Baumwollenmanufaktur
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Baumwollenmanufaktur
Vortheil angelegt, und viele Tausende von Händen nützlichbeschäftigt sind. Die Kunstfertigkeit und der Handelsgeist,durch welche es gelang, solche erstaunungswürdige Resultatezu erreichen, sind eine der Hauptquellen der britischen Macht.Die Zeit, wann dieser Industriezweig zuerst in Englandeingeführt wurde, ist nicht genau bekannt; höchst wahr-scheinlich aber geschah es in der ersten Hälfte des 17. Jahr-hunderts. Die erste sichere Erwähnung davon geschieht indem Buch von L. Roberts, Ireasure uklraüic, vom 1.1641.Darin heißt es: „Die Stadt Manchester in Lancashire mußhier gleichfalls erwähnt und zu ihrer Aufmunterung ge-rühmt werden, da sie irländisches Garn in großer Quanti-tät kauft, es webt und dann wieder nach Irland zum Ver-kauf einführt. Allein ihre Industrie bleibt hierbei nicht ste-hen, denn sie kauft in London Baumwolle, die aus Smyrnaund Cypern kommt, verarbeitet dieselbe zu Barchent, rothenTüchern, geköperten und andern Zeugen, schickt sie nach Lon-don zurück, wo sie Absatz finden und häufig nach denjenigenfremden Ländern verkauft werden, die sich milden rohenMaterialien zu einem weit wohlfeileren Preise versehenkönnten." — Allerdings wird öfters bei früheren Schrift-steller» und in älteren Parlamentsactcn der „Manchester-Kattune, des baumwollenen Sammts u. des Barchents rc."erwähnt; allein man darf für gewiß annehmen, daß dieseZeuge ganz aus Schafwolle gefertigt und höchst wahr-scheinlich nur deshalb baumwollene genannt wurden,weil man dabei die aus Indien und Italien eingeführtenBaumwollcnzeuge zum Muster nahm. Seit der Einfüh-rung der Baumwollenmanufaktur in Großbritannien bis zudem ziemlich späten Zeitraume um das Jahr 1773, bestandnur der Einschlag oder die querlaufenden Fäden des Gewe-bes aus Baumwolle, der Aufzug oder die der Länge nachlaufenden Fäden dagegen ganz aus flächsenem, hauptsächlichaus Deutschland und Irland eingeführtem Garn. In demfrühesten Zustande dieses Gewerbszweiges verschafften sichdie über das ganze Land zerstreut wohnenden Weber selbst,so gut sie konnten, das Garn zu dem Einschlage wie zu demAufzuge ihrer Gewebe und brachten sie, sobald sie fertig wä-ren, zu Markte; um das Jahr 1760 aber wurde ein neuesSystem eingeführt. Die Kaufleute von Manchester schicktenihre Geschäftsführer zu den Webern auf dem Lande, liefertenihnen deutsches oder irländisches flächsenes Garn zum Auf-zuge und rohe Baumwolle, welche, nachdem sie von desWebers eigener Familie, vermittelst einer gewöhnlichenKrempel oder eines Spinnrocken gekrempelt und gesponnenworden war, zum Einschlage gebraucht wurde. Auf dieseWeise wurde in den Häusern selbst eine Art Manufaktur-system eingeführt, indem die jüngeren Familienmitgliedersich mit dem Krempeln und Spinnen der Baumwolle, dasFamilienhaupt aber mit dem Weben oder der Verwandlungdes flächsenen und baumwollenen Garns in Zeuge beschäf-tigten. Offenbar war diese Einrichtung, welche dem Weberdie Erleichterung verschaffte, sich nicht mehr selbst mit demflächsenen Garn und d'er rohen Baumwolle versorgen zumüssen, und ihn in den Stand setzte, sein Geschäft regelmä-ßiger zu betreiben, eine Vervollkommnung des früher herr-schenden Systems; zugleich aber ließ sich nicht in Abredestellen, daß aus der Unmöglichkeit, zwischen den verschiedenenZweigen dieses auf solche Art betriebenen Geschäftes eine
wesentliche Theilung einzuführen, oder sie nach einem grö-ßeren Maßstabe zu betreiben, verbunden mit der Unterbre-chung, welche die Beschäftigung der Weber dadurch erlitt,daß diese die Bestellung des Stück Landes, welches sie ge-wöhnlich inne hatten, selbst übernehmen mußten, dem Fort-schritt dieser Manufaktur, so lange sie nach diesem Planeeingerichtet war, unübersteigliche Hindernisse sich entgegen-stellten.
Aus den Berichren des Zollhauses ergiebt sich, daß nacheiner Durchschnittsberechnung für die Jahre 1701 bis 1703jährlich nur 1,170,881 PMnd Baumwolle nach Großbri-tannien eingeführt wurden. Die Angaben über die Baum-wolleneinfuhr von 1720 bis 1770 sind nicht aufbewahrtworden; doch bis zu den letzten zwei oder drei Jahren diesesZeitraumes machte dieser Manufakturzweig nur sehr lang-same Fortschritte und war von keinem sonderlichen Belang,vr. Percival aus Manchester, der über diesen Gegenstanddie genauesten Nachrichten gesammelt hat, berechnet, daß beider Thronbesteigung Georgs III. im 1.1760 der jährliche Ge-sammtwerth aller in Großbritannien fabricirterBaumwollen-waaren nur auf 200,0001.., veranschlagt und daß dabei sehrwenige Personen beschäftigt wurden. Allein im I. 1767 er-fand JakobHargraves, ein Zimmermann zu Blackbur»in Lancashire, die sogenannte Spinning-Jenny. Ver-mittelst dieser bewunderungswürdigen Maschine konnte mangleich anfangs mit derselben Leichtigkeit acht Fäden wie ei-nen einzigen spinnen; später aber wurde sie so sehr vervoll-kommnet, daß ein kleines Mädchen im Stande war, nichtweniger als 80 bis 120 Spindeln in Bewegung zu setzen.
Mit dieser Maschine konnte jedoch die Baumwolle nurzum Einschlag gesponnen werden. Diesem Mangel wurdeaber bald durch die Einführung des Spinnst« hles ab-geholfen, dieser bewunderungswürdigen Maschine, welcheeine ungeheuere Anzahl Fäden von beliebiger Feinheit undDichtigkeit spinnt, und wobei der Mensch nichts weiter zuthun hat, als sie mit Baumwolle zu versehen und die Fäden,wenn sie zerreißen, wieder an einander zu knüpfen. Dieseberühmte Spinnmaschine erbaute Sir Richard Ark-wright. Die Thätigkeit derselben ist von der Spinnme-thode, vermittelst der gewöhnlichen Handspindel und desSpinnrockens so wie der „Spinning-Jenny," dasnur eine Abänderung des gewöhnlichen Spinnrades ist, we-sentlich und völlig verschieden. Vermittelst Walzen zu spin-nen, war eine ganz neue Idee. Die Maschine wurde ur-sprünglich durch Wasserkraft getrieben, und deshalb vomErfinder tVaior-tlpinmlig genannt.
Nachdem das Ersindungspatent Sir Richard Ark-wright's im Jahr 1785 abgelaufen war, machten die Ver-besserungen der frühern und der neueren Entdeckungen dieschnellsten Fortschritte. Die von Mr. Crompton erfundeneMaschine, welche den Namen ,,1lu1e-.Icnnx" führt, so wieder von Mr. Cartwright erfundene „mechanische Webestuhl"(Kraftstuhl) äußerte auf die Baumwollenmanufaktur dengrößten Einfluß. Arkwright's Wafferspinnmaschine ist jetztgänzlich von der Drosselmaschine verdrängt. Dieselbearbeitet zwar auf dieselbe Weise, weshalb sie auch gewöhn-lich Waterspinnmaschine genannt wird, aber das Räderwerkderselben, namentlich der Streckwalzen, ist anders eingerich-tet. Diese Maschine ist doppelt, d. h. sie enthält auf jeder