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Erster Band. A - G.
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356
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Baumwollenband

— 336 — Baumwollengarn

BaumwollenLand, ist nicht sehr im Gebrauch, daes weder die Festigkeit der leinenen, noch die Schönheit derseidenen Bänder hat. Man macht die Baumwollenbändertheils ganz weiß, theils mit farbigen Streifen, seltner mitDesseins. Die feinern Sorten der glatten Baumwollenbän-der führen den Namen Perkalbänder. Man hat inden letzten Jahren angefangen, gewisse baumwollne Stoffe,in breiten Stücken mit eingewebten Streifen auf dem ge-meinen Webstuhl verfertigt, in Bänder dergestalt zu zer-schneiden, daß jedes dieser letztern zu beiden Seiten als Leisteeinen aus stärkern oder doppelten Kettenfäden gebildetenStreifen erhielt. Auf diese Weise werden besonders Or-gandinbänder zu Frauenputz erzeugt, welche aber, daes ihnen an eigentlichen Leisten fehlt, dem Ausfasern unter-worfen sind. Die schmalen weißen Bänder (zum Einziehenrc.) werden theils aus Baumwolle, theils aus Leinen ge-webt, aber als Leinenband verkauft. In Sachsen hat dieBandfabrikation ihren Sitz in Pulsnitz, Großröhrsdorf,Ohorn rc.

Baumwollenfärberei, engl. couon d^ing, ist fürdie Baumwollmanufaktur ein sehr wichtiger Gegenstand,weil nach der Dauer und Schönheit der Farbe die Güte derWaare beurtheilt wird. Bei der Färberei erweisen sichchemische Kenntnisse vorzugsweise wichtig für die Manu-faktur; denn noch ist es nicht möglich, alle Farben mit demZeuge so fest zu verbinden, daß sie haltbar sind, d. h. derWäsche so wie der Einwirkung des Lichts und der Luft aufdie Dauer widerstehen. Deshalb bleibt es noch immer dieAufgabe der Chemie, für solche Farbestoffe, die sich bis jetztnicht als echte Farben auftragen ließen, ein Verfahren zufinden, daß die Farben dauernd werden. Man unterschei-det unechte, gut oder echt gefärbte, ganz echt oderfest gefärbte Waaren. Die mit Brasilienholz, Blau-oder Gelbholz, Orleail, Safran rc. gefärbten sind unecht;echt die mit Krapp, ohne Oelbad, dargestellten Farben;ganz echt die mit Krapp und Oelbad, z. B. Türkisch, dar-gestellten. Das Verfahren beim Färben umfaßt das Gal-liren, d. h. die Zurichtung der Zeuge mit Galläpfeln undSchmück im sogenannten Bade; das Alaunen, d. h. dieBehandlung des Zeuges in einer Alaun-Auflösung, die fürgewisse Farbe eigenthümlich bereitet werden muß; das ei-gentliche Färben oder Beizen, das Ausfärben oderdas sogenannte Farbebad; und zuletzt das Waschen oderSpülen des Zeuges.

Baumwollengarn, engl. Lolwn Lara, franz. Lot-ton Nie, wird entweder mit der Hand, auf Spindeln oderSpinnrädern, oder mit einer besondern Maschine aus derBaumwolle gesponnen. Es ist nach der Baumwollsorte,woraus es gesponnen wird, und nach der Art des Spinnensin Feinheit, Gleichförmigkeit und Güte verschieden. InOstindien, einigen Theilen der Levante, so wie in Neapelund Sicilien wird nur Handgarn (so nennt man das ausder Spindel gedrehte) gemacht, dagegen liefert England seitder Mitte des 18. Jahrhunderts das Maschinen gärn,welches sich durch größere Gleichheit, Glätte und Wohlfeil-heit auszeichnet.

Das in der Levante gesponnene Garn unterscheidet manin Gebirgsgarn und Garn von den Inseln. Fürdas vorzüglichste gilt dasvonMazli oder Naseli. Die

vorzüglichsten Garnsorten von Damaskus, Smyrna,Aleppo rc. nennt man im französischen Handel Once-«gärn, Unzengarn. Das ostindische Baumwollen-garn kommt vorzüglich von Java, Surate und Ben-galen. Letztere Sorte ist die geringste. Das beste ostin-dische liefert die Küste Coromandel.

Das durch seine Güte als die erste Sorte anerkannteenglische Maschinengarn wird Twistgenannt. Dasstärkste, festeste heißt IVater-tnist, Wassergarn, dasweniger gedrehte Kule-t«ist (Mulegarn). Das festergedrehte Waffergarn wird von den Webern gewöhnlich zurKette oder dem Aufzuge (den Längenfäden des Gewebes)angewendet. Man verlangt nämlich von vollkommen gu-tem Garn, daß es gleichförmig gedreht, gleichmäßig starksei, namentlich auch keine Knoten enthalte, und weder einenstärkern noch schwächer» Grad der Drehung besitze, als derGebrauch verlangt, wozu es bestimmt ist. Daher muß auchdas Ketten gärn von dem Einschlaggarn (letztereszu den Querfäden eines Gewebes) verschieden sein, weil er-steres eine größere Festigkeit nöthig hat. Auch dasjenigeGarn muß stark gedreht sein, welches, in Zwirn verwandelt,zu Näh-, Stick- und Strickgarn verbraucht wird.

Die geringste Baumwolle, welche man zu Wassergarn,IVater-lmst, verspinnen kann, ist die westindische; die bestedazu ist die brasilianische. Smyrnische und andere levan-tische Baumwolle kann man nicht zu Twist spinnen. Was-sergarn aber läßt sich nicht höher spinnen als ungefähr bisNr. 30. Die niedrigste Sorte ist Nr. 10. Die Nummern9, 8, 7, 6 sind blos zu Lichterdochten zu gebrauchen. WeilMulegarn einen weichern, nicht so stark gedrehten Fadenhat, so gebrauchen es die Weber meist zum Einschlage; nurbei Mouffelinen wendet man es sowohl zum Einschlage alszur Kette an. Das Mulegarn kann bis zur Nr. 200, 230,auch wohl 300 gesponnen werden. Manche Maschinen spin-nen dieses Garn so fest, daß es dem Waffergarn nahe kommtund alle Operationen des Färbers aushalten kann. Beidem sogenannten West-Garn, welches blos zum Ein-schlage der Gewebe dient, ist der Faden ganz weich, so daßman ihn leicht in Fäserchen auseinander rupfen kann. Ausallen Sorten von Baumwolle wird West gesponnen, jenachdem die Waare fein oder gering werden soll.

Medio-Twist nennt man das beinahe eben so festals Water-Twist gedrehte Garn Mule-Twist, von Nr. Abis 60.— Doublet-Twist heißt das Garn, welchesaus doppeltem Garn der Nr. 200 bis 230 des Mule-Twist.— Mater-, Medio- und Mule-Twist werden rechts ge-dreht; das links gedrehte Einschußgarn heißt West.

Ein gutes Vergrößerungsglas oder Mikroskop zeigtam besten die Gleichförmigkeit des Garnes. GutesGarn muß haltbar sein. Will man einen Faden zer-reißen, so muß er hinreichenden Widerstand leisten und imAbreißen gleichsam knacken. Wenn dies der Fall ist, stkommt auch das Zerreißen auf dem Webstuhle nicht leichtvor. In der Regel muß der Faden auch glatt sein, nichtrauh oder haarig auf der Oberfläche. Indessen kann dasEinschlaggar» nicht die Güte des Kettengarns haben. UMdie Feinheitsnummern der Garne kennen zu lernen, kannman eine genaue und empfindliche Waage, die Garn-waage, anwenden. Auf dieser braucht man nur als