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Erster Band. A - G.
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Bernstein

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Bernstein

Bernstein , Börnstein, Agtstein, Aitstein, Gles-sum, gelbe Amber, französisch Succin, ö.mkre jauno, karabe;englisch .^mber, Velloev amlier; italienisch ^inbi-a giaiia; spa-nisch ^mbar; russisch lanlar; polnisch Lursrl^n; lateinischSuccinum. Dieses merkwürdige Naturprodukt, welches sichin den Kieslagern an den norddeutschen und dänischen Kü-sten, auch in Sicilien, in einer oft 10 F. unter dem Meeres-grunde befindlichen blauen Erdschicht (Bernsteinerde), die aufeiner festen Erdschicht liegt, findet, ist aller Wahrscheinlichkeitnach das Harz eines vorsündfluthlichen (antediluvianischen)Baumes, das in der Erde eine sonderbare Umwandlung er-litten hat. Es finden sich noch häufig Ueberreste des Holzesvom Bernsteinbaum bei'm Graben des Bernsteins. Die Lageder Erdschichten ist fast überall gleich. Unter der Dammerdeliegt Sand, von Lehm und Eisenoxyd durchzogen, darunterTriebsand, und unter diesem, der stets wasserhaltig ist, dieblaue sogenannte Bernsteinerde. Die Einsammlung ist einkönigliches Regale. Für seine vegetabilische Entstehungspricht unter andern auch der Umstand, daß er Insekten inseinem Innern enthält, von denen man glaubt, sie haben sichan dem frisch ausfließenden Harze angesetzt, seien da festge-klebt und durch später noch darüber hinfließende Masse ein-geschlossen worden. Der Bernstein besitzt eine gelbe Farbe,welche vom Milchweißen bis in's Gclbbräunlichc und Röth-lichbraune, auch in's Grünliche übergeht; er ist mäßig hart,settglänzend, flachmuschelig im Bruch; specif. Gewicht 1.063bis 1.10; geruch- und geschmacklos, theils wasserhell durch-sichtig, halbdurchsichtig, theils nur durchscheinend. DieStücke sind von sehr verschiedener Größe, von der einer Linsebis zu der eines Menschenkopfs, welche letztere jedoch sehrselten sind; die gegrabenen Stücke sind mit einer rauhen un-durchsichtigen Kruste überzogen, der gefischte hat die Krustewahrscheinlich durchs Abreiben verloren. Der Bernsteinwird durch Reiben elektrisch, zieht kleine Körper an. Wird^ Bernstein erwärmt, so verbreitet er einen schwachen aroma-^ tischen Geruch, erweicht bei 112 bis 113», fängt an, sich zubräunen, sich zu zersetzen, schmilzt bei 270 bis 280°, blähtsich auf, verbrennt mit Heller Flamme und starkem Geruch,giebt durch trockene Destillation Bernsteinsäure, brenzlichesOel, welches aus 2 verschiedenen Oelen und Brandsäure be-steht, eine saure, aus Essigsäure, Bernsteinsäure und brenz-^ lichem Oel bestehende Flüssigkeit, Bernstcinspiritus, und hin-terläßt, wenn man die Destillation unterbricht, sobald dasOel aufhört überzugehen, ein dunkelbraunes Harz, welchesflachmuschelig, fettglänzend, geruchlos und zerreiblich ist,Bernstcinharz, (Bernsteinkolophonium). WasseristohneWirkung auf den Bernstein, absoluter Alkohol und Aetherlösen von ihm das lösliche Harz auf, ebenso Terpentinöl.—Man findet ihn am häufigsten an den Seeküsten verschiede-^ ner Länder, vorzüglich in der Nordsee, von Holland an längsder deutschen und jütländischcn Küste an verschiedenen Stel-len; an der Südküste der Ostsee, von Holstein an bis Preu-ßen, am meisten aber an den Küsten von Ostpreußen; auchwohl an der gegenüberliegenden schwedischen, wie an derkurländischen,.liefländischen und ingermannländischen Küste.Gewöhnlich wirft ihn die See bei heftigen Stürmen mitMuscheln, Seegewächsen rc. an den Strand, daher er amhäufigsten bei Stürmen mit Netzen oder Käschern von denStrandbewohnern aufgefischt wird, die deshalb so weit in's

Wasser hineingehen, als sie können; oder man sammelt ihnaus dem Sande am Ufer auf, meist aber nur nach stürmi-schem Wetter, da man bei anhaltend stiller Witterung wenigfindet. Er findet sich auch in den Sandhügeln am Meereund in der Nähe derselben, in Lagern von Sand oder Thonnesterweise, daher an den preußischen Küsten ein ordentlicherGrubenbau darauf angelegt ist. Auch findet man zuweilenentfernt vom Meere in Kieslagern, z. B. in Pommern,Mecklenburg, Brandenburg, Schlesien und Sachsen Bern-stein. Die Form der Bernsteinstücke ist sehr verschieden; dieStücke sind bald abgerundet, bald eckig, länglich, ei- undbirnförmig rc. Zuweilen ist der Bernstein ganz farblos, amgewöhnlichsten kommt er in den verschiedensten Abstufungender gelben Farbe vor, am seltensten aber blau, grün oderschwarz. Nach der Farbe unterscheidet man 2 Hauptgat-tungen, den gelben und bunten. Nach dem Grade derDurchsichtigkeit hat man 1) klaren, d.i.ganz hellen,durch-sichtigen, er findet sich in verschiedenen Abstufungen der gel-ben Farbe bis farblos; 2) den Bastart, der wieder nachden Farben sortirt wird; man unterscheidet besonders a) denkomstfarbigen, d. i. von der Farbe des weißen Kopfkohles,in Pommern Kamst genannt, d) den eiergelben, c) denbraunen und ä) den knochichten. Besonders geschätzt undoftmals von Liebhabern sehr theuer bezahlt werden diejeni-gen Stücke, welche fremde Körper einschließen, z. B. In-sekten, als Mücken, Motten, Spinnen, Ameisen rc.Pflanzentheile, z. B. verschiedene Blättchen, Kienna-deln, Fichtenzapfen, Spähne, Moos u. dgl., endlich auchwohl Wassertropfen. Bei dem Ankauf solcher seltenenStücke hat man sehr darauf zu sehen, daß sie nicht betrüglichnachgemacht sind. Letztere erkennt man zum Theil an ge-drechselten Reifen, die aber oft sehr unmerklich sind, zumTheil daran, daß die Stücke sich öffnen, wenn man sie einekurze Zeit in heißem Wasser liegen läßt.— Gebrauch: inEuropa verfertigt man aus dem Bernstein allerlei Kunst-sachen und Galanterie- und Modewaaren, Gefäße, Bilder,Arm- und Halsgcschmeide, Kästchen, Dosen, Knöpfe, Ber-locken, Krucisire, Mundstücke auf Pfeifen, besonders aberKorallen, Rosenkränze und kleinere Galanteriewaaren.

Ferner gebraucht man ihn sehr häufig zum Räuchern,zu Firniß, zu Bernsteinsalz und Bernsteinöl rc. Eine sehrgroße Menge wird durch Juden, durch griechische und ar-menische Kaufleut sowohl heimlich als öffentlich aufgekauftund nach der Türkei, Persien und mehreren asiatischen Län-dern, selbst bis nach China vertrieben. Im Orient gehörtdas Räuchern damit in den Tempeln und Privathäusernnicht nur zum Prachtaufwand, sondern man schätzt denBernstein zum Schmuck auch eben so sehr, wie bei uns dieEdelsteine, und bezahlt ihn daher sehr theuer. Der Haupt-handel mit rohem und verarbeitetem Bernstein wird nochimmer in Königsberg, Stolpe in Hinterpommern undDanzig, woher man bei weitem den meisten erhält,nächstdem auch auf den leipziger Messen getrieben. Wasan den dänischen, jütländischen, schwedischen oder an denKüsten und Inseln des nordwestl. Deutschlands, bis Hol-land hin gesammelt wird, verkaufen Strandpächter und an-dere an reisende oder hie und da ansässige Juden. In Ost-preußen gehört der Bernstein zu den Regalien, und allervon Privatleuten gefundene muß an das königliche Magazin