasten, in welchen die zu reinigendeBaumwolle gelegt wird. Dessen Seite gegen die Sägen-walze ist schräg und mit Eisenstäben so gebaut, das die Sä-geblätter zwischen den Stäben in den Kasten eingreifen, umdie Baumwolle darin zu fassen, mittelst ihrer fortwährendenUmdrehung herauszuziehen, und so von den Samenkörnernloszureißen, weil diese der enge Awischenraum, worin dieSäge geht, nicht durchläßt. Die losgerissenen Körner fal-len abwärts in einen Schlauch. Abwärts zur Seite, demBaumwollkasten gegenüber, dreht sich ein mit Bürsten be-setzter Cylinder, um die an den Sägen hängenbleibendeBaumwolle abzustreifen. Diese Maschine hat offenbar fürden Pflanzer den Vortheil, daß ihm die Saamenkörner ganzbleiben zur Aussaat, während sie die andern zerquetscht.

Die gereinigte Baumwolle wird getrocknet, und dann inBallen oder Säcke sehr fest verpackt. Um sie möglichst zu-sammenzudrücken in den angefeuchteten Säcken, braucht manin Nord-Amerika Hebelpreffen. Vor der Verschiffung wer-den diese Ballen, von 480 bis 500 Pfd. Gewicht in 12bis 13 Kubikfuß Größe, noch mehr durch Schraubenpressenoder hydraulische Pressen zusammengedrückt. In anderenGegenden wird sie in Matten, in Süd-Amerika in Ochsen-häute, in der Levante und Macedonien in Haarsäcke mit denFüßen und einer Keule festgestampft.

Die vielfache Nutzbarkeit der Baumwolle zu Garn,mannigfaltigen Zeugen, Bändern, Schnüren, Strümpfen,Mützen, Handschuhen, Watten, Dochten, und roh selbst alssicheres Mittel beim Verbrennen durch heißes Wasser w.,sobald der Brandfleck nicht eine offne Wunde hat, ist in derneuesten Zeit durch die äußerst merkwürdige Erfindung derChemie, aus der Baumwolle ein vorzügliches Schußmittelzu machen, noch vergrößert worden. Wegen dieser großenNutzbarkeit ist die Baumwolle für die Industrie und denHandel einer der wichtigsten Gegenstände geworden; dabeibleibt aber eine wesentliche Rücksicht ihre Beschaffenheit undGüte, die nach der Art des Gewächses, dem Klima, demBoden und der Gegend, wo es gebaut, der Witterung sowie der Behandlung sehr verschieden ist. Deshalb unter-scheidet man im Handel, so wie namentlich in der Verarbei-tung zu Zeugen und Garn die Sorten nach den Ländern;giebt aber der weichen, kräftigen, zähen, so wie fein - undlangfasrigen den Vorzug vor der kurzfasrigen, härteren undspröderen. Uebrigens ist die Güte des Produkts aus einemLande nicht durchaus dieselbe, worauf in dem Handel eben-falls geachtet wird, um sich nicht durch die allgemeine Be-nennung täuschen zu lassen. So unterscheidet man langeGeorgia oder Sea-Jsland und kurze Georgia. Außerdemerkennt man gewisse Sorten an ihrer natürlichen Farbe, dieentweder weiß, gelb, blaßgelb, röthlich, bräunlich oderbläulich ist.

Die Fasern der kürzesten Art sind nach einer allgemei-nen Bestimmung kaum 1 Zoll, die der längsten gegen 2 Zolllang. Nach den sorgfältigen Untersuchungen des französi-schen Spinners Ogger beträgt nach pariser Linien gemessendieLängederFaser von den Sorten: Iumel oder egyp-tische 13 bis 17, Pernambuco 18 bis 17, Bahia, Cayenne,Martinique und Guadeloupe 12 bis 13, Domingo 10 bis13, Motril 11 bis 14, lange Georgia, Surinam, Barba-dos und Caracas 11 bis 13, Camuschi und Maranham 10

bis 13, Berbice 9 bis 13, Lima, Demerary und Orinoco10 bis 12, Bourbon, Effequibo, Carthagena oder Caracas,Curassao, Jamaica, St. Christoph, St. Lucia, Para undCastellamare 9 bis 12, apulische, Portorico und Minas 9bis 11, New-Orleans, Carolina und kurze Georgia 8 bis11, Louisiana, Senegal, Manilla, Biancavilla, Subutscha8 bis 10, Kirkagaz, Kinik, Smyrna und makedonische 7bis 9 par. Linien.

Außer den schon bezeichneten Eigenschaften der Güte,die theils von der Art des Gewächses, theils von dem Bo-den, dem Klima, der Witterung und der Pflege abhängen,ist noch erforderlich, daß §!e Baumwolle möglichst frei vonSchalen, Samenkörnern und Unreinigkeiten, aber auch gutdie ganz reife von der nicht völlig reifen sortirt ist. An ein-zelnen Fasern hängen nicht selten kleine Knötchen, die manFinnen, Graupen oder Focken nennt, und sich seltenbeseitigen lassen. Sie sind die Ursache, daß beim Spinnender Faden, und dann auch das Gewebe ungleich wird.

Nach der Feinheit der Faser gesondert, nehmendie erste Stelle ein: Sea-Jsland oder lange Georgia, Bour-bon, Motril, Bahia; die zweite: Maranham, Pernambuco,Cayenne, Demerary, Domingo; die dritte: kurze Georgia,Subutscha, makedonische, Castellamare, Louisiana, apu-lische, Carthagena, Guadeloupe, Carolina, Caracas, Kir-kagadaz, Smyrna. Uebrigens muß man neben der Feinheitder Faser auch deren Zähigkeit und Festigkeit berück-sichtigen, weil ohne diese das Spinnen auf der Maschineaußerordentlich schwierig ist. So zeichnet sich die heiligeBaumwolle durch sehr feine Fasern aus, dieselben sindaber so locker und leicht zerreißbar, daß das Spinnen großeMühe macht. Aus spröder, grob - und kurzhaariger Baum-wolle läßt sich ein feines Garn nicht spinnen, weil sie daSnothwendige starke Drehen nicht aushält.

Die Feinheit derBaumwollfaftrn verschiedener Artenhat der clsasser Mechaniker Heilmann in vielfältigen Be-obachtungen dadurch zu ermitteln versucht, daß er die Faserneiner Baumwollart auf das Maaß einer Linie genau nebeneinander legte. So fand er, daß den Raum einer Linie 160Fasern von Sea-Jsland oder Lang-Georgia, 150 von Do-mingo, Portorico, Iumel und Bourbon, 133 von Lvui-siana, 123 Quaragua, 120 Castellamare, Cayenne, Car-thagena, kurze Georgia, Bengalen, Surate prima, Per-nambueo, 100 makedonische, Guadeloupe, 80 Allah, Sa-lonichi, Para, Adana, Surate secunda ausfüllen.

Durch mikroskopische Untersuchungen der Fasern vonBaumwolle, Wolle, Seide, Flachs und Hanf hat der Eng-länder Ure erwiesen (s. dessen Schrift: Das Fabrikwesen,deutsch von Diezmann, Leipzig, O. Wigand, 1833), daßderen Bau durchaus verschieden ist. Die drei ersteren Stoffebestehen aus untheilbaren Fasern, die beiden letzteren ausgleichlaufend der Länge nach theilbaren Fasern. Währenddes Wachsthums sind die Baumwollfasern cylindrische Röh-ren, werden aber in der Reife mehr oder weniger platt,band- und spiralförmig in wechselnder Breite. Bemerkcns-werth ist die fast gleichförmige Breite der Fasern von derSea-Jsland-Baumwolle, ohne Zweifel eine Ursache ihrerausgezeichneten Haltbarkeit.

Durch eine chemische Untersuchung der Baumwollfaser