Band 
Erster Band. A - G.
Seite
348
JPEG-Download
 

Baumwolle

348

Baumwolle

Fasern, von gelblicher Farbe, sind aber grob und spröde, undlassen sich nur zu Nr. 30 bis SO spinnen,k. Bolivia

soll eine vorzügliche Baumwolle in Mojos haben, die nochnicht zur europäischen Ausfuhr gekommen ist.

IV. Ostindische.

Ostindien erzeugt jetzt in fortwährend steigender Zu-nahme nächst den Vereinigten-Staaten die meiste Baum-wolle, und befriedigt durch die beträchtliche Produktiontheils die ansehnliche einheimische Industrie, theils die zu-nehmende Ausfuhr nach Europa, vgl. die folgende statistischeUebersicht. Die Sorten sind:

1) Surate und Birah, aus Bombay und denProv. Eoncan nebst Kendeisch (nach der Stadt Dhooleain Kendeisch benannt). Sie ist von sehr verschiedener Güte,aber wesentlich verschieden von der bengalischen so wie dervon Madras, weiß oder auch zuweilen gelblich, von kurzeraber kräftiger Faser in der besseren Sorte, dagegen in dengeringeren Sorten ist dieselbe weich und kraftlos. Je reinerübrigens, desto besser. Die schönste Surate-Baumwolle istdie, welche mit dem Zeichen der ostindischen Compagnie inden Handel kommt. Sie wird in langen viereckigen Ballenaus Bastmatten, fast 12 bis 13 mal mit einem Bastseil festgeschnürt, verpackt. Ihr Preis ist in England wie in Trieftund Hamburg ohngefähr Vs niedriger als die nord-ameri-kanische. — Von derselben Art und eben so gepackt ist die imHandel lovmel genannte; gelblichweiß, gewöhnlich rein,nicht sehr offen, lockig und etwas stark, aber besser als diegewöhnliche Surate.

2 ) In Bengalen hat der Anbau von Jahr zu Jahrabgenommen, und dabei hat sie auch noch mehr an Werthverloren. Im Jahr 184S sind davon überhaupt kaum100,000 Ballen ausgeführt, während früher die Ausfuhrweit beträchtlicher war. Sie ist die geringste der ostindischenSorten; sehr kurz, mit einem gelblichen Schein, rauh undtrocken. Sie wird von Calcutta aus verführt, und kommthier im Februar zu Markt. Man unterscheidet vier Qua-litäten: Banda, Jallone, Faria, Catchowra.Die letzte ist die geringste, und geht meist nach China, sehrselten nach Europa, und wird wie Surate gepackt. Sieläßt sich höchstens bis Nr. SO spinnen. In London ist sieseit 1833 bis 1843 im Preise allmälig von 3^/, ,1. auf 3^/, ä.zurückgegangen.

3) Madras und die Tinevelly; schön gelb, ziem-lich kurz, offen und rein; kommt in verschiedenen Qualitä-ten, wie die anderen Sorten gepackt, in den Handel. Siewird nur zu grobem Gespinnst, Lichtgarn und Watte ver-braucht, und kann selbst in den besseren Qualitäten wedermit den mittleren noch geringeren amerikanischen Sortenverglichen werden. Trotz dem hat ihr Anbau und der Han-del mit derselben an Bedeutung gewonnen. Die beste ist dieTinevelly, besonders in China beliebt. In London stehtseit einigen Jahren die Madras mit der Surate im Preisegewöhnlich gleich, und in Hamburg 1843 sogar etwashöher.

4) Bourbon, von der gleichnam. französischen Inselim indischen Ozean wird, so wie die von den englischen In-seln der Seyschellen, zu denindischen, aber auch zu den

afrikanischen Baumwollsorten gezählt. Die Bourbon-Baumwolle kommt in der Länge der Faser der langen Geor-gia am nächsten, ist sehr fein, glänzend, gelblichweiß, rein,mit kleinen weißen Knötchen und kraftlos. Sie wird inviereckigen Schilfmatten verpackt, dreimal auf allen Seitenmit Schilfseilen geschnürt. Jetzt hat übrigens der Jucker-rohrbau die Baumwollkultur auf der Insel Bourbon, wo siefrüher Hauptsache war, verdrängt. ,

S) Die Baumwolle in Nepaul hat eine röthlicheFarbe. — Die Dakka, im gleichnam. Distrikt in derPräsidentschaft Bengalen, ist eine sehr gute Baumwolle,woraus die bekannten Dakka-Muffeline gearbeitet werden.—Die Sea-Jsland wird in Saugur, an der Mündung desFlusses Hughly gebaut.

V. Hinter-Jndien, die asiatischen Inseln,China

a. Siam; aus dem gleichnam. Lande in Hinter-Jndien, ist theils gelb, theils weiß, kommt aber selten nachEuropa. Die farbige siamesische soll von allen farbigen Ar-ten die beste sein.

d. Manilla, eine feine Sorte von der spanischenInsel Luzon; nach der Hauptstadt der Insel benannt.Uebrigens ist die Kultur der Baumwolle viel beschränkterals früher. Die Ballen sind länglich viereckig, in feinen,hellgelben Schilfmatten mit gespaltenem Rohr geschnürt.

Die Baumwolle ist weiß, mit gelblichem Schimmer, glän-zend, zart, rein, aber ungleichartig lang. Sie läßt sich bisNr. 130 spinnen. Die meiste wird nach China, und nur we-nig nach Cadix ausgeführt.

c. In China wächst sowohl die weiße als gelbeBaumwolle, und die Kultur derselben scheint zuzunehmen.Trotzdem wird noch sehr viel aus Indien eingeführt, imDurchschnitt jährlich gegen 400,000 Ballen; davon dasMeiste aus Bombay. Die chinesische Baumwolle ist ge-wöhnlich reiner und feiner als die indische, jedoch meistenskurz. — Die chinesische gelbe oder gelbbraune, vo»der nichts in den fremden oder europäischen Handel kommt,wächst, wie die weiße, in der Provinz Kiang-Su. Davonwerden jährlich mehr als 800,000 Ballen nach den südlichenFabrikstädten gesendet, wo das gelbe Zeug Nanking dar-aus gewebt wird.

VI. Afrikanische Baumwoll-Sortensind: 1) egyptische. Es giebt davon verschiedene Sor-ten. Die geringste ist die, welche gewöhnlich auch aleran-drinische genannt wird. Ihre Faser ist kurz und hart,und von Farbe weiß. Sie wird in runden und mit Strickengeschnürten Ballen in Leinwand verpackt. — Die Jumel !in Frankreich, Mako in Italien, und llommun Lgxptiaa inEngland genannte Art ist aus Pernambuco - Saamen ge-zeugt, und wird erst seit 1820 gebaut, eingeführt durch denFranzosen Jumel. Sie gehört zu den langen und besserenArten, ist schmutziggelb, fein und kräftig, in der vorzüglichernQualität auch ziemlich rein, aber mit Knötchen, und läßtsich bis Nr. 200 spinnen. Davon wird jetzt viel nach Trieftausgeführt. Im Nvbr. 1843 stand hier der Preis dieserArt 40 bis 43 Gulden, während Nord-Amerika nur 34 bis37, und Surate nur 26 bis 28 Gulden stand. In England ^