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Belgien
Belgien
Amsterdam rc. über. Ganz vernichtet konnte freilich dieIndustrie nicht werden; denn sie hatte zu tiefe Wurzeln inder Heimath geschlagen. Es währte zwar lange, ehe dieSonne des Friedens den zertretenen Boden wieder lockerte,uno es litt lange schwere Drangsale. Im I. 1813 wurdedas heutige Belgien mit Holland vereinigt, diese Bereini-gung aber durch die belgische Revolution 1830 wieder zer-stört, und 1831 am 13. Nov. wurde das Königreich vonden fünf Großmächten anerkannt.
Auf dem europäischen Festlande gehört Belgien zu denbetriebsamsten Staaten, wo die Volkskraft und Bolksthä-tigkeit als Kapitalstock des Nationalvermögens geachtet undbehandelt werden. Mit dieser Kraftenwickelung steht dasWachsthum der Bevölkerung in der engsten Verbindung.Im I. 1816 war die Bevölkerung 3,411,082; 1831:3,785,814; 1835: 4,008M4; 1841: 4,028,677 Einw., diezu '>/, Flamänder oder Belgier, und zu Wallonen sind.Jene wohnen in den Arrond. Brüffel, Löwen, der Pro».Brabant, Antwerpen, Ost- und West-Flandern und demgrößten Theil von Limburg; die Wallonen in den Pro».Lüttich, Namur, Hennegau, Luxemburg, und im Arrond.Nivelles der Prvv. Brabant. Eingetheilt ist das König-reich in die Prov. Antwerpen, Brabant, Ost-Flandern,West-Flandern, Hennegau, Limburg, Lüttich, Luxemburg,Namur.
Die Betriebsamkeit des Volks wird durch gute Straßen,schiffbare Flüsse und Kanäle, die Seeküste, so wie durch dasüber das'Land ausgebreitete Eisenbahnnetz befördert. Dasletztere verbindet Brüssel, Mecheln, Antwerpen, Termonde,Gent, Brügge, Ostende, Courtrai, Tournay, Löwen,Lirlemont, St.-Trond, Lüttich, Pepinster, Verviers, Her-besthal, Braine l. C., Mons, Quiövrain, Charleroy,Namur. Zum Theil ist auch die westflandrische Bahn vonBrügge nach Thourout fertig, und an der Bahn von Tour-nay nach Iurbise wird gearbeitet. Die Gesammtlänge der-selben beträgt (1846) 339 Kilometer. Durch die Eisenbahnsteht Belgien mit Deutschland über Herbesthal nach Aachenrc., und über Valenciennes mit der Nordbahn mit Frank-reich in Verbindung, und die Bahn nach Ostende führt zurSeeküste, ein Punkt zur Verbindung mit England.
Die Leinen-Industrie, feit der frühesten Zeit inBelgien heimisch, wird fortwährend mit der größten Sorg-falt gepflegt. Von den 180,000 Hectaren urbaren Ackerwerden gegen 41,000 mit Flachs bebaut, dessen Güte durcheine zweckmäßigere Behandlung wesentlich verbessert undder Werth ansehnlich erhöht wurde. Die Einfuhr desFlachses ist unbedeutend, obschon dieselbe in der neuerenZeit zugenommen hat. Im I. 1840 betrug dieselbe773,001 Kilogramm. Sie bestand größtentheils in rohemProdukt von der französischen Grenze und aus denMieder-landen, das in Belgien zubereitet wurde. Im I. 1831 bis1833 wurden 4,672,067; 1837 bis 1839: 8,609,090; 1840:8,906,904 Kilogr. Flachs ausgeführt, davon Dreiviertelallein nach England, und ein beträchtlicher Theil des fei-neren Flachses von Courtray nach Frankreich gingen. DieHandspinnerei ist durch die immer mächtiger sich entwickelndeMaschinenspinnerei sehr beeinträchtigt. Im I. 1840 wa-ren 30,000 ; im I. 1841 schon 40,000; und im I. 1846:77,000 Spindeln in Thätigkeit, während im 1.1840 außer-
dem 280,396 Spinnerinnen für einen sehr geringen täg-lichen Lohn arbeiteten. Im 1.1840 wurden 400,000 StückeLeinwand von 74,700 Webern gemacht im Werth von2>/z Mill. Frcs. Indessen hat die Leinen-Zndustrie, in Folgedes französischen hohen Tarifs, seit 1833 an Umfang, nichtan Güte des Fabrikats, verloren , ohngeachtet man durchWebeschulen zu helfen suchte.
Die Spitzen von Brüssel und Mecheln haben vonihrem alten ausgebreiteten und hohen Ruf nichts verloren.Noch arbeiten darin in Brügge mehr als 9000, undin Ppern gegen 7000 Frauen und Mädchen — DieTüll-Fabrikation beschäftigt gegen 40 bis 80,000weibliche Personen. — Sehr abgenommen hat die Band-fabrikation, wird jedoch immer noch in Antwerpen,Tournay und Ppern betrieben. — Teppichfabriken be-stehen zu Brüssel, Antwerpen, Gent, Brügge und Kortrykund besonders Tournay. — Die Baum wolle »-In-dustrie hat ihren Hauptsitz in Gent. Hier arbeitete»1839: 34 Baumwollspinnereien, 19 Webereien, 5 großeKattundruckereien, und 8 Maschinenbauwerkstätten imDampfmaschinenbetrieb. Im 1.1843 arbeiteten 56 Fabri-ken mit 249,800 Feinspindeln und 4000 Webestühlen, wo-bei 15,000 Arbeiter beschäftigt wurde». Im I. 1844 warendie Spindeln schon auf 420,000 vermehrt.
DieFayence- und Porzellan fabriken in Brabant,Hennegau und Namur liefern ein gutes Fabrikat. DieGlashütten zu Charleroy führen viel Fensterglas aus.— Die Oelrafsinerien, Licht- und Seifenfabri-ken sind bedeutend.
Bier ist ein Hauptgetränk der Belgier, und wird invorzüglicher Güte bereitet.
Tue Juckerraffinerienu. Runkelrübe nzucker-fabriken befinden sich in Antwerpen und Gent. Im I.1837 gab es überhaupt 28 Zuckerfabriken; im I. 1839 inAntwerpen 28 Zuckerraffinerien. Ihre Zahl hat sich spätersehr verringert. Im I. 1843 arbeiteten nur noch 18 Raf-finerien, und bei Courtray 3 Rübenzuckerfabriken mit 400Arbeitern.
Der Landbau ist in Belgien nicht minder thätig als dieIndustrie, obschon noch viel Land, besonders Heide, sichurbar machen läßt, wie man es in der neuesten Zeit versuchthat. Der vierte Theil der Prov. Antwerpen ist Heideland.In West-Flandern bildet der Flachsbau die Haupterwerbs-quelle der Landwirthschaft, und nützt der Industrie durchdas vorzügliche Erzeugniß beträchtlich; in Ost-Flandernwird Ackerbau und Viehzucht gepflegt; eben so in Brabant,Hennegau, Lüttich, in Luxemburg besonders Vieh-, Pferde-und Schaafzucht; in Limburg der Tabak- undRunkelrübcn-bau, so wie in Hennegau der Runkelrübenbau. In denArdennen in Luxemburg giebt die Eichenrinde einen bedeu-tenden Ertrag.
Die industrielle Betriebsamkeit beschäftigt sich vorzüg-lich in den Prov. Hennegau, Lüttich, Namur, Luxemburgund Limburg mit Ausbeutung der Steinkohlen und Eisen.Die Ko hlenbeute wuchs von 1831 bis 1835. Sie be-trug 1831: 469,814,828 Kilogramm, im Werth von7,042,718 Frcs.; 1838: 965,386,791 Kilogr.zu 10,433,892Frcs. Werth; 1838: 40 Mill. Hectolitres zu 40 Mill. Frcs.,